Wie die Corona-Krise Wirtin Margitta Meyer vom Scheeßeler Hof trifft

Zwischen Hoffen und Bangen

Die Tür zum Scheeßeler Hof bleibt zu. Margitta Meyer hofft, dass der Betrieb aber ganz schnell wieder fortgesetzt werden kann. Foto: Warnecke

Scheeßel – Margitta Meyer sitzt in ihrer Gaststube am Tresen. Sie schenkt einen Sekt ein. „Trinken wir auf den Untergang!“, sagt sie und hebt das Glas. Ihren Humor hat die Gastronomin noch nicht verloren. Normalerweise würden gleich die ersten Gäste kommen. Doch heute, und wohl noch eine ganze Weile lang, bleibt ihr Lokal, der Scheeßeler Hof, geschlossen. Nicht urlaubsbedingt, wie man früher hätte annehmen können. Diese Zeiten sind vorerst vorbei. Nein: Die Corona-Krise hat, wie die gesamte Gastrobranche, auch ihr Lokal fest im Griff. Viele Betriebe haben wenigstens noch tagsüber geöffnet. Bis 18 Uhr, danach ist Schluss. Für Meyer ist dies aber keine Option. Das von ihr geführte Traditionsgasthaus mit Saalbetrieb, vor nicht ganz zwei Jahren nach aufwendiger Sanierung erst wiederöffnet, macht die Tür eh erst am frühen Abend auf. Doch heute, an diesem Mittwoch, an dem es gespenstisch leer auf den Straßen des Beeke-Ortes ist, nicht. Der Scheeßeler Hof, bekannt und beliebt für seine gutbürgerliche Küche, bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Das „Schicksal“ von Margitta Meyer – sie teilt es sich mit vielen anderen, die Gaststätten in Pachtverhältnissen führen. Die Verunsicherung darüber, wie es weitergehen soll, wenn die Klientel in den kommenden Wochen, wenn nicht sogar Monaten, ausbleibt, ist groß. Auch sie sei verunsichert. Sehr sogar, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung zugibt. „Meine Einnahmen sind ja von jetzt auf gleich auf Null.“ Vor einer Woche, sagt sie, haben sie und ihr Service-Team das letzte Mal eine Gesellschaft auf dem Saal bewirtet. Anlass war ein 80. Geburtstag. Nicht jeder, der geladen war, sei da schon erschienen. „Zwei andere Veranstaltungen, eigentlich für den Sonntag gebucht, sind dann schon komplett abgesagt worden“, berichtet die 51-Jährige.

Einen Abholservice für den Außer-Haus-Verzehr, wie ihn einige Lokale auch in der Gemeinde Scheeßel anbieten, um irgendwie noch über die Runden zu kommen, werde sie vorerst beim besten Willen nicht einrichten können. „In der Familie einer Mitarbeiterin gibt es einen Infiziertenfall, da heißt es erstmal abwarten.“ Und mit nachdenklicher Miene fügt sie hinzu: „Man weiß ja ohnehin noch nicht, ob und wann die Ausgangssperre auch bei uns kommt.“

Personell habe sie jedenfalls schon die Konsequenzen ziehen müssen. Ihre 450-Euro-Kräfte hat sie entlassen, für die drei festangestellten Mitarbeiter, inklusive Köchin, hat sie zwangsläufig Kurzarbeit angemeldet. „Wenn es mit dem Betrieb weitergeht, stelle ich meine Minijobber aber natürlich wieder ein“, so Meyer.

Gerade der Saalbetrieb, sagt sie, bringe ihr die stärksten Einnahmen. Und die Kulturveranstaltungen, die sie zum Teil auch selbst organisiert. „In diesem Monat hätten wir noch sechs Events gehabt – das fällt natürlich aus, wie alles, was für die nächste Zeit geplant war.“ Unter das Hauptgeschäft im Mai, in dem sonst Spargelgerichte auf der Speisekarte stehen, könne sie wohl schon jetzt einen Haken setzen.

Was sie persönlich wurmen würde: „Ich habe hier viel Geld und Herzblut hineingesteckt, erfahre gerade eine hohe Akeptanz, nachdem das Geschäft nach und nach erst anlaufen musste – und dann kommt Corona.“ Darum hoffe sie auch, dass die Gäste, wenn die Krise mit all ihren Einschränkungen vorüber ist, erst recht Lust bekommen werden, auszugehen und es sich bei ihr schmecken zu lassen, damit sie so den nun zu 100 Prozent fehlenden Umsatz vielleicht doch noch irgendwie nachholen könne. „Und womöglich werden ja auch noch die runden Geburtstage dann nachgeholt.“ Immerhin müssten die Nebenkosten wie Strom und Wasser ja auch weiterhin noch bezahlt werden. Und dann, sagt sie, seien da ja auch noch die Leasing-Geschichten wie der Kaffeevollautomat im Ausschankbereich, den sie in Raten abzuzahlen habe. „Vielleicht kann man da mit dem Partner noch verhandeln und das für drei Monate aussetzen, um so die Kosten zu senken.“ Man merkt: Margitta Meyer denkt über jede Möglichkeit zur Einsparung nach.

Berufliche Existenzangst, die habe sie nicht. Noch nicht. „Es soll ja jetzt wohl auch finanzielle Hilfen seitens des Staates für kleine und mittelständische Unternehmen geben“, sagt sie. „Eventuell kann man da ja etwas mitnehmen – man muss es aber auch erstmal haben.“

Am Ende rutscht Meyer, die Industriekauffrau gelernt hat, sich zur Finanzbuchhalterin weiterbilden ließ und seit nunmehr zwölf Jahren in der Gastronomie arbeitet, doch noch ein Lächeln über die Lippen. „Irgendwie wird es schon weitergehen.“ Und das muss es auch.

Gerade erst habe sie mit einem Busreiseunternehmen aus Flensburg eine Vereinbarung getroffen, wonach Touristen regelmäßig nach Scheeßel gefahren werden, um neben einem Besuchsprogramm im Heimatmuseum auch bei ihr im Scheeßeler Hof einzukehren. „Das ist für mich ein supertolles Zusatzgeschäft“, freut sich die Wirtin. Im Mai kommenden Jahres soll die Kooperation erstmals Früchte tragen. Wenn – und auch das muss inzwischen bedacht werden – dann nicht wieder eine Pandemie dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung macht.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Immer wieder freitags

Immer wieder freitags

Hellwege äußert sich

Hellwege äußert sich

Zentrale Frage: Wie lange?

Zentrale Frage: Wie lange?

Kommentare