„Wir haben nie etwas versteckt“

Tongrube in Westerholz: Bemühung um Aufklärung

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Schläuche, Kontrollbrunnen und kleine Erddämme – so sieht die Westerholzer Tongrube heute aus. 

Westerholz - Von Wieland Bonath. An der Kreisstraße von Hetzwege nach Westerholz: 500 Meter vor dem Ortseingangsschild liegt an der rechten Seite auf einer Fläche von 4,5 Hektar der Problemfall der Gemeinde, die Westerholzer Tongrube.

In den 1960er-Jahren, als die Ziegelei ihre Arbeit einstellte, wurde der See, der nach dem Tonabbau entstanden war, zur Müllkippe. Firmen nutzten die „Wüste“, um Abfall – von Flugasche aus der Müllverbrennung bis hin zu Glasrecyclingabfällen – zu entsorgen. Tausende von Tonnen wurden von Lkw auf der Deponie abgeladen. Die Westerholzer hatten jahrelang ihr großes Müllproblem vor der Haustür. Das soll sich jetzt radikal ändern.

Der Ortsrat Westerholz mit Bürgermeister Wolfgang Kirschstein (SPD) hatte am Donnerstagabend in den „Westerholter Kroog“ zur Information der Bürger eingeladen. Mehr als 40 Einwohner, Kommunalpolitiker und Fachleute waren zu dieser „Westerholzer Runde“ gekommen. Sachliche Informationen sollten es sein, bei manchen blieb zurückhaltende Skepsis über die umfangreichen Sanierungsarbeiten des jetzigen Eigentümers, der Umweltschutz Nord GmbH aus Ganderkesee. Aber unter dem Strich: Nach zwei Stunden gingen die Bürger, die die „Deponie Tongrube“ über Jahre mit Misstrauen wegen möglicher Umweltschäden beobachtet hatten, mit positiven Erwartungen aus dem Saal der Gaststätte.

Keine Sanierung, sondern Altlastensicherung

Ortsbürgermeister Kirschstein hatte diese Fachleute begrüßt: Ole Dahms, den verantwortlichen Betriebsleiter der Tongrube, Gert Engelhardt, Leiter des Amtes für Wasserwirtschaft und Straßenbau vom Landkreis Rotenburg, Joachim Köhnken, Fachbereichsleiter Bau und Planung der Gemeinde Scheeßel und Gutachter Dr. Kasimir Pirwitz, Leiter eines Bremer Umweltbüros.

Engelhardt betonte, dass es sich bei den jetzigen Maßnahmen im Bereich der ehemaligen Tongrube nicht um eine Sanierung, sondern um eine Altlastensicherung handele. Bis 2023 solle die Grube so abgedichtet sein, dass beispielsweise Sulfate nicht in das Erdreich der Umgebung gelangen könnten. Engelhardt: „Das Schadstoffpotenzial wird versiegelt und dauerhaft eingekapselt.“ Und das für die „nächsten 200 Jahre“. Gern sei er bereit, ergänzte Engelhardt, interessierte Bürger in seinem Büro im Kreishaus über weitere Einzelheiten im Zusammenhang mit der Westerholzer Tongrube zu informieren. Diese Maßnahmen sicherten die ehemalige Deponie, die in Absprache mit dem Umweltministerium in Hannover erfolgten.

„In der Grube wird kein hochgiftiges Material gelagert“

Am 1. Januar 2015, so Betriebsleiter Ole Dahms, habe die für Westerholz zuständige Umweltgruppe der international tätigen Zech-Gruppe aus Bremen die Grube von der Firma Westerholzer Baustoffhandel übernommen. Dahms erläuterte die umfangreichen Rekultivierungsmaßnahmen. Zur Verfüllung seien etwa 250. 000 Tonnen Boden eingesetzt worden. Mehrere Dränageringe in unterschiedlicher Länge und Höhe wurden und werden angelegt, Kontrollbrunnen entstanden, abgepumptes Wasser wurde „inklusive Salzfracht“ in den Westerholzer Kanal geleitet.

Die Tonschicht, informierte Dahms, schütze die Umwelt vor möglichen Schadstoffen. Und die Zukunft sieht der Betriebsleiter so: „Dann kommt ein Deckel drauf und Boden drüber, und dann ist alles gut ...“ Mit einem Gefälle zu den Seiten hin werde die geschlossene Tongrube eine Höhe von etwa fünf Metern haben.

Gutachter und Umweltberater Pirwitz und Betriebsleiter Dahms wiesen auf regelmäßige Kontrollen durch Mitarbeiter des Landkreises hin, erwähnten die umfangreichen dokumentierten Analysen und betonten: „Wir haben nie etwas versteckt.“ Dahms : „In der Grube wird kein hochgiftiges Material gelagert.“

Was soll mit der versiegelten Fläche der ehemaligen Tongrube werden? Ein Gewerbe- und Industriegebiet? Auch darüber wurde am Donnerstag gesprochen. Zukunftspläne, die heute noch beiseitegelegt werden.

Kirschstein: „Ich bin froh, dass heute eine potente Firma da ist, die darlegen kann, was sie macht.“ Und davon wollen sich die Westerholzer demnächst vor Ort bei einer Besichtigung der Tongrube überzeugen.

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