Rot-Weiß Scheeßel legt Vereinschronik zum 100. Geburtstag vor

„Wie ein Pokal in den Händen“

Das Mammutwerk ist fertig. Steffen Lohmann ist ebenso erleichtert und stolz auf das Ergebnis wie Jacky Volkmer von der Werbeagentur „Klar“, die an der Gestaltung mitgearbeitet hat.
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Das Mammutwerk ist fertig. Steffen Lohmann ist ebenso erleichtert und stolz auf das Ergebnis wie Jacky Volkmer von der Werbeagentur „Klar“, die an der Gestaltung mitgearbeitet hat.

Scheeßel – 100 Jahre Vereinsgeschichte auf 132 Seiten mit hunderten von Bildern – als Steffen Lohmann die frisch gedruckte Vereinschronik des SV Rot-Weiß Scheeßel zum ersten Mal sah, „da war das ein Gefühl, wie einen Pokal in den Händen zu haben.“ Die Anspannung der vergangenen Monate, in denen der Scheeßeler nach seinem eigentlichen Job als Programmierer oft bis nachts um 1 Uhr am Entwurf saß, ist vom ehrenamtlichen „Chronikleiter“ abgefallen. Und auch, wenn er sich über jeden kleinen Fehler ärgern kann, der bei einem solchen Mammutprojekt nicht ausbleibt, so überwiegt doch der Stolz auf das Ergebnis.

Zu Recht, hatte Lohmann doch bereits 2014 nach der Wahl in den Vorstand begonnen, Mitstreiter auf Fotos und Geschichten für das anstehende 100-jährige Jubiläum des Traditionsvereins anzusprechen. Wie ein Eichhörnchen sammelte und sichtete er Material, bat ältere Mitglieder, ihm mit Namen zu helfen und ihre Erinnerungen zu teilen. Ganz von Null habe er indes nicht beginnen müssen, meint der 34-Jährige bescheiden. Auch, weil er für die ersten 75 Jahre Vereinsgeschichte auf die Chronik von 1995 zurückgreifen konnte.

Gleichwohl, was Lohmann zusammen mit dem ersten Vorsitzenden Carsten Tietjen, der sich auch um Sponsoren kümmerte, und vielen anderen Unterstützern beim Lektorat, der Beschaffung von Informationen oder den zahlreichen Interviews gemeinsam mit der professionellen Hilfe von Jacky Volkmer von der Scheeßeler Werbeagentur Klar auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen lassen. Nach Dekaden geordnet finden sich in dem Bildband nicht nur Mannschaftsbilder und Interviews mit Spielern und Ehemaligen, sondern auch Rückblicke auf die Auslandsreisen, Feiern oder jüngere Meilensteine wie die Umwandlung des Asche- zum Rasenplatz, die Flutlichtinstallation, den Getränkewagen und die Jubiläumsaktion „Stickerstars“.

Auch für Lohmann selbst, bis 2005 bei den ersten Herren aktiv, danach vierte Herren, jetzt Alte Herren, sind echte Highlights dabei, etwa das 1982 von Helmut Ueberall in die Wege geleitete Spiel gegen Gladbach, damals noch mit Trainerlegende Jupp Heynckes, oder der Beitrag seines inzