Finissage regt zum Austausch mit dem Künstler an

Webers Handyfotografien: „Wie ein LSD-Trip“

+
Der Bremer Künstler Otmar Willi Weber begab sich auch bei der Finissage gern in den Dialog mit den Besuchern.

Scheeßel - Auch am letzten Tag noch einmal volles Haus und viele Gespräche mit Besuchern aus nah und fern – schöner hätten sich Jessica Krull vom Heimatverein und Leiterin des Kunstgewerbehauses Birgit Ricke sowie der Künstler Otto Willi Weber den Abschluss seiner Werksschau „[sic] – as I see“ nicht vorstellen können. Auch bei der Finissage am Sonntag überraschte der „junge Künstler“ (der Journalist und gerade pensionierte Radio-Moderator hat erst vor einigen Jahren die Handykamera als künstlerische Ausdrucksform für sich entdeckt) mit seinem unbearbeiteten Blick auf die Strukturen in der Makrowelt.

Viele Besucher, auch an diesem Tag aus dem Verbreitungsgebiet des Nordwestradios wie aus Uelzen, Soltau, Bremen und Fischerhude (aber auch Einträge aus Australien oder dank Beekefestival am Vorwochenende aus Argentinien oder Ungarn finden sich im Gästebuch), fühlen sich durch den ungewöhnlichen Blick auf die Welt inspiriert. „Das ist Pink Floyd!“, meint Musiker Bobby Meyer mit Blick auf die im Außerfokusbereich einer alten Wagenachse zerlaufenden Farben begeistert. Ihm gefallen die kräftigen Farben, „Wie ein LSD-Trip“, schmunzelt er, „ich will gar nicht wissen, was das ist!“

Ganz im Unterschied zu vielen anderen Betrachtern. Wie oft Weber, der während der einmonatigen Ausstellung mehrfach in Scheeßel „nach dem Rechten“ sah, die Frage: „Und was ist das in echt?“ gehört hat, weiß der Bremer gar nicht so genau. Für ihn ist es „immer ein Erlebnis zu gucken, wie die gucken“. Die Transformation vom Moderator zum Künstler, sie scheint noch nicht ganz geglückt: Weber liebt es, mit den Besuchern in Kontakt zu kommen, sich zu erklären. Man hört Paradigmen wie: „Der Wahrheitsgehalt der Fotografie ist gleich null!“ Das stimmt zumindest für die Einzelbilder, unbeschnitten, unbearbeitet, eben „As I see“. Die Aussage „Ich kann da nix für“ gilt nicht für die Werke, in denen der Künstler Fragmente kombiniert und in Beziehung zueinander setzt, wie bei den Elementen des vermeintlichen Toastbrots, die sich als Nahaufnahmen auf einer Fähre entpuppen.

Besucher lassen sich auf neue Sehprozesse ein

Die Resonanz ist positiv, viele Besucher lassen sich auf neue Sehprozesse ein, lassen eine Umdeutung des Gesehenen zu; eine schöne Bestätigung für Weber, dass die Ergebnisse der zum Teil bereits vor vier bis fünf Jahren entstandenen festgehaltenen Streifzüge mit dem Fahrrad auch heute noch funktionieren. Ein Großteil von ihnen landet erst mal im frisch eingerichteten Atelier, „ein Teil aber auch als Mini-Ausstellung im Treppenhaus eines Nachbarn.“

Im Kopf und auf dem Rechner hat der Bremer schon das nächste Projekt: „Ich habe festgestellt, dass ich zunehmend gegenstandsloser fotografiere“, so Weber. Deshalb wird seine nächste Ausstellung „Wie gemalt“ heißen. Im „Kasten“ hat er bereits 120 bis 150 Bilder, „die größte Herausforderung besteht nun darin, sie auf 30 bis 40 zu reduzieren.“

hey

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Zeig mir dein Auto und ich sag dir wer du bist

Zeig mir dein Auto und ich sag dir wer du bist

Wiederverwertung: Aus Plastikflaschen werden Stiefelspanner

Wiederverwertung: Aus Plastikflaschen werden Stiefelspanner

Leipzig verliert auf Schalke - BVB siegt 3:0 in Wolfsburg

Leipzig verliert auf Schalke - BVB siegt 3:0 in Wolfsburg

Parkhausteile stürzen ab - Autos hängen in der Luft

Parkhausteile stürzen ab - Autos hängen in der Luft

Meistgelesene Artikel

Bundestagskandidaten sind sich in vielen Punkten erstaunlich einig

Bundestagskandidaten sind sich in vielen Punkten erstaunlich einig

1500 Schützen feiern in Westervesede

1500 Schützen feiern in Westervesede

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

Kommentare