„Es wird nie langweilig“

Interview mit der Rammstein-Tribute-Band Feuerengel

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Feuerengel sind eine der größten Rammstein-Tribute-Bands in Europa. Am Samstag steht die Formation im Scheeßeler Industriegebiet als Hauptact beim Feuerfest-Open-Air auf der Bühne.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Eigentlich wollte unser Redakteur mit der Rammstein-Tribute-Band Feuerengel ein ganz normales Interview führen. Aber dann merkte er, dass er von Rammstein gar keine Ahnung hat.

Die Lösung: Er suchte sich die Fragen einfach aus originalen Rammstein-Interviews der vergangenen 20 Jahre zusammen. Ob das geklappt hat? Ein Tribute-Interview mit Feuerengel-Sänger Boris Delic (41) und dem Bassisten Holger Sommer (48), die mit ihren Jungs am Samstag zum Feuerfest ins Scheeßeler Industriegebiet kommt.

Wie geht’s so, gerade?
Boris Delic: Tja, was soll ich sagen, es ist diese Woche alles sehr extrem bei uns, es gab und gibt viel zu tun. Bezüglich der Vorbereitungen fürs Feuerfest sind wir zwar in den letzten Zügen, trotzdem sind immer noch nicht alle Dinge geklärt. Unsere Ton- und Licht-Crew plant mit dem Team von „Soundpatrol“ gerade noch die letzten Kleinigkeiten und unsere Pyrotechniker bauen in unserem Lager fast täglich an der Pyroshow. Es ist schon verrückt, wie aufwendig diese eine Show für alle Beteiligten ist. Zusätzlich hatten wir am vergangenen Wochenende einen Auftritt, der auch noch nachgearbeitet werden musste.

Wie seid ihr überhaupt entstanden?
Holger Sommer: Ach, die alte Geschichte müssen wir auch jedes Mal aufs Neue erzählen. Um es kurz zu machen, die Idee entstand, als drei Musiker der späteren ersten Feuerengel-Besetzung Rammstein auf dem Hurricane-Festival 1997 gesehen haben und so beeindruckt waren, dass sie eine Tribute-Band gründen wollten. Der Rest ist Geschichte.

Und wo und wann war euer erster Auftritt?
Sommer: Der erste 45-minütige Auftritt fand Anfang Oktober 1997 in Tostedt statt. Es war eine Art Testballon, um zu gucken, ob es überhaupt eine Nachfrage für solch eine Band wie Feuerengel gibt.

Wie steht es um deinen Gesang, Boris? Bist du mit jenem Talent geboren worden?
Delic: Welcher Gesang? Und von welchem Talent sprichst du?

Wer hat in der Band das Sagen?
Delic: Wir sind eine GbR und entscheiden alles gemeinsam. Bei mir als Geschäftsführer laufen quasi alle Fäden zusammen. Die ganzen Aufgaben zu koordinieren ist manchmal sehr anstrengend und kompliziert, weil wir ja nicht nur sechs Musiker sind, sondern auch noch eine Crew von mindestens sieben Personen dabei haben, um die Show überhaupt durchführen zu können. Es gibt immer viele Probleme zu bearbeiten, Finanzen müssen im Blick behalten werden und so weiter und so fort. Sagen wir es mal so, es wird nie langweilig.

Wie würdet ihr den „Rammstein-Sound“ beschreiben?
Sommer: Harte Gitarren treffen auf treibende, tanzbare Grooves.

Warum wird Metal in Deutschland außerhalb der Rockszene nicht ernstgenommen?
Sommer: Das verstehen wir ehrlich gesagt auch nicht. Zumal einer Studie zufolge Metal die Musikrichtung ist, die den Konsumenten am glücklichsten macht. Die 100.000 Menschen zum Beispiel, die jedes Jahr nach Wacken pilgern, sind da nur ein Beispiel.

Rammstein gilt als finster, martialisch und brutal. Seit ihr auch privat so harte Kerle?
Delic: Überhaupt nicht! Ebenso wenig wie die Mitglieder der Band Rammstein übrigens. Wir führen ja neben Feuerengel alle ein ganz normales Leben, teilweise mit Frau und Kindern und Haustieren.

Ist Rammstein eine besonders deutsche Band?
Sommer: Rammstein ist eine deutsche Band, die Lieder mit deutschen Texten spielt. Punkt. Sie sind nicht deutscher als Grönemeyer, Maffay oder Lindenberg. Schlager ist mit dem ganzen Heile-Welt-Gesäusel und dem Schunkeln erheblich deutscher, wie ich finde.

Verändert das die Persönlichkeit, wenn man 20 Jahre lang ständig von Blut und Grauen singt?
Delic: Ich singe ja zum Glück nicht nur über Blut und Grauen. Aber selbst wenn es so wäre, hat sich meine Persönlichkeit nicht verändert – hoffe ich jedenfalls. Da müsstest du mal bei mir Zuhause nachfragen.

