Was Wildbienen brauchen

Manfred Radtke referiert beim Kulturverein Hekiswidi über artgerechte Nisthilfen

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BUND-Kreisvorsitzender Manfred Radtke (v.l.), Janthe Schröder und Ines Meyer-Brunkhorst freuen sich über ein volles Haus.

Hetzwege - Von Ursula Ujen. Mit solch einem großen Interesse hätte der Hetzweger Kulturverein Hekiswidi nicht gerechnet, und auch BUND-Referent Manfred Radtke zeigte sich freudig überrascht: Mehr als 70 Gäste konnten Ines Meyer-Brunkhorst, die erste Vorsitzende, sowie Janthe Schröder, Schriftführerin und Initiatorin, am Mittwochabend zum Vortrag über Wildbienen im Hetzweger Feuerwehrhaus begrüßen.

Dass sich die Anwesenden für den Schutz der Natur und der sich darin befindlichen Lebewesen interessieren, lag ja quasi auf der Hand – auf Nachfrage von Radtke hat die Mehrheit bereits Nisthilfen im Garten. Und dennoch war es für das Publikum interessant zu hören, welche Bedeutung die Wildbienen für die Umwelt haben und wie jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann, ihrem bedrohten und immer mehr eingeschränkten Lebensraum etwas Positives entgegenzusetzen.

Anhand erläuternder Grafiken und Statistiken schilderte Radtke die rasante negative Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten: „Durch die industrielle Landwirtschaft mit dem immensen Pestizideinsatz und der Zerstörung wichtiger Lebensräume haben wir viele der bei uns vorkommenden etwa 565 Wildbienenarten an den Rand des Aussterbens gebracht. 

Allerdings kann jeder von uns durch eine bienenfreundliche Gestaltung von Garten, Balkon und auch Straße aktiv werden und helfen.“ In jedem Garten gäbe es Wildbienen, von denen drei Viertel ihre Brutröhren in der Erde bauen – für die übrigen könne man mit Nisthilfen 25 Prozent aller potenziell vorkommenden Arten fördern. Angst vor Bienenstichen müsse man übrigens nicht haben, denn Wildbienen wären sehr friedfertig und stächen allenfalls, wenn man sie ungeschickt drückt.

Wie aber sieht nun eine gute Nisthilfe aus? Laut Radtke hätte es in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom von sogenannten Insektenhotels gegeben, wobei allerdings „neben dem albernen Namen“ die meisten Nisthilfen außer einer gewissen hübschen Optik praktisch nutzlos seien. Zumeist wären sie mit falschen Materialien wie Stroh, Kiefernzapfen, Aststücken, Holzschnitzel, Lochsteinen oder Gasbetonsteinen bestückt, wobei die Steine bedingt und lediglich zur Aufnahme von Schilf-, Bambus- oder Pappröhren geeignet seien. Verwenden sollte man ein unbehandeltes und gut durchgetrocknetes Hartholz wie Buche, Esche oder Erle aus einem Holzklotz. 

Scheiben seien ungeeignet, weil sie reißen und so Feuchtigkeit eindringen kann. Die Nistlöcher würden quer zur Maserung von der Borke her gebohrt. Ebenfalls gut geeignet für Wildbienen seien aus Ton gebrannte Niststeine (Bienensteine) und auch Hohl-Strangfalzziegel. Wichtig sei ein möglichst trockener und warmer Standort mit mehreren Stunden Sonne am Tag in Südost- bis Südwest-Richtung sowie ein Regenschutz. 

Für Wildbienenarten, die ihre Brutröhren gern in morschem Holz bauen, könne man aus dicken Ästen und Stammstücken einen Totholzhaufen anlegen. Auch den Erdbewohnern, der größten Gruppe unter den Wildbienen, könne man schon mit einem Quadratmeter Boden ein neues Quartier anbieten. Wer an Steilwänden nistende Wildbienenarten unterstützen möchte, dem empfahl Radtke: „Schaffen Sie einen Ersatzlebensraum, da es in der Natur kaum noch natürliche Uferabbrüche gibt – ein Eternit- oder Holzkasten mit der richtigen Bodenmischung ist ausreichend.“

Natürlich würden die Nisthilfen nur in einem artenreichen Garten, der genügend Nahrung in Form von Pollen und Nektar bietet, angenommen werden. „Pflanzen Sie Stauden mit ungefüllten Blüten und legen Sie eine Blumenwiese an, die Mühe wird schnell belohnt“, empfahl der BUND-Experte.

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