Zweites Café International wird mit Gottesdienst und Musik aus dem Kongo gefeiert

Eine Falafel zum Kaffee

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Frisch zubereitete Falafel: Für Flüchtling Fadi war die Bewirtung der Gäste eine Selbstverständlichkeit.

Scheeßel - Frische Falafel, vorsichtige Annäherungen, ein Gottesdienst fast mit amerikanischen Gospel-Feeling und jede Menge Kuchen – denkwürdig war es, das zweite (und in dieser Form letzte) Café International am Sonntag im Harmshaus. Letzteres quoll schon vor der offiziellen Begrüßung durch Mitinitiator Paul Göttert aus allen Nähten.

Unter den rund 100 Gästen, Einheimischen wie Zugereisten, waren ebenso viele „alte Hasen“ wie neue Gesichter. Rasha aus dem Sudan ist bereits seit elf Monaten mit ihrem Mann Mohammed im Beeke-Ort zuhause. Die inzwischen dreisprachige junge Frau übernahm die Übersetzungen ins Arabische. Ihre Geschichte seit dem letzten Treffen macht Mut: Das Ehepaar hat mit viel Eigeninitiative und der Vermittlung durch Alt-Scheeßelerin Birgit Müller-Scheeßel inzwischen eine eigene Wohnung gefunden; Rasha besucht einmal pro Woche einen Kurs des Tanzvereins „Step by Step“. Arbeiten dürften die beiden von Rechts wegen auch, allein: Mit den Angeboten hapert es. „Es steht und fällt mit der Sprache“, weiß die Sudanesin, die zusätzlich zum Unterricht in der Beeke-Schule auch Privatunterricht von Ehrenamtlichen bekommt.

Diesen Weg hat Tina Bala noch vor sich: Die Halb-Nigerianerin, nach mehr als zwei Jahren auf der Flucht aus Liberia im März nach Fintel kam, hält ihre zwei Monate alte Tochter Rebecca auf dem Arm. Der Vater ist Freiburg zugewiesen worden; auf eine Familienzusammenführung kann die junge Familie nicht hoffen, da die Eltern nicht verheiratet sind. Sie hat durch die Fintelerin Rosemarie Dress von dem Treffen heute erfahren. „Sie hat mir gesagt: Da lernst du Leute kennen – da musst du hin!“, habe ihre „Kümmererin“ ihr gesagt. Die Fintelerin ist Patin ihrer Tochter und „der beste Mensch der Welt“, strahlt die junge Mutter.

Café International in Scheeßel

Bei vielen hier verhindert die sprachliche Kluft, dass Einheimische und Flüchtlinge sich näher kommen. Der gute Willen allerseits ist allemal spürbar an diesem Nachmittag. Der Applaus, der den Asylbewerbern entgegenschallt, wenn sie aufstehen, um sich vorzustellen und Grüße in ihrer Muttersprache vorzutragen, macht viele verlegen.

Hassan, Fadi und Achmed sprechen „kulinarisch“, wie Paul Göttert es nennt: Sie bereiteten für alle Gäste frische Falafel zu. „Beim gemeinsamen Kochen mit Flüchtlingen in der Beeke-Schule kam das gut an“, erklärt seine Frau Mechthild; kurzerhand sei man gemeinsam einkaufen gefahren. Nun bruzzelt der gelernte Koch Hassan, was die Fritteuse hält. Die von seinen Landsleuten dekorierten Teller würden jedem Restaurant zur Ehre gereichen.

Auch der anschließende Gottesdienst ist gut besucht. Mehrsprachig und bunt fällt er aus, und immer wieder sorgt neben den „Kreuzschnäbeln“ auch eine Musiktruppe mit kongolesischen Wurzeln zwischen den Worten von Pastor Markus Kalmbach aus Winsen dafür, dass die Andacht das wird, was die Scheeßeler Initiatoren sich doch so sehr gewünscht haben: Ein Fest der Völkerverständigung.

hey

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