Hattet ihr schon irgendwelche gefährlichen Unfälle auf der Bühne?
Delic: Nicht wirklich. Einmal ist mir ein Pyroeffekt direkt ins Gesicht geflogen, ist aber zum Glück dann unterhalb des Auges und nicht im Auge gelandet. Ansonsten gab es in den 20 Jahren natürlich schon einige Verbrennungen an den Armen oder Glutperlen, die einem bei dem Feuerbogen in die Stiefel oder auf den Kopf fallen und ausglühen. Wäre der Rest der Band jetzt anwesend, würden sie sagen: Psst, habt ihr es auch wieder gehört? Irgendwo war ein ganz leises „Mimimi“ zu hören (lacht).

Was haben eure Eltern zu eurem Werdegang gesagt?
Delic: Also bei mir weiß ich, dass meine Mutter sehr stolz darauf ist, was ich bisher mit Feuerengel und auch mit meinem Soloprojekt erreicht habe. Bei meinem Vater ist es wohl auch so, aber er zeigt das nicht so direkt. Das höre ich dann immer von anderen, wenn er davon erzählt. Sommer: In diesem Jahr spiele ich seit 35 Jahren in verschiedenen Bands. Natürlich haben die Eltern das die ganze Zeit über mitbekommen und – gerade am Anfang – auch unterstützt, zum Beispiel, wenn sie mich zu Proben oder Auftritten gefahren haben. Und da sie mich im Alter von zwölf Jahren vor die Wahl gestellt haben, Gitarrenunterricht zu nehmen oder ganz aufzuhören, sind sie auch ein bisschen daran Schuld, was daraus mittlerweile geworden ist.

Langweilt ihr euch nicht irgendwann, wenn ihr immer dieselbe Show und dasselbe Set aufführt?
Delic: Eigentlich nicht. Natürlich ist die Show zu 80 Prozent immer gleich, aber wir variieren auch immer wieder die Setlisten, damit es uns und auch den Fans nicht langweilig wird. Wenn ich während der Planungsphase die Setliste geschickt bekomme, sehe ich sofort immer einige Lieder, auf die ich erst mal keine große Lust habe. Aber spätestens wenn die Show angefangen hat und die Leute mitmachen, ist es eh egal und es macht doch Spaß. Nicht unwichtig ist aber auch, dass wir als Band zusammen Spaß auf der Bühne haben. Wir hatten nie den Anspruch Rammstein eins zu eins nachzumachen, bei uns war von Anfang an immer viel Persönliches von uns mit dabei. Diese Mischung aus persönlichem und dem Spaß auf der Bühne überträgt sich auf das Publikum – und sorgt somit für gute Stimmung auf beiden Seiten.

Was ist es, dass Leute von der Erfahrung, Rammstein live zu sehen, mitnehmen sollen?
Sommer: Das Wichtigste ist für uns, dass die Leute sich gut unterhalten gefühlt haben. Mehr muss gar nicht sein.

Denkt ihr manchmal darüber nach, wie lange das noch weitergehen kann oder soll?
Delic: Ich denke da oft drüber nach. Eigentlich planen wir immer von Jahr zu Jahr. Solange uns die Leute noch hören und sehen wollen und uns Veranstalter buchen, werden wir nicht aufhören. Umso krasser ist es dann immer für uns, wenn wir über die Show am Samstag sprechen und sie planen. Da wird einem dann immer wieder bewusst, dass es wirklich 20 Jahre sind! Ich werde dieses Jahr 42, muss ich da noch mehr zu sagen? In der aktuellen Besetzung spielen wir seit 2006 und ich bin mir sehr sicher, dass wir die Band in dieser Besetzung dann auch irgendwann zu Grabe tragen werden. Sommer: Ich konnte mir ja nicht mal vorstellen, dass diese Band länger als zwei Jahre existiert. Von daher ist die Zeit seitdem so etwas wie eine Zugabe. Bis zur letzten Zugabe ist es mittlerweile nicht mehr so lange hin. Noch mal 20 Jahre werden wir das Ganze nicht machen.

Zur Band

Feuerengel ist die erste Rammstein-Tribute-Band überhaupt. In ihrer spektakulären Show covert die Gruppe die Hits von Rammstein, aber auch vom Original selten vor Publikum gespielte Stücke. Die Band, die Konzerte in Deutschland sowie im benachbarten Ausland gibt, ist bekannt dafür, die Shows in jeder Hinsicht so originalgetreu wie möglich zu präsentieren. 

1998 und 2005 wurde Feuerengel von Rammstein eingeladen, vor der Band und deren Gästen anlässlich der Gold- und Platinverleihungen zu spielen. Von der ursprünglichen Besetzung sind nur noch der Griemshooper Boris Delic (Gesang) und Holger Sommer (Bass) aus Scheeßel übrig. Weitere Mitglieder sind aktuell Florian Arp (Gitarre), Daniel Behrmann (Gitarre), Thorsten Heintzsch (Keyboard) und Christoph Rosenplänter (Schlagzeug). Am Samstag stehen sie beim Scheeßeler Feuerfest als Hauptact auf der Bühne. Anlass ist das 20-jährige Bandbestehen

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