Unerwartete Spende für den in Ostervesede gestrandeten Zirkus May

Zirkusfamilie wieder mobil

Mit einer Netzpython aus Südostasien, einer der größten Schlangen der Welt: Tamara und Nino May (v.l.), Rainer Brimm, Beate Dudda, Frank Minne und Alois May. 
Foto: Bonath
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Mit einer Netzpython aus Südostasien, einer der größten Schlangen der Welt: Tamara und Nino May (v.l.), Rainer Brimm, Beate Dudda, Frank Minne und Alois May. Foto: Bonath
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Ostervesede – Für die Familie May ist es wie eine vorgezogene Weihnachtsbescherung im Frühsommer: Autohändler Rainer Brimm (60) kommt mit einer „rollenden Spende”, einem Ford S-Max Familienvan, zu ihrem Zirkus. Mit in dem schmucken silberfarbenen Auto, das in Brimms Autogeschäft in Hanstedt (Kreis Harburg) zum Verkauf stand, sitzen seine Buchhalterin Beate Dudda (65) und ihr Lebenspartner Frank Minne. Eine kleine Sternstunde für den Familienzirkus, der in einem Wäldchen in Ostervesede an der Straße nach Benkeloh bis zur diesjährigen Tournee überwintern wollte und jetzt von Corona festgehalten wird. Kleinzirkusse leben am Rande des Existenzminimums, die Pandemie bedeutet für viele von ihnen das Aus. Für Nino May, seine Lebensgefährtin Tamara und ihre Kinder steht fest: Das nächste Gastspiel kann erst dann stattfinden, wenn es einen wirksamen Impfstoff gegen das Virus gibt. Jetzt geht es erst einmal ums Überleben.

Der kleine Zirkus, der ursprünglich aus dem Kreis Celle stammt und in der Vergangenheit regelmäßig in der näheren und weiteren Umgebung gastierte, will nicht aufgeben. Hartnäckigkeit, Liebe zum Beruf, der Wunsch, das Publikum mit Zirkuszauber zu begeistern und die Zuneigung zu den Tieren waren und sind immer wieder der Motor zum Weitermachen, betont die Familie.

Als die Chancen Ende vergangenen Jahres immer schlechter wurden, den Tross wie in den anderen Jahren im Frühjahr zum ersten Auftritt rollen zu lassen, bemühten sich die Mays beim Jobcenter des Landkreises Rotenburg um Unterstützung durch Hartz IV. Die ersten Anträge, die ersten Gespräche mit Kreismitarbeiterinnen verliefen im Sande.

Inzwischen ist die Hartz-IV-Unterstützung durch das Amt bewilligt worden. Nino May: „Wir waren manches Mal in der Nähe des Hungers. Die Tiere, unsere sechs Kamele, die zehn Lamas, die acht Ponys, die vier Schafe, die sechs Großpferde, die drei Rinder, die Gänse, Enten, Hühner, Hunde und Schlangen, mit denen wir unser Programm gestalten und besonders die Kinder begeistern, hatten oft nur sehr knapp Futter. Wir haben uns häufig riesige Sorgen gemacht.”

Landwirte aus Ostervesede und aus der näheren und weiteren Umgebung brachten dem kleinen Zirkus und seinen Tieren Kraftfutter, Heu und Stroh. Zirkusleute sind in der Regel stolz. Die Situation muss schon dramatisch sein, bevor sie von Haustür zu Haustür gehen, klingeln und um Spenden bitten.

Aber sie mussten es tun, um sich und ihre Tiere mit dem Nötigsten versorgen zu können. Und es gab immer wieder Nachbarn, Landwirte, kirchliche Institutionen und Bürger, die von den wirtschaftlichen Problemen der Zirkusfamilie gehört hatten und Hilfe zur Verfügung stellten. Nino May und seine Lebensgefährtin Tamara: „Wir fühlen uns hier wohl, wir haben so etwas wie eine zweite Heimat gefunden und sind den Menschen für ihre Hilfsbereitschaft unendlich dankbar.” Ein kleiner Zirkus mit Fahrzeugen, Geräten und Geschirr, das teilweise stark strapaziert wird und ständiger Wartung und Reparatur bedarf, kostet erhebliche Summen. Dazu ein Zelt von 22 Metern Durchmesser für etwa 200 Personen, das gepflegt und repariert werden muss.

„Ich bin fassungslos, ich kann das nicht fassen, ich bin glücklich. Das Auto ist ja wie neu.” Nino May entsteigt überglücklich dem von Rainer Brimm gespendeten Wagen, den er sich gerade noch genauer angesehen hat. Der Autohändler aus dem Kreis Harburg hat durch Zufall von Mays Pech, dem totalen Motorschaden seines mehr als 20 Jahre alten Opel Omega gehört und für Ersatz gesorgt. Er ließ den Ford S-Max, Familienvan, von Grund auf überholen. Vom Tüv abgenommen, sicher für die nächsten Jahre und mit einer Anhängerkupplung. Und endlich gibt es auch wieder ein Auto, mit dem der elfjährige Anton zur Schule nach Lauenbrück gefahren werden kann.

Rainer Brimm, der das Helfen anderer Menschen auf seine Fahnen geschrieben hat: „Mir geht es darum, dass ich sinnvolle Hilfe leiste. Wenn ich spende, dann allerdings nie mit dem Gedanken, etwas zurückbekommen zu wollen. Mein Lebensmotto heißt: Jeden Tag die Welt ein bisschen besser machen zu wollen.”

Und auch dieser Aspekt sei für den 60-Jährigen eigenen Worten zufolge wichtig: „Jetzt, in dieser Krise, ist es besonders wichtig, sich sozial zu engagieren.”

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