Zwischen „Nihau“ und „Hva heter du“

Eichenschule feiert beim ersten „Tag der Sprachen“ multikulturelle Schülerschaft

Rebecca Nguyen zeigte den Schülern vietnamesische Festtagskleider aus der Heimat. - Foto: Heyne
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Rebecca Nguyen zeigte den Schülern vietnamesische Festtagskleider aus der Heimat.

Scheeßel - Was haben ein vietnamesisches Festkleid, kurdische Zitate und norwegische Deklinationen gemeinsam? Sie alle spielten beim ersten „Tag der Sprachen“ am Mittwoch an der Eichenschule eine Rolle.

Während im Erdgeschoss Platt geschnackt wird, dringt aus dem zweiten Stock „Sai Chin“ – einzig das Wort „Döner“ aus dem Raum mit der Aufschrift „Kurdisch“ mutet vertraut an. Einen Raum weiter werden norwegische Verben gebeugt: „Eigentlich eine ganz einfache Sprache“, versichert Antje Subey-Cramer, die einzige erwachsene Dozentin an diesem Vormittag. Sprechen können die rund ein Dutzend Siebtklässler die Sprache nach gerade mal eineinhalb Stunden natürlich nicht, aber darum geht es auch gar nicht. Sondern darum, erste Einblicke in fremde Sprachen und Länder zu bekommen, „in die Kulturen hineinzuschnuppern“, so Jan Hensel. Wie auch Bennett Meyer gehört der Zehntklässler zu der alle paar Monate tagenden Europa-AG, der auch Lehrer und ein Elternteil angehören. Sie hat auf Anregung der Lehrerin Antje Meiborg diesen Tag ins Leben gerufen. „Es geht auch darum zu zeigen, wie vielfältig wir hier aufgestellt sind“, so Meyer. 15 Schüler aus zehn Ländern haben sich gemeldet, um den Siebtklässlern Einblicke in ihre zweite Muttersprache zu geben, darunter auch Hebräisch, Hindi, Spanisch, Niederländisch, Russisch, Italienisch und Plattdeutsch.

Gerade hat sich eine Handvoll Schüler an die Hände gefasst und tanzt gemeinsam zur kurdischen Musik. Can Kurt ist zufrieden: „Ihr könnt alle zu meiner Hochzeit kommen“, scherzt der Schüler, und nachdem er eine Runde Vokabeln abgefragt hat: „Jetzt seid ihr Kurden!“

Einige Klassenräume weiter heißt es „Nihau“. Dort versuchen sich Schüler darin, Glückskekse mit Stäbchen in den Mund zu bugsieren und ergründen ihr chinesisches Sternkreiszeichen. „Wahnsinnig interessant, wie die unterschiedlichen Aussprachen der Wörter die Bedeutung verändern“, meint Leah Ehlbeck. Sie hat sich bewusst für Länder entschieden, über deren Kulturen sie vorher überhaupt nichts wusste – und ihre Wahl nicht bereut. Ebenso wie ihre Sitznachbarin Alexa Scherler, die eifrig übt, die chinesischen Zahlen als Handzeichen zum Besten zu geben. Für sie geht es nach der Pause nach Russland. „Dort kommt meine halbe Familie her.“

Rebecca Nguyen hat gerade ihr Festtagskleid herumgezeigt – Feste spielen in Vietnam eine große Rolle, wie die Schüler erfahren. Genauso wie der Verkehr – das gezeigte Video bringt sie zum Staunen. In ihre Präsentation mit eigenen Bildern lässt sie immer wieder persönliche Eindrücke und Erfahrungen einfließen – die Drachenfrucht- und Reisplantage der Tante, das Reichtumsgefälle zwischen Norden und Süden. Genau wie die anderen freiwilligen Neunt- bis Zwölftklässler wird sie an diesem Vormittag zur Lehrerin, setzt sich mit den Besonderheiten ihrer zweiten Muttersprache und des Landes auseinander. Nicht eben leicht, können zwei Unterrichtsstunden doch sehr lang sein, aber auch zu kurz, um detailliert in die kulturellen Besonderheiten der Heimat einzusteigen. „Ich habe mich mit meiner Mama beraten“, meint sie und ist froh: „Wir haben alles Wichtige behandeln können, sogar noch ein Boot für die wichtigste Vokabel zum Abschluss gebastelt.“

Die Geschwister Jessica und Jennifer Lian und ihr Cousin Chengxin Yang hatten vorher Bedenken, die Zeit könnte nicht ausreichen für all das, was sie vermitteln wollen: Warum Chinesisch so schwer ist, Etikettefragen („Tragt kein Weiß, das ist die Farbe der Trauer!“) oder das Aufräumen mit Klischees wie „Esst Ihr in China Hunde?“. In ihrer Brust schlagen zwei Herzen: „In Deutschland bin ich die Chinesin, beim Austausch letztes Jahr war ich die Deutsche – aber das ist okay so“, meint Jessica. Sie begrüßt den Sprachentag: „Als ich in der siebten Klasse war, hätte ich mir so etwas auch gewünscht!“ hey

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