Was zählt, ist der Platz

Jeersdorfer Henning Schröder sammelt Stadionbesuche wie andere Bierdeckel

Nicht die Ballkünste stehen im Vordergrund, sondern 90 Minuten lang Teil der lokalen Fankultur zu sein – dafür reist Henning Schröder quer durch Europa. - Foto: Warnecke
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Nicht die Ballkünste stehen im Vordergrund, sondern 90 Minuten lang Teil der lokalen Fankultur zu sein – dafür reist Henning Schröder quer durch Europa.

Jeersdorf - Von Lars Warnecke. Sie reisen durch die Republik, durch das europäische Ausland sowie durch die ganze Welt – und das nur, um Fußballstadien zu sehen: Groundhopper. Henning Schröder ist so ein Stadionhüpfer. Er sammelt Stadien wie andere Leute Bierdeckel. Wer die Spiele gewinnt, wer überhaupt gegen wen spielt, ist zweitrangig. Es geht dem Jeersdorfer Familienvater darum, die Arenen als solche zu erleben.

„Na klar, ein wenig verrückt ist das schon“, sagt der 46-Jährige grinsend. Jeder neue Ground, englisch für Fußballfeld, bringt auf dem persönlichen Konto einen Punkt. In den vergangenen Jahren hat Schröder so 200 Grounds in 21 Ländern abgeklappert, um 600 Spiele zu sehen – vom Europokalspiel bis zur Kreisliga-Partie. „Erst neulich waren wir in Estland, ein Wahnsinnsland und ein wirklich großartiges Stadion“, schwärmt er.

Wir – das sind neben ihm noch ein Kumpel aus Hamburg sowie dessen Schwester. „Vor ungefähr fünf Jahren ist das mit unserem Hobby ausgeartet, seitdem sind wir an fast jedem Wochenende unterwegs“, schildert er. Dass er seine freien Tage häufig hauptsächlich in Zügen, Fliegern und Bussen verbringt, stört ihn nicht: „Klar, der Großteil meiner Freizeit geht dafür drauf, dafür habe ich dann weniger andere Hobbys.“ Zeit, selbst Fußball zu spielen, habe er zum Beispiel keine.

Möglichst auf Luxus verzichten

Um die Kosten auf den Touren möglichst gering zu halten, versuchen er und seine beiden Mitstreiter, auf Luxus zu verzichten. „Wir nehmen meistens den Billigflieger und checken natürlich nicht in den teuersten Hotels ein – alles andere wäre auf Dauer ja auch unbezahlbar.“

Als Beleg, dass er die Spiele tatsächlich gesehen hat, gelten die Eintrittskarten. Schröder hebt sie alle fein säuberlich auf, zusammen mit Flugtickets, Bahnfahrkarten und Fotos heftet er sie in seiner Erinnerungsmappe ab. Darüber hinaus dokumentiert er seine Reisen, bei denen regelmäßig in den Städten auch ein wenig Sightseeing ansteht, in einer App auf seinem Smartphone. 

Der Jeersdorfer, von Berufs wegen Verfahrenstechniker im Abwasserbereich, ist schon in den geschichtsträchtigsten, den stimmungsvollsten und den skurrilsten Arenen gewesen – bisher aber nur in Europa. „Das weiteste Ziel hat mich nach Portugal geführt.“ Zu seinem 50. Geburtstag will er sich einen lang gehegten Traum erfüllen – dann soll es mit Ehefrau Karen und Sohnemann Luan ins argentinische Buenos Aires gehen. „Ein Land, das mich wirklich extrem reizt.“ Seine Gattin hüpft übrigens nur selten mit von Stadion zu Stadion. „Sie hört sich lieber hinterher die Geschichten an“, so Schröder.

Als Elfjähriger erstmals dabei

Das Kribbeln beim Betreten eines Stadions habe er, der bekennende HSV-Fan, als Elfjähriger zum ersten Mal gespürt – natürlich bei einem Spiel seiner Lieblingsprofimannschaft. Es war Liebe auf den ersten Blick: „Ich war gepackt von der Stimmung.“ Erste Auslandserfahrungen, sagt der Dauerkarteninhaber, habe er dann später in Manchester und im norwegischen Bergen gemacht – bei den Europapokalspielen seines Vereins. 

„In jedem Land ist das Fußballgucken wirklich anders, auch das Essens- und Getränkeangebot unterscheidet sich von Stadion zu Stadion, von Land zu Land“, meint Schröder, dem, wie er hervorhebt, „eine schöne, ranzige Arena“ viel besser gefalle, als „einer dieser gleichgearteten neuen Hochglanzpaläste“.

Sein nächstes Ziele hat der Jeersdorfer schon vor Augen: Mitte Oktober geht zum Groundhopping nach Helsinki, im Dezember steht dann Athen auf dem Programm.

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