„Sachlich nicht nachvollziehbar“

Leiter der Beekeschule wehrt sich gegen geplanten Wärmespeicher-Standort

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Cornelius Cordes (l.) und Sven Borstelmann von der Schulleitung der Beekeschule machen klar: Hier geht es nicht nur um die Entfernung eines Komposthaufens. 

Scheeßel – Biogas ist eine sinnvolle und politisch gewollte Alternative zu fossilen Brennstoffen – in diesem Punkt sind sich die Bundesregierung, die Betreiber einer Biogasanlage am Jeersdorfer Waldweg und die angeschlossenen Nutzer – neben der Gemeinde mit Kindergärten, Beekebad, Grund- und Beekeschule auch die Eichenschule und eine Bürger-Energiegenossenschaft am Heidesee – einig. Sie alle haben Abnahmeverträge für die Fernwärme, die bei der Stromerzeugung sonst ungenutzt verpuffen und den Gesamt-Wirkungsgrad der Anlage nicht über 50 Prozent kommen lassen würde.

Um diesen Wirkungsgrad und letztlich die Wirtschaftlichkeit geht es nun bei einigen Anträgen der Betreibergesellschaft aus acht Landwirten. Gleich drei Maßnahmen sollen die Rentabilität über das Ende der Förderung 2031 hinaus und somit die Entscheidung über den Weiterbetrieb sicherstellen. Allgemeiner Konsens herrscht bei dem Bestreben, das Abwärmenetz Richtung Ortskern auszubauen. Die Kapazitäten seien vorhanden, laut Geschäftsführer Axel Romundt werde derzeit nur rund ein Drittel der Abwärme genutzt, die Interessenten stehen Schlange: „Wir haben bereits die Zusage über Abnahmeverträge mit der Sparkasse, einem großen Supermarkt und Heidesand. Und auch die vom Bund im Zuge der Flexibilisierung geforderten zusätzlichen Motoren eines zweiten Blockheizkraftwerks (BHKW), das einen Betrieb nicht nur zu Spitzenzeiten, sondern auch als Grundlast ermöglicht und genau wie das erste BHKW in einem Abstellraum der Beekeschulturnhalle installiert werden soll, findet grundsätzlich den Konsens aller Beteiligten.“

Stein des Anstoßes sind hingegen die beiden Wärmespeicher, die die Anlage effizienter machen sollen – zumindest bei Schulleiter Sven Borstelmann. Er ist mit dem geplanten Standort, nämlich oberirdisch neben der Turnhalle, nicht einverstanden. Dass die Kompostanlage dort weichen müsste, „wäre ja noch unproblematisch“ – allerdings lade die Umzäunung des rund 40 Quadratmeter großen Areals für die beiden Wassertanks jedoch geradezu zum Erklettern des Turnhallendachs ein. Dazu kommt: „Spätestens wenn das mal repariert werden muss, was angesichts der Leckagen ja irgendwann anstehen dürfte, haben wir ein Problem.“ Die Betreiber haben für diese Argumente nur wenig Verständnis; „sachlich ist das nicht nachvollziehbar“, meint Betriebsleiter Stefan Heitmann.

„Beekeschule Stück für Stück ausverkauft“

Und tatsächlich haben Borstelmanns Bedenken auch noch einen anderen Hintergrund – nicht nur, weil sich die Kooperation in der Vergangenheit bei technischen Problemen nicht gerade als unkompliziert erwiesen habe: „Seit Jahren wir haben immer jede Maßnahme unterstützt und mitgetragen, weil es Sinn machte, wie die Abwärme aus ökologischer Sicht ja auch.“ So sei eine Hälfte des Sportplatzes einem Wohngebiet gewichen, drei Klassenräume samt Trakt einer Krippe, ein Lagerraum dem bestehenden BHKW. Ebenso in die Räumung eines weiteren Raums für die Motoren willigte er ein, auch wenn der versprochene Ausgleichsraum zur Lagerung von Sportgeräten noch nicht gebaut worden sei. „Generell kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Beekeschule Stück für Stück ausverkauft und dem rein wirtschaftlichen Interesse eines gewerblichen Nutzers geopfert wird.“

Das sehen die Betreiber anders: „Die Wärmespeicher sind Teil der Heizungsanlage“, argumentiert Romundt, „und die versorgt nun mal auch die Beekeschule.“ Er versichert: „Die Gemeinde und wir sitzen in einem Boot: Wenn wir 2031 rückbauen müssen, weil die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist, steht die Gemeinde ohne Strom und Wärme da.“ Sie profitiere, genau wie die Mitglieder der Bürgerenergiegenossenschaft, von dem im Vergleich zu fossilen Brennstoffen niedrigeren Preis für Strom aus Biogas. Gleichwohl ist letzterer an ersteren gekoppelt und steigt analog.

Keine Einwände bei Begehung

Dazu Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU): „Der von der Kapitalgesellschaft angeführte Vorteil einer günstigen Versorgung über 2031 hinaus erweist sich bei genauer Betrachtung als Behauptung.“ Die Ratsherren und -damen, die vor gut zwei Wochen zur Begehung vor Ort geladen waren, hatten dagegen keine Einwände gegen die gewerbliche Nutzung der fraglichen 40 Quadratmeter des Schulgeländes.

Borstelmann zweifelt am Demokratieverständnis der Ratsmitglieder: „Als Vertreter der Gemeinde, die ja der Schulträger ist, sollten sie doch zunächst die Schule vor dem finanziellen Privatinteresse Einzelner schützen!“ Er fühlt sich im Stich gelassen: „Die Beekeschule scheint keine Lobby zu haben.“ Was ihn besonders ärgert: „Wir zeigen uns ja immer kompromissbereit und haben auch in diesem Fall sogar mehrere Alternativen vorgeschlagen, zum Beispiel die Verbringung in der Erde unter dem angrenzenden Busparkplatz, der im Zuge der Arbeiten zur Barrierefreiheit eh aufgerissen werden müsse, oder notfalls auch im Boden unter dem Sportplatz.“ Diese Optionen seien gar nicht erst geprüft worden. Heitmann und Romundt wollen den Ausbau des Netzes in den Kernort notfalls auch zunächst ohne die Wärmespeicher vorantreiben: „Das dauert alles schon viel zu lange – eine Förderperiode haben wir schon verschenkt.“

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