Zurück zur ökologischen Vielfalt

Gemeinde Scheeßel setzt sich mit Partnern gegen überpflügte Wegeränder ein

Die Streifen zwischen Feldern und Wirtschaftswegen können wichtige Biotope sein, die zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.
+
Die Streifen zwischen Feldern und Wirtschaftswegen können wichtige Biotope sein, die zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

Scheeßel – Es ist ein Problem, vor dem nicht nur die Gemeinde Scheeßel steht, bei Weitem nicht: Vielerorts sind die Wegeseitenränder in einem solchen Maß überpflügt, dass sie schlichtweg kaum noch Lebensraum für Insekten und anderes Getier bieten können. Das ist historisch so gewachsen, nach und nach wurden nicht wenige der in kommunaler Hand liegenden Wirtschaftswege immer schmaler. Auch an der Beeke.

Nun, zum Ende ihrer Bürgermeisterin-Karriere, soll es aber in einem umfangreichen und arbeitsintensiven Anlauf doch noch klappen. „Rückführung und ökologische Aufwertung der Seitenräume der Wirtschaftswege“ nennt sich das Projekt im besten Beamtendeutsch, welches sie sich persönlich mit „viel Unterstützung und Hartnäckigkeit“ angenommen habe. „Dass man das Ganze mal grundsätzlich angehen muss, statt immer nur punktuell – da bin ich schon lange im Gespräch mit unserer Landwirtschaft“, sagt die 62-Jährige. Sie selbst, räumt Dittmer-Scheele ein, habe seitens der Flächeneigentümer ob des „Aufräumens“ schon mit ordentlich Gegenwind gerechnet. Der habe sich dann aber doch nicht eingestellt: „Die Reaktionen waren viel positiver, als ich gedacht habe.“

In einem ersten Schritt fand zunächst eine Bestandsaufnahme statt – darüber, welche Wege es im Gemeindegebiet überhaupt gibt und wo solche Überwirtschaftungen Einzug gefunden haben. Luftbilder sollten der Verwaltung hier eine wichtige Stütze sein. „Damit haben wir im Sommer 2018 angefangen – eine echte Sisyphus-Arbeit“, blickt die Bürgermeisterin zurück. Zwei Jahre später habe man unter die Open-Air-Inventur einen Haken setzen können. „Danach habe ich der Politik das Thema dargestellt und mir von ihr das Okay geholt.“ Im Alleingang agiert die Gemeinde übrigens nicht. Neben den Landwirten seien auch die Ortsbürgermeister sowie eine eigens für das Projekt gegründete AG Wirtschaftswege involviert. Mit fachlicher Expertise habe den Beteiligten zudem die Untere Naturschutzbehörde unterstützend zur Seite gestanden.

„Bei dieser Bestandsaufname haben wir von vornherein gesagt, wir machen drei Kategorien, weil wir nicht alles auf einmal in Ordnung bringen können“, so Dittmer-Scheele. So seien zunächst mal solche Wege an der Reihe, an denen 1 000 Quadratmeter und mehr überpflügt sind oder wo der Weg schon verschwunden oder in Teilen verschwunden ist. „Das sind immerhin jetzt 54 Wege mit einer Gesamtfläche von 12,4 Hektar“, bilanziert sie.

Mit der Beschlussvorlage in der Hand will sich Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele vom Rat die Finanzierung des Projektes bewilligen lassen.

„Nachdem wir uns mit den Bewirtschaftern grob über die Grenzen einig waren, haben wir mithilfe der Naturschutzbehörde ein Konzept erarbeitet, was man mit den Bereichen anfangen kann“, rekapituliert die Bürgermeisterin weiter. Soll man die Ränder einfach liegen und sich entwickeln lassen? Soll man Blühwiesen anlegen oder Hecken und/oder Bäume pflanzen? Mit solchen Fragen sei man im Mai mit allen Beteiligten erneut rausgefahren, wo die Landwirte im Austausch auch ihre Belange eingebracht hätten. „Wir wollen die Flächen natürlich ökologisch sinnvoll nutzen, wir wollen den Bewirtschaftern aber nicht über Gebühr Schwierigkeiten machen, um auf ihre Felder rauf und runter zu kommen“, betont die Verwaltungschefin. Daher sei für Herbst eine Vermessung der Grenzverläufe vorgesehen – „danach werden richtig Pflöcke in den Boden gehauen, damit man auch sieht, wo die Grenze ist.“

Ganz billig wird das Ganze für die Gemeinde nicht: 145 000 Euro muss sie für das Paket in die Hand nehmen. Darin enthalten sind ebenfalls schon die Kosten für diverse Anpflanzungen, die im Anschluss an die Markierungen – ebenfalls in Absprache mit den Landwirten – erfolgen sollen. Donnerstag, während einer Sitzung des Scheeßeler Gemeinderats, soll die Finanzierung nachträglich unter Dach und Fach gebracht werden.

„Da wir mit unseren Konzepten noch nicht soweit waren, als wir den Haushaltsplan aufgestellt haben, entsprechend l noch keine Gelder für das Projekt vorgesehen waren, muss ich mir das jetzt überplanmäßig vom Rat bewilligen lassen“, erläutert Dittmer-Scheele.

Aufschieben will sie die ganze Geschichte aber nicht wissen. Warum nicht? „Durch die Kommunalwahlen und einige andere Faktoren wird der nächste Haushalt voraussichtlich erst im Februar 2022 verabschiedet werden können – dann ist die Pflanzzeit aber vorbei.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf
Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“

Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“

Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“
Beziehung unterm Brennglas

Beziehung unterm Brennglas

Beziehung unterm Brennglas
Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Kommentare