Auftritt mit Wilhelm-Busch-Programm

Pago Bahlke im Autohaus: „Wörteleien“ mit Timing

Versteigerung für die Hospizarbeit: Hermann Koopmann (l.) und Gerhard Eimer (3.v.l.) vom Rotenburger Hospizverein freuen sich mit Torsten Meyer über die Karikatur von Multitalent Pago Bahlke (r.).

Scheeßel - Fast jeder kennt ihn, viele lieben ihn: Wilhelm Busch. Dass der spitzzüngige Vielschreiber und Poet, ebenso flink mit Worten wie am Stift auch jenseits von Max & Moritz Gedichte, Aphorismen und Gezeichnetes geschaffen hatte, dass es für einige abendfüllende Programme gereicht hätte, demonstrierten am Freitag auf Einladung des Ehepaars Holst eindruckvoll Rezitator Pago Bahlke und Pianist Nicolai Thein vor nahezu 200 Zuschauern im Scheeßeler Autohaus Holst.

Heide Holst hatte den ähnlich wie Busch vielseitigen Kabarettisten Bahlke vor Jahren erlebt. „Als wir gemeinsam mit dem Rotenburger Hospizverein überlegt haben, wie wir an die Benefizlesung mit Gedichten aus der Region vom Vorjahr anknüpfen können, war der Schritt nicht mehr groß“, so die bekennende Busch-Liebhaberin.

Das proklamierte Motto: Gnadenlose Heiterkeit. Und ja: Die Lachmuskeln kamen nicht zu kurz, erwies sich Schauspieler und Regisseur Bahlke nicht nur als gnadenlos guter Rezitator, sondern er erweckte mit Mimik, Gestik und gutem Timing die zeitlosen Reime zum Leben. „Toll, wie aktuell seine Lebensweisheiten noch sind“, staunte Walter Spieker.

Kongenialer Partner Bahlkes im zweieinhalbstündigen Programm: Der Bremer Pianist Nicolai Thein, der die Wirkung des Vortrags durch passende Pianobegleitung, mal zwischendrin, mal im Hintergrund, lenkte und steigerte. Solistisch überzeugte er im grandiosen „Der Virtuose“, in dem er die auf der Leinwand eingeblendeten Busch-Zeichnungen mit Rachmaninows Prelude in cis-Moll technisch versiert umsetzte.

„Puff, platsch, peng“ im Comicstil

Ob Bahlkes „Wörtelei“ mit einer Zuschauerin, die massiv die „Fromme Helene“ einforderte, mit anschließendem Einschreiten des Hospizverein-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Eimer als Moderator, sich tatsächlich in der Pause zugetragen hatte? Müßig! Bahlkes Kompromiss, den Vortrag auf die Action-Szenen zu verkürzen und im Comicstil „Puff, platsch, peng“ zum Besten zu geben: köstlich.

Jenseits von Kunstkritik und Stammtischnörglern schlug Bahlke mit dem letzten Gedicht des als Maler verkannten und von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Busch den Bogen zur Ernsthaftigkeit. In seinem Abschiedsgedicht blickt er dem Tod humorvoll und gelassen entgegen – genau diese Werte teilen der Verein und seine Ehrenamtlichen, wie Eimer in seinem Dank an die Gastgeber betonte. Eine schöne Geste zum Schluss: Die anfangs aus Bahlkes kundiger Hand im Takt der Pianobegleitung geflossene Busch-Karikatur wird versteigert und fließt, wie die Erlöse des Abends, in die Kassen des Vereins. Bleibt zu hoffen, dass der Satz „Oft trifft man wen, der Bilder malt, viel selt‘ner wen, der sie bezahlt….“ ad absurdum geführt wird. 

hey

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