Plattgemacht: Ostervesede führt niederdeutsche Ortsschilder ein

Zweisprachig ins Dorf

Ostervesede macht‘s vor: Neben dem gebräuchlichen Ortsnamen soll von den gelben Schildern künftig auch die plattdeutsche Bezeichnung grüßen – also Ostervees. Foto: lw

Ostervesede - Von Lars Warnecke. Wie heißt das niederdeutsche Pendant zu Ostervesede? Klar, Ostervees. Und wohl kaum einer im Dorf, erst recht nicht die älteren Einwohner, würde den hochdeutschen Namen in den Mund nehmen, ist das gesprochene Platt, welches immerhin auf der europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen steht, für sie doch auch ein großes Stück Heimat. Oder anders ausgedrückt: Identität.

Die möchte der Ortsrat nun auch nach außen tragen, für jeden, der ins Dorf kommt, weithin sichtbar. Und darum werden demnächst die Ortseinfahrten auch gelbe Schilder in Hoch- und in Niederdeutsch schmücken. Darauf haben sich die Ortspolitiker jetzt auf einer öffentlichen Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus verständigt. Nur müsste auch der Gemeinderat noch sein Okay geben, schließlich soll die Anschaffung des neuen Blechs im Schulterschluss mit der Gemeinde finanziert werden. „Wir wären dann mit einem fünfzigprozentigen Eigenanteil dabei“, kam Ortsbürgermeister Andreas von Fintel auf das Koop-Kostenmodell zu sprechen. Ein entsprechender Antrag aus Ostervesede beziehungsweise Ostervees sei schon im April ans Rathaus adressiert worden. „Wir sind jedenfalls der Meinung, dass die Zweisprachigkeit angebracht wäre, weil das Platt bei uns doch noch sehr präsent ist.“ Den nickenden Köpfen unter der reichlich versammelten Zuhörerschaft war zu entnehmen, dass der Ortsrat mit dieser Meinung nicht allein auf weiter Flur steht.

Fakt ist: Mit einem plattdeutschen Namenszusatz, für den Bewerber handfeste Beweise vorlegen müssen, etwa aus alten Dokumenten und Chroniken, und welcher von der Unteren Straßenverkehrsbehörde genehmigt wird, wäre Ostervesede die bisher einzige Ortschaft in der Einheitsgemeinde, die das so praktiziert. Kreisweit, so von Fintel, hätten solche Schilder mit Mundartnamen doch noch eher Seltenheitswert. Und das, obwohl diese in Niedersachsen schon seit 2004 zulässig sind.

Was – getreu den strengen Gestaltungsregeln – in kleinerer Schrift unter dem hochdeutschen Begriff stehen wird, ist klar: Ostervees. Der Ortsteil Einloh erhält aller Voraussicht nach die Zusatzbezeichnung Eenloh. Über die genaue Schreibweise, warf der Ortsbürgermeister ein, müsse man hier noch einmal Rücksprache halten – und zwar mit dem Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen, welches die Anwärter bei ihren Vorhaben unterstützt. Nur Deepen, ein weiterer Ortsteil von Ostervesede, bleibt das, was es ist: das ohnehin schon plattdeutsche Deepen. „Mir würde da vielleicht noch die hochdeutsche Bezeichnung ,Deppen‘ einfallen – aber ich glaube, damit liege ich wohl falsch“, juxte von Fintel herum. Entsprechend müssten hier auch keine neuen Schilder angeschafft werden.

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