Peter Martin Thomas referiert beim Mittelstandsforum in der Sparkasse Scheeßel

Wirtschaft lernt die Welt der Jugendlichen kennen

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Referent Peter Martin Thomas (Mitte) zusammen mit den Ausrichtern (von links) Jürgen Lange (Sparkasse), Torsten Meyer und Heide Holst (Führungsduo Autohaus Holst) sowie Olaf Achtabowski (Sparkasse). ·

Scheessel - Von Lars Warnecke„Wissen Sie, was Justin Bieber auf seinem Knöchel tätowiert hat und welcher Kandidat beim diesjährigen Dschungel-Camp nicht dabei war?“ Fast alle (erwachsenen) Zuhörer des Vortrags „Was kommt nach Generation Y?“ von Peter Martin Thomas, zu dem die Sparkasse Scheeßel gemeinsam mit dem Autohaus Holst am Mittwochabend in die Sparkassen-Hauptgeschäftstelle eingeladen hatten, mussten bei diesen Quiz-Fragen, die man auf dem Schulhof souverän beantwortet hätte, passen. Das „Wer-wird-Millionär“- Spiel zur Auflockerung zeigte deutlich: Die Jugendkultur ist Erwachsenen fremd.

Diese Erkenntnis ist sicher nicht neu. Wie rasant sich allerdings der Kosmos der Jugendlichen und somit auch deren Verhältnis zu den Erwachsenen ändert, zeigte der Referent in seinem multimedialen, interaktiven Vortrag beim mittlerweile elften Scheeßeler Mittelstandsforum – dem Gipfeltreffen der hiesigen Wirtschaft – eindrucksvoll auf: „Früher hat man den Beruf der Eltern erlernt, heute finden Bewerbungsgespräche bei ,Deutschland sucht den Superstar’ statt“, lieferte Thomas ein – zugegebenermaßen überspitztes – Beispiel für den Wertewandel. Und: Die heutigen Jugendlichen seien mit Youtube, I-Phone und Facebook aufgewachsen, man könne ständig twittern und ins Internet gehen – „Freundschaften werden da anderes gepflegt als noch zu der Zeit, in der es nur drei TV-Programme und die Bravo gab.“

Peter Martin Thomas weiß, wovon er spricht. Er ist Leiter der Sinus-Akademie in Heidelberg und Co-Autor der vor zwei Jahren veröffentlichten und viel beachteten Sinus-Jugendstudie. Für sie wurden 72 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren nicht nur intensiv interviewt, sondern auch zu Hause aufgesucht, die Einrichtung ihres Zimmers, ihre Musik- sowie Bücher- und Zeitschriftenauswahl dokumentiert, ihre Phantasien, Sehnsüchte und Tagträume abgefragt. Genauso wie ihre Einstellung zu Arbeit, Freizeit, Politik, Familie, ihre Vorstellung von privatem Glück.

All das machte der Stuttgarter, Jahrgang 1969, vor den 220 Zuhörern in seinen Ausführungen zum Thema, aber nicht abstrakt theoretisch, sondern in der gleichen konkreten und direkten Unmittelbarkeit, wie sich Jugendliche aus der Post-Generation-Y in ihren Kulturen selbst ausdrücken.

Zu sehen waren unter anderem Collagen und Texte der Youngster, wie sie wohnen und welche Musik sie hören. Genau das richtige Thema für Eltern, die sich öfters mal fragen: Wie ticken diese heutigen Jugendlichen eigentlich? Aber auch für die Wirtschaftsvertreter im Saal, schließlich sehen die sich in Bewerbungsgesprächen nicht nur dem einen Jugendlichen gegenübersitzen.

Vielmehr ließen sich die Ergebnisse der Studie laut Thomas in sieben „Lebenswelten“ zusammenfassen, in denen sich die jungen Menschen von heute bewegen. Das Spektrum reicht von einer konservativ-bürgerlichen Gruppe mit klaren moralischen Wertvorstellungen über eine sozialökologische Gruppe, die die Welt verbessern will, den sogenannten Expeditiven, einer noch kleinen, aber stark anwachsenden Gruppe, die das Leben als Abenteuer versteht, bis zu den – wie es im Soziologenjargon heißt – materialistischen Hedonisten, für die Spaß, Freizeit und Konsum wichtig sind.

Die problematischste Gruppe seien Jugendliche in prekären Verhältnissen. Armut und Ausgrenzung führten hier zu Perspektivlosigkeit. Dabei würden auch die in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt wegen einer immer älter werdenden Gesellschaft dringend gebraucht, erklärte der Referent, dessen Ausführungen im Anschluss noch für viel Gesprächsstoff sorgten.

Übrigens: Justin Bieber hat sich betende Hände auf den Knöchel tätowieren lassen. Und der Kandidat, der nicht beim Dschungel-Camp dabei war, heißt Jenny Elvers.

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