Musiker wollen Engagement-Preis

„Wildes Blech“ wirbt in Scheeßel für Stimmen

Für einen Videodreh für ihre Social-Media-Kampagne ging es für das Wilde Blech bereits mit den Instrumenten auf einen Bauernhof.
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Für einen Videodreh für ihre Social-Media-Kampagne ging es für das Wilde Blech bereits mit den Instrumenten auf einen Bauernhof.

Scheeßel – Die Musiker der landkreisweiten Formation „Wildes Blech“ spielen am heutigen Dienstag in der Scheeßeler St. Lucas-Kirche als Vorband der Vokalartisten „Maybebop“ Trompete, Posaune oder Saxofon. Die Musiker sind gerade sehr rührig und sammeln Stimmen für die Wahl zum renommierten Deutschen Engagementpreis, für das die Heavy-Metal-Bläsertruppe nominiert ist.

Seit einigen Wochen kleben sie Plakate, verteilen Visitenkarten, stehen vor oder hinter der Kamera, verfolgen Klickzahlen und mausern sich dabei zu Social Media-Experten. Sie singen abgewandelte Werbe-Jingles für die Kamera ein, dichten Lieder und haben den SPD-Bundestagsabgeordneten und Generalsekretär Lars Klingbeil in Visselhövede besucht, um im Video während des Wahlkampfs des Bundespolitikers klick-wirksam an den eigenen zu erinnern. Am Wochenende stand außerdem ein Videodreh auf einem Bauernhof an, Strohballen, Playback und Drohnenaufnahmen inklusive.

Der Film soll, genau wie die Auftritte im Beekeort heute und ein zweites Mal morgen, dafür sorgen, dass die Zuschauer dem generationsübergreifenden Projekt ihre Stimmen schenken. Ein ehrgeiziges Ziel, treten bundesweit doch mehr als 400 Gruppen und Initiativen bei dem Kampf um Klickzahlen an. Zwar rangiert die Formation um den Gründer und Dirigenten Ben Faber mit Mitspielern aus Scheeßel und der gesamten Region seit dem Start vor rund drei Wochen stets unter den ersten Zehn, doch bis zu Konkurrenzprojekten wie „Igelpflege“ oder „Kinder lesen Katzen vor“ sind noch einige hundert Klicks Luft.

Die Messlatte liegt hoch: Derzeit um die 1 500 Zuschauerstimmen trennen die ambitionierten Hobbymusiker vom aktuell Erstplatzierten, einem Inklusions-Trainerteam.

Gratis-Konzerte für die Reichweite, Videodrehs in der Pampa und digitales Klinkenputzen – ist das nicht reichlich viel Aufriss für einen Preis, bei dem die Chancen eher mittelmäßig stehen? „Nein“, findet Ben Faber: „Eine kleine Chance besteht immer!“ Natürlich gehe es ihm auch um das Preisgeld – die 10 000 Euro könnte die Truppe der rund 45 Teilnehmer von der Schülerin bis zum Rentner, die keine Förderung von einschlägigen Institutionen wie dem Landesmusikrat erhält, gerade nach der „Plünderung“ der Bandkasse nach Studioaufnahmen in Ottersberg gut gebrauchen.

Ihm geht es aber auch um etwas anderes: „Gesehen werden, mal wieder präsent sein – die Aktion hat unglaublich viel an Energie und Kreativität freigesetzt“, erklärt Faber. So warb Josephine Thede, Schülerin des Sottrumer Gymnasiums, auf dem Schulserver um Stimmen für ihr Ensemble – Schulleiter Ferdinand Pals, dessen Gymnasium mit dem „Wilden Blech“ mit einer AG für Bläserklassenschüler kooperiert, war so begeistert, dass er per Durchsage auf die Aktion hinwies.

Der Sottrumer Gewerbeverein stellte sich für Videos zur Verfügung; ein Zusammenschluss von Bio-Landwirten nutzte die Feierlichkeiten zum 50. Bestehen des Gütesiegels für einen gemeinsamen Videodreh – eine Kommerzialisierung? Marina Carstens, die sich um die Sozialen Medien kümmert, schüttelt entschieden den Kopf. „Natürlich haben wir uns beim Dreh mit Lars Klingbeil gefragt, ob man uns das als politische Positionierung auslegen könnte“, meint die 29-jährige Controllerin. „Aber schließlich haben wir auch Oliver Grundmann von der CDU per Facebook gratuliert – das hatte nichts mit Politik zu tun, sondern darum, überhaupt wählen zu gehen. Letztendlich geht es uns um die Reichweite.“

Und die treibt sie momentan fast in den Wahnsinn. Wenn die „Offiziellen“ vom Deutschen Engagementpreis zum x-ten Male die Posts des Taubenzüchtervereins teilen, nicht aber die Aktivitäten anderer Gruppen wie der eigenen, macht die Expertin für Hashtags und Instagram-Algorithmen ihrem Ärger schon mal im Gruppenchat Luft. Um spätestens zehn Minuten später nachzuschieben: „Auf geht’s zum Endspurt – lass uns die letzten 2 000 Stimmen knacken!“

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