Schweizer Pärchen legt Weltreise-Stopp an der Wümme ein

Wiedersehen mit „Rosie“

Marco Spirig und Anja Hasler ruhen sich nach der Wiedervereinigung mit Weltenbummlermobil „Rosie“ einige Tage auf dem Campingplatz „Waidmannsruh“ an der Wümme aus.
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Marco Spirig und Anja Hasler ruhen sich nach der Wiedervereinigung mit Weltenbummlermobil „Rosie“ einige Tage auf dem Campingplatz „Waidmannsruh“ an der Wümme aus.

Scheeßel – Gerade haben Marco Spirig und Anja Hasler „Rosie“ aus Hamburg abgeholt. Mehr als ein Jahr waren die drei gemeinsam auf Weltreise. In Laos trennten sich ihre Wege: Während das Pärchen die Heimreise mit dem Flugzeug antrat, wurde der auf den Namen „Rosie“ getaufte Landrover per Container nach Bangkok gebracht und von dort aus nach Hamburg verschifft. Die Wochen, die das Abenteurermobil aus zweiter Hand länger unterwegs war, nutzten die beiden Globetrotter, um Zuhause in der Schweiz vorbeizuschauen; „es war schon komisch, im alten Kinderzimmer zu schlafen, noch dazu, weil wir da unsere verbleibenden Sachen eingelagert hatten und es entsprechend eng war“, schmunzelt der 37-Jährige, der auf dem Campingplatz Waidmannsruh vor seinem Laptop sitzt und mit seiner Partnerin nach Stellenanzeigen surft.

Gerade verbringt das Paar einige entspannte Tage in Scheeßel. „Zwischendurch waren wir noch kurz in Dänemark, aber da war es reichlich frisch“, erklärt Spirig. Kein Wunder, nach vielen Monaten in Südostasien: „Dort war es teilweise so heiß, dass ich mich nach etwas Abkühlung gesehnt habe“, meint Hasler. Begonnen hatte die Reise im März 2019. Damals hatten der Elektroingenieur und seine Partnerin, die bei der eidgenössischen Bundesverwaltung Asylverfahren bearbeitete, nach 20 Jahren ihre Zelte in Bern abgebrochen, „ausgemistet, Möbel weggegeben, die Wohnung aufgelöst“, einen gebrauchten Geländewagen gekauft, ihn „Rosie“ getauft und den Reiseblog „www.rockinrosie.com“ angelegt. Nach einigen Wochen „Probereisen“ in Marokko waren die letzten Umbauten vorgenommen und dann ging es quer durch Europa, „ziemlich zügig“ nach Südostasien.

Was die beiden suchen? Andere Länder und Landschaften, vor allem die Natur – immer wieder landen sie in den Bergen. „Andere Reisende meinten, es müsse daran liegen, dass wir Schweizer seien“, so der Mann mit dem Vollbart schmunzelnd. Die Erklärung: Während der Sommerzeit lässt es sich in Pakistan oder Indien auf 5 000 Metern Höhe in dem Gefährt besser aushalten. Anfangs noch in flotterem Tempo unterwegs, stellt sich spätestens ab Pakistan auch eine gewisse Gelassenheit beim Reisen ein. Die 10 000 Kilometer Luftlinie, aus denen gefahrene 40 000 werden, bestehen auch mal aus einer Woche Lesen und Kochen an besonders schönen Orten.

Zu diesem Zeitpunkt ist Corona noch kein Thema, erst ab Ende Dezember werden die beiden auf ihrer Route durch die Türkei, Iran, Myanmar, Thailand und Nepal mit Grenzschließungen und Lockdowns konfrontiert. In Indien werden sie zur Attraktion vor allem für einheimische Kinder und Jugendliche: „Die setzen sich einfach neben das Auto und beobachten dich bei allem, was du machst“, in Pakistan werden sie von gefühlt 20 Polizeieskorten in fünf Tagen durch Beludschistan geleitet. Im Internet informieren sie sich auf den Botschaftsseiten und Newsletter über die aktuelle Situation, aber auch über die jeweilige Gesundheitsversorgung. Der Lockdown und das Schließen der Grenzen in Laos kommt dann auch nicht überraschend. „Wir fühlten uns dort sicherer als in Europa – es gab kaum Fälle und die Grenzen wurden schon früh rigoros zugemacht“, erzählt die 37-Jährige. Fünf Monate sollten sie im Land bleiben, bevor sie beschließen, ihre für mehrere Jahre geplante Reise vorzeitig zu beenden. „Die Regenzeit kam, es wurde heiß und feucht, und angesichts geschlossener Grenzen es gab keine Aussicht darauf, unsere Reise in naher Zukunft wie gewohnt fortzusetzen.“

Die Laoten seien sehr freundlich, aber distanziert gewesen. „Als Weiße wurden wir misstrauisch beäugt, denn laut deren Propaganda stammt Corona natürlich nicht vom kommunistischen Bruder China, sondern wurde aus West-Europa eingeschleppt.“ Offene Feindlichkeit wie befreundete Reisende aus Sri Lanka oder Indien berichten, erfahren sie nicht. Insgesamt haben sie viel Glück auf ihrer Tour: außer einmal Durchfall bleiben gesundheitliche Probleme aus, ebenso wie Diebstahl, Autoeinbruch oder Leute, die auf Bakschisch spekulieren. Beim Heimataufenthalt hat Spirig bereits durch Zufall eine Arbeitsstelle ab Januar gefunden, ebenso wie eine Wohnung für das Paar. Einzig der Reisevirus wird bleiben. Nach einigen Tagen Ruhe in Scheeßel mit Ausflügen in die Lüneburger Heide und auf den Meyerhof mit dem Blaudruckmuseum, das ihnen gut gefallen hat, geht es weiter nach Holland. Zurück in der Schweiz heißt es „erst mal ein paar Jahre arbeiten, und dann wieder los – allerdings erst, wenn Reisen hoffentlich unter ähnlichen Umständen wie zu Beginn unseres Trips wieder möglich ist.“

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