Original Scheeßeler Trachtengruppe nutzt Pause für „Trachten-Frühjahrsputz“

Winterschlaf in Blau und Schwarz

Ob gedeckt oder eher bunt: Es gibt verschiedene Trachten, die zu unterschiedlichen Anlässen getragen werden. Jeesica Grafelmann (l.) und Celine Klee haben den Überblick, welche Trachten es im Fundus gibt.
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Ob gedeckt oder eher bunt: Es gibt verschiedene Trachten, die zu unterschiedlichen Anlässen getragen werden. Jeesica Grafelmann (l.) und Celine Klee haben den Überblick, welche Trachten es im Fundus gibt.

Scheeßel – Die bestellte Kleidung zurückschicken, die zum Teil sogar ein rauschendes Fest lang getragen wurde – das soll in Zeiten von Amazon & Co. heutzutage nicht gerade unüblich sein. Bei der Original Scheeßeler Trachtengruppe hatte die jüngste Rückgabe von Röcken, Schürzen, Westen und Mützen vor dem zweiten Lockdown einen ganz anderen Hintergrund: Die Kleidungsstücke, die beim vergangenen Übungstag von den jüngeren Mitgliedern zurückgegeben wurden, stammen nicht vom Online-Discounter, sondern aus den Beständen des Tanz- und Trachtenvereins und sind zumeist ungleich älter.

Während viele Erwachsene eigene Trachten zuhause haben, hat sich bei den Nachwuchstänzern das System der Ausleihe bewährt. „Die Kinder wachsen einfach zu schnell, alles andere würde keinen Sinn ergeben“, erzählt Celine Klee. Gemeinsam mit Jessica Grafelmann gehört sie zur „neuen Generation“ unter den Betreuern der Kleiderkammer – denn Tracht ist nicht gleich Tracht, und Wissen, das von den „alten Hasen“ wie Karin Gruß und Inge Hastedt weitergegeben werden will, gibt es reichlich. Das ist den beiden 25-Jährigen erst vor Kurzem vor Augen geführt worden, als es darum ging, gemeinsam mit den „de Beekscheepers“ eine Übersicht zu erstellen, die „Trachtenbibel“, wie die Fachpublikation scherzhaft genannt wird.

Da wird nicht nur zwischen Blaudruck-Arbeitstracht- und Festtracht unterschieden – letztere wird von den Brauchtumspflegern bei Auftritten getragen –, sondern auch noch zwischen Sonntagstracht, einer für Brautjungfern, für Trauer, für ältere Damen und jüngere, das Alter trug gedeckter. Die Reihe der verschiedenen Ausführungen füllt ein ganzes Buch. „Oft sind es nur Details, die variiert werden“, weiß Grafelmann – so macht eine andere Kopfbedeckung und Brosche aus einer Konfirmationstracht möglicherweise schon ein Brautgewand. Auch die Unterscheidung zwischen Alt und Neu – gelegentlich werden Teile von Trachten aus Beständen oder Dachbodenfunden an den Verein gespendet – will erst gelernt sein, „da kann ein Streifen schon einen großen Unterschied machen!“, weiß Klee.

Bei den Kindern und Jugendlichen, deren Trachten nun samt und sonders in der Kleiderkammer auf dem Meyerhof auf Reparatur und dann die nächsten Einsätze nach Corona-Zeiten warten, ist die Sache weniger kompliziert: Sie tragen Blaudruck. Rock, Blaudruckschürze, schwarze Pokerjacke und rotes Halstuch die Mädchen, weißes Hemd, schwarze Hose und Weste sowie blaues Halstuch die Jungen. Die Blaudruckmützen wurden unlängst von Helga Behrens neu bezogen. Trachtenwartin Karin Gruß bessert Verschlissenes auf und näht aus alten Stoffen neue Schürzen und Röcke. „Die Arbeit der beiden sind für uns unbezahlbar“, meint Grafelmann, „beim Schneider würde das ein Vermögen kosten.“ Neue Trachten werden nur von wenigen spezialisierten Schneidern angefertigt.

Die jüngste Bestandsaufnahme fiel außerordentlich positiv aus. Abgerissene Knöpfe, dreckige Säume – Fehlanzeige. Die meisten Retouren erfolgten sogar gebügelt. Die Ermahnungen beim Entleihen scheinen gefruchtet zu haben, „alle sind mit ihren Trachten überaus pfleglich umgegangen“, haben Klee und Grafelmann festgestellt. Das Knittern der Altertümchen ist genauso ein No-Go wie das Herumtoben darin. Ebenso verbietet es sich, nur einen Teil der Tracht zu tragen. Die Devise sei „ganz oder gar nicht, auch wenn mal die Kappe kneift“, bringt Grafelmann es auf den Punkt. A und O sei das gute Lüften; „bisher hat uns allerdings noch niemand gesagt, dass wir stinken“, schmunzelt Grafelmann.

Normalerweise werden die Leihgaben einmal im Jahr durchgetauscht, bei Bedarf öfter. „Meist merkt man bei Auftritten, wenn ein Kind ‚Hochwasser‘ hat, weil es gerade einen Wachstumsschub gemacht hat“, weiß Klee. In der gegenwärtigen Lage heißt es statt Umtausch jedoch vorerst Retoure. „Wer weiß, wann wir wieder auftreten können und ob die Trachten bis dahin nicht schon wieder zu klein sind“, so Grafelmannns Kalkül. Deshalb herrscht auf den Ständern und Stangen der Kleiderkammer über der Meyerhofdiele derzeit auch Überfüllung – ein Zustand, der hoffentlich nicht von allzu langer Dauer ist.

Der Veranstaltungskalender ist jedenfalls vorerst leer, der Scheeperabend und die Kohltour abgesagt. „Ohne Tanzen wäre das nicht denkbar“, sind sich die beiden jungen Frauen einig. Sie hoffen, dass einige Veranstaltungen nachgeholt werden, so der Tag der Niedersachsen oder die Teilnahme am großen Oktoberfestumzug in München, für den die Gruppe zum ersten Mal seit 1995 eine Teilnahmezusage hatte.  hey

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