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Umsichtige Brandschützer beenden in Scheeßel Ausflug ausgebüxter Ponys

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Von: Ulla Heyne

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Zwischen Neugier und Naschsucht: Normalerweise zeigen sich die Ponys Kai Uwe (l.) und Erwin bei ihrer Besitzerin Stefanie Buchholz lammfromm.
Zwischen Neugier und Naschsucht: Normalerweise zeigen sich die Ponys Kai Uwe (l.) und Erwin bei ihrer Besitzerin Stefanie Buchholz lammfromm. © Warnecke

Ein durch den Sturm auf den Zaun gestürzter Baum bot den Weg in die Freiheit: In Scheeßel nutzten zwei Ponys die Gelegenheit, sich vom Acker zu machen. Weit kamen sie nicht: Das Gras beim Feuerwehrgebäude war einfach zu lecker.

Scheeßel – Eigentlich hatten die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Scheeßel das Aufregendste schon hinter sich, als sie abends gegen 20.30 Uhr vom Einsatz zurückkehrten. Sturmtief „Nadia“ hatte ganze Arbeit geleistet: Nachdem ein Baum auf die Gleise gestürzt war und einen Metronom-Zug zum unfreiwilligen Halt auf freier Strecke gezwungen hatte, waren die ehrenamtlichen Helfer ausgerückt, um 14 Bahnreisende zu evakuieren.

Als sie zum Feuerwehrhaus zurückkamen, sollte sie eine Überraschung erwarten. Und die hatte zwei Mal vier Beine und war ziemlich aufgeregt: Zwei Ponys, die ohne menschliche Begleitung und Halfter allein unterwegs waren. „Die liefen auf dem Gelände herum und dann Richtung Straße“, erinnert sich Pressesprecher Thomas Opitz. Was zu tun war, stand für die Brandschützer fest: „Sehen, beruhigen, einfangen“, bringt Opitz es auf den Punkt, „schließlich sind wir in der Nähe der B 75 – nicht auszudenken, wenn sie auf die Bundesstraße gelaufen wären.“ Doch dazu sollte es gar nicht kommen, und auch die Polizei musste nicht zur Verkehrssicherung einschreiten. Denn Kai Uwe und Erwin, so die Namen der neugierigen Ausreißer, ließen sich sofort vom guten Zureden der Feuerwehrleute besänftigen. „Erstaunlich – so lebhaft, wie sie vorher gewesen waren, so lammfromm waren die auf einmal“, berichtet Opitz.

Schnell war aus den Materialbeständen ein provisorisches Halfter gebastelt, „den Strick haben wir ihnen nur übergelegt, festhalten mussten wir ihn gar nicht“, so der Scheeßeler, denn dann hätten die beiden Pferde sofort angefangen, in aller Ruhe zu grasen. Von Vorteil sei gewesen, dass die meisten Kameraden schon wieder „in Zivil“ gewesen wären, „die Reflektoren an der Feuerwehrkleidung hätten sie sonst vielleicht geblendet und in die Flucht geschlagen“.

Florian Tietz war es, der wusste, wo die beiden hingehörten: Sie waren quer über das Feld von einem Paddock am Viehtrift herübergekommen. Nach wenigen Telefonaten „auf dem kleinen Dienstweg“ – über den Bruder des Schwagers wurde die Besitzerin telefonisch informiert.

Schreck beim Feierabendbier

Als der Anruf kam, fiel Stefanie Buchholz aus allen Wolken: „Wir saßen gerade mit Freunden auf ein Feierabendbier in der Hütte bei der Pferdeweide zusammen“, erinnert sich die 33-Jährige. „Ich bin dann sofort losgestürmt, ohne Jacke und auch das Halfter hat meine Freundin Tina Buchholz hinter mir hergebracht – daran hatte ich in der Aufregung gar nicht gedacht.“ Ein Blick auf den Paddock brachte Gewissheit: Ein herabgestürzter Ast hatte den Zaun beschädigt und somit den Weg von der Koppel in die Freiheit eröffnet. „Die beiden sind sehr aktiv und neugierig und haben lauter Schabernack im Sinn“, sagt die gelernte Pferde-Fachwirtin über ihren neunjährigen Tinker, in dessen Adern irisches Blut fließt, und seinen fünfjährigen Kompagnon, die das ganze Jahr über in einem Offenstall gehalten werden. Die Gelegenheit hätten sie sich nicht entgehen lassen.

Den Schalk im Nacken: Der neunjährige Hengst Kai Uwe zeigt Besitzerin Stefanie Buchholz gern sein jugendliches Temperament.
Den Schalk im Nacken: Der neunjährige Hengst Kai Uwe zeigt Besitzerin Stefanie Buchholz gern sein jugendliches Temperament. © -

Den Weg zum Feuerwehrhaus, bei dem noch Licht brannte, kannten die beiden von gemeinsamen Ausritten. „Die haben wohl was zu Fressen gesucht“, mutmaßt die gebürtige Bothelerin; die 500 Meter gingen sie praktischerweise direkt über das Feld. „Gott sei Dank“, meint die Pferdeliebhaberin. Sie mag sich angesichts der nahen Hauptverkehrsstraße gar nicht ausmalen, was hätte passieren können, wenn die Feuerwehrleute nicht so umsichtig eingegriffen hätten.

Das war ihr denn auch einen fetten Dank wert, den sie im sozialen Netzwerk Facebook postete – und dafür mehr als 150 Mal „Daumen hoch“ bekam. „Es war mir wichtig, das einmal öffentlich zu machen – schließlich ist es keine Selbstverständlichkeit, so umsichtig einzugreifen, und die Feuerwehrleute hatten gar keine Angst“, lobt sie. Thomas Opitz wiegelt ab: „Das hätte doch wohl jeder in einer solchen Situation getan, oder?“ Gleichwohl freut ihn der Dank an die Kameraden: „Eine Wertschätzung dessen, was hier ehrenamtlich geleistet wird, tut immer gut.“

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