Heimischer Bundestagsabgeordneter sucht bei SPD-Veranstaltung das Bürgergespräch

Auf ein Wort, Herr Klingbeil

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Für 50 Jahre Mitgliedschaft in der SPD ehrten Lars Klingbeil (l.) und der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Jürgen Wahlers (r.) den Scheeßeler Reinhard Knipp.

Jeersdorf - Von Lars Warnecke. Eine Stippvisite des heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten, noch dazu Generalsekretärs, in Jeersdorf – das wollten sich rund 50 naturgemäß eher mehr denn weniger politisch interessierte Menschen am Mittwochabend nicht entgehen lassen. Der SPD-Ortsverein Scheeßel begrüßte zum Bürgerdialog Lars Klingbeil in seiner Mitte. Was folgte, war ein gut anderthalbstündiger Austausch, bei dem die große Bundestagspolitik ebenso gestreift wurde wie Probleme, die derzeit vor Ort diskutiert werden.

Rar hat er sich in den letzten Monaten in seinem Wahlkreis gemacht. Verdenken kann man es ihm nicht. Schließlich war es Klingbeil, der – kaum ins Amt des Generalsekretärs berufen – für seine SPD die Sondierungsgespräche im Berliner Politikbetrieb zu organisieren hatte, die anschließenden Koalitionsverhandlungen und drei Parteitage. „Das war schon eine turbulente Zeit“, resümierte der Protagonist des Abends, dessen Auftritt im Jeersdorfer Hof den Auftakt einer ganzen Reihe von Bürgerversammlungen in der Region bilden sollte. „Jetzt möchte ich vor allem wieder die Stimmen aus meinem Wahlkreis hören und freue mich auf Fragen“, wandte sich der 40-Jährige eingangs an das Publikum, das nicht nur aus Scheeßeler Bürgern bestand. Er sollte nicht enttäuscht werden.

Gastwirt Frank Westermann aus Mulmshorn, zugleich CDU-Ratsherr im Rotenburger Stadtrat, schritt zuerst zur Tat und kritisierte in seinen Fragen die neue Datenschutzgesetzgebung und Arbeitszeitregelungen. Routiniert konnte Klingbeil die Themen einordnen und sagte zu, bezüglich praxisnaher Regelungen am Ball zu bleiben.

Wie es denn nun um die Ortsumgehung Scheeßel bestellt sei, wollte der im Beeke-Ort lebende Dieter Martens wissen. Um die hatte sich der Bundestagsabgeordnete in den vergangenen Jahren maßgeblich bemüht und gemeinsam erreicht, sie wieder in den vordringlichen Bedarf bis 2030 zu bringen. „Man wird in der nächsten Zeit sehen müssen, wie schnell die Maßnahme realisiert werden kann“, so Klingbeil. Noch seien die Minister aber erst seit einigen Wochen im Amt, da könnte man nicht sofort Taten erwarten.

„Attraktivitätssteigerung ist dringend nötig“

Willi Reuter aus Westeresch griff Peer Steinbrücks Begriff vom „Raubtierkapitalismus“ auf und stellte in diesem Zusammenhang einige Fragen. Klingbeil sicherte zu, dass gerade zu diesen Themen eine Neuaufstellung der SPD angegangen werde, die auch die Kritik an den negativen Seiten unserer Wirtschaft nicht auslassen wird. In diesem Zusammenhang wolle man die gesamte Partei einbeziehen.

Weitere Themen betrafen die Ausstattung und Finanzierung der Krippen und Kindergärten sowie die Pflegepolitik. Der SPD-Politiker unterstützte ausdrücklich, dass 8 000 neue Stellen in der Pflege eingerichtet, die Ausbildung kostenfrei gestellt und eine Mindestausbildungsvergütung für angehende Pflegekräfte gezahlt werde. „Eine Attraktivitätssteigerung ist dringend nötig“, betonte er in diesem Zusammenhang.

Auch in der Bildungspolitik, eigentlich Ländersache, sieht der Koalitionsvertrag Milliarden für die Digitalisierung der Schulen vor. Die werde immer wichtiger, da es in Zukunft keinen Beruf ohne digitale Umgebung mehr geben werde. „Selbst Pflegekräfte werden in Zukunft ein Ipad dabei haben, um die Dokumentation zu erstellen“, machte er deutlich.

Erst als keine Fragen mehr aus dem Saal gestellt wurden, entließen Ortsvereinsvorsitzender Jürgen Wahlers und Gemeindefraktionsvorsitzender Wolfgang Kirschstein Klingbeil in den Feierabend. Bevor er ging, ehrte er noch einige SPD-Mitglieder für ihre langjährige Treue. 50 Jahre – so lange gehört Reinhard Knipp schon der Partei an. Auf 40 Jahre bringt es Rainer Hoffmann, auf 25 Jahre Solveigh Schröder und Jutta Froese und auf zehn Jahre Yvonne Selk und Angelika Schubert. Mit Julian Hillebrand konnte Klingbeil ein neues Parteimitglied mit dem SPD-Parteibuch ausstatten.

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