„Wir sind beim Totschlag“

42-Jähriger aus Scheeßel soll seine Frau erstochen habe

Das Urteil im Prozess gegen einen 42-Jährigen (hier beim Prozessauftakt) wird Mittwoch erwartet. - Foto: Bruns

Verden/Scheessel - Von Wiebke Bruns. Kurz vor dem Abschluss steht der Landgerichtsprozess gegen einen 42 Jahre alten Angeklagten, der in Scheeßel seine Ehefrau erstochen haben soll.

Die Staatsanwaltschaft Verden ist Freitag im Plädoyer vom Mordvorwurf abgewichen, weil der Mann laut einer psychiatrischen Sachverständigen im Wahn gehandelt hat. Neuneinhalb Jahre Haft wegen Totschlags hat Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt beantragt.

„Am 2. März dieses Jahres haben sieben Kinder auf ausgesprochen brutale Weise ihre Mutter verloren. Das jüngste Kind ist gerade mal elf Jahre alt“, sagte sie. Der Angeklagte brach einmal mehr in Tränen aus. „Für ihre Kinder ist das Drama viel, viel größer als für Sie. Die Mutter tot, der Vater in Haft, sie leben in einem fremden Land und haben keine Vertrauensperson, die ihre Sprache spricht“, so Marquardt. „Doch so hart es klingt, das sind die Folgen für die Angehörigen, und das darf keine Berücksichtigung finden beim Strafmaß.“

Messer war bereits deponiert

Als das Ehepaar am Tattag alleine zu Hause war, soll der Angeklagte in die Garage gegangen sein und ein Messer geholt haben, das er bereits 20 bis 30 Tage zuvor dort für die Tat bereitgelegt hatte. Solange habe er schon mit dem Gedanken gespielt, die Frau zu töten. Er habe sich in den Wahn hineingesteigert, dass seine Frau ihn mit heimlich verabreichten Substanzen vergiften wolle. Sie betreibe schwarze Magie, und er sei nicht der Vater der gemeinsamen Kinder. Tatsächlich Anhaltspunkte dafür gibt es nicht. Der Angeklagte sei in die Küche gegangen und habe mindestens 16 Mal auf die 52-Jährige eingestochen. „Überwiegend in die Herzregion“ und „mit ganz erheblich Wucht“, betonte Marquardt. Der Angriff kam vermutlich völlig überraschend.

„Bei Vergiftungswahn ist Scheidung keine Lösung“

Nach den Ausführungen einer psychiatrischen Sachverständigen am Vormittag sah sie kein Mordmerkmal mehr als gegeben. „Wir sind beim Totschlag“, so die Staatsanwältin. Außerdem habe der Angeklagte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt. „Jemand der so vom Wahn behaftet ist, der ist gedanklich eingeschränkt und sieht kein Entkommen aus der Situation“, verdeutlichte sie. „Bei Vergiftungswahn ist Scheidung keine Lösung. Das ist die Tragik. Es gibt kein Entkommen“, hatte die Sachverständige erläutert. Durch die „innere Notwendigkeit, diesem Übel ein Ende zu setzen“ werde die Steuerungsfähigkeit verschoben. In einem psychiatrischen Krankenhaus fänden die Sachverständige und die Staatsanwältin den Angeklagten besser aufgehoben, doch die Voraussetzungen für eine Unterbringung seien nicht erfüllt. „Ich sehe das kritisch, und mir macht es durchaus Angst“, sagte die Staatsanwältin und griff eine Formulierung der Sachverständigen auf. Man wisse nicht, „ob sich sein Wahn eine neue Wiese sucht“.

Das Plädoyer der Verteidigerin und das Urteil wurden für Mittwoch angekündigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sieg auf Zypern verpasst - BVB droht Aus in der Königsklasse

Sieg auf Zypern verpasst - BVB droht Aus in der Königsklasse

RB Leipzig feiert ersten Champions-League-Sieg

RB Leipzig feiert ersten Champions-League-Sieg

Haben sich Ihre Fingernägel so verändert? Dann sofort zum Arzt!

Haben sich Ihre Fingernägel so verändert? Dann sofort zum Arzt!

Google Pixel 2 und Pixel 2 XL im Test

Google Pixel 2 und Pixel 2 XL im Test

Meistgelesene Artikel

Aktionstag Umwelt in Fintel trotz Schmuddelwetter erfolgreich

Aktionstag Umwelt in Fintel trotz Schmuddelwetter erfolgreich

Ölspur: 18-Jähriger rutscht mit seinem Audi in Straßengraben

Ölspur: 18-Jähriger rutscht mit seinem Audi in Straßengraben

HVV-Tarifkonzept: Das sagen die Hauptverwaltungsbeamten 

HVV-Tarifkonzept: Das sagen die Hauptverwaltungsbeamten 

Interesse an Briefwahl in Scheeßel wächst

Interesse an Briefwahl in Scheeßel wächst

Kommentare