Pyroland-Chef Florian von Bothmer über die Folgen des Feuerwerksverbots

„Wir schuften quasi rund um die Uhr“

Pyroland-Chef Florian von Bothmer und sein Team haben gegenwärtig noch alle Hände voll zu tun. Sie müssen die Feuerwerks-Bestellungen rückabwickeln.
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Pyroland-Chef Florian von Bothmer und sein Team haben gegenwärtig noch alle Hände voll zu tun. Sie müssen die Feuerwerks-Bestellungen rückabwickeln.

Westervesede – Hart und unerwartet hat es die Pyrotechnik-Branche getroffen: das im Dezember ausgesprochene Verkaufsverbot von Feuerwerk für die Silvesternacht im Zuge des zweiten harten Lockdowns. Auch die Firma Pyroland mit Sitz in Westervesede bekam die Auswirkungen knallhart zu spüren: 65 000 von den Kunden bereits georderte Raketen-Pakete durften plötzlich nicht mehr ausgeliefert werden. Unternehmenschef Florian von Bothmer und sein Team blieben quasi auf der explosiven Ware sitzen. Über die Herausforderungen, die es jetzt zu bewältigen gibt, haben wir uns mit dem 44-Jährigen unterhalten.

Herr von Bothmer, wie geht es Ihnen und Ihnen Mitarbeitern heute?

Wir schuften quasi rund um die Uhr. Gewöhnlich geht unsere Belegschaft nach einer erfolgreichen, harten Saison in den mehr als wohlverdienten Urlaub. Nun dreht sich die Situation, plötzlich kommen 65 000 Pakete ins Lager zurück, wir müssen also das Wasser aus der Badewanne zurück in den Hahn drücken. Das ist sehr anstrengend für alle.

Was beschäftigt Sie aktuell am meisten?

Wir müssen alle Bestellungen rückabwickeln – eine Mammutaufgabe, die wir alleine gar nicht bewältigen können. Stellen Sie sich einmal vor, was es bedeutet, Tausende Pakete wieder auszupacken und welche Verschwendung an Packmaterial das ist. Da blutet mir das Herz.

Also ist Ihr Puls immer noch hoch?

Ja, aber vor Tatendrang.

Wie geht es denn mit der Rückabwicklung voran?

Wir sind mittendrin statt nur dabei. Aber es wird uns noch ein Weilchen beschäftigen. Wegen der Corona-Krise können wir auch nicht einfach zehn Leute in einen Bunker schicken. Auch das bremst uns etwas.

Welche Rolle spielt jetzt die Lebenshilfe Rotenburg-Verden?

Für die Sortierung von Zuschriften haben wir sie uns mit an Bord geholt, das hilft uns enorm. Somit werden feste Mitarbeiter entlastet und wir können unseren Kunden schneller ihre Wünsche erfüllen. Uns erschien es sinnvoller, zusätzliche Kosten in die Region und in Menschen zu investieren, als neue Computer anzuschaffen und Leute aus dem Lager ins Büro abzuziehen. Wir sind ein Hochsicherheitsbetrieb, wir können nicht einfach kurzfristig Erntehelfer zum Sortieren einstellen, Nein, wir brauchen Spezialisten. Wir sind sehr glücklich und stolz, dass sich die Lebenshilfe bereit erklärt hat, uns bei den Aufgaben zu helfen, für die man keine speziellen staatlichen Befähigungsscheine benötigt.

Es besteht die Möglichkeit, die Ware einzulagern und für dieses Jahresende wieder auszuliefern. Wird das überhaupt nachgefragt?

Im Moment sieht es so aus, als ob sich etwa 40 bis 50 Prozent aller Kunden eine Einlagerung wünschen. Wir haben viele Abnehmer mit Weitblick, die genau so wie ich daran interessiert sind, die Verschwendung von Rohstoffen und menschlicher Zeit zu minimieren. Wer dieses Jahr eh Feuerwerk bestellen wollte, spart sich damit Zeit, hilft uns enorm und trägt mit dazu bei, bereits verwendete Materialien wie Kartons, Klebebänder, Füllmaterial und Etiketten einzusparen.

Aber die meisten Kunden wollen Ihr Geld zurück?

Das kann ich noch nicht ganz genau sagen, aber ich denke, es wird sich in etwa die Waage halten. Aber das ist die Momentaufnahme.

Stellen Sie schon ein gewisses Maß an Ungeduld fest?

Es hält sich absolut in Grenzen. Die Mehrheit unserer Kunden geht extrem fair mit uns um, dafür sind wir sehr dankbar.

Welche wirtschaftlichen Folgen erwarten Sie für Ihr Unternehmen?

Auch das kann ich noch nicht ganz genau sagen. Wie schon öffentlich kommuniziert, erwarten wir etwa fünf Millionen Euro Schaden. Allerdings haben wir fantastische Partner an unserer Seite, die uns genauso wie unsere Kunden eine große Stütze und Hilfe sind.

Aber auch Ihre Branche bekommt staatliche Hilfe, oder nicht?

So wie es zur Zeit aussieht, hat derzeit keine Feuerwerksfirma Anspruch auf stattliche Hilfe. Unser Geschäftsmodell ist so speziell, das konnte im Vorfeld gar nicht berücksichtigt werden.

Nun dürfte es auch 2021 kaum Veranstaltungen geben, wo Großfeuerwerke gezündet werden.

Davon ist auszugehen, ja.

Wie sieht es nun mit den Plänen einer baulichen Firmenerweiterung aus? Liegen die nun erstmal auf Eis?

Stillstand ist der Tod. Diese Dinge sind langfristig geplant. Da etwas auf Eis zu legen, wäre falsch. Wir erledigen unsere Arbeit wie sonst auch und wickeln zusätzlich die entstandenen Schäden ab.

Werfen wir zum Schluss einen Blick in die Glaskugel: Wo stehen wir zum Jahreswechsel 2021/22? Wo steht Pyroland dann?

Pyroland steht dann wieder in der Zeitung (lacht). Weil Sie mir die Frage stellen: „Herr von Bothmer, wie haben Sie das alles nur so schnell so gut wieder hinbekommen“.

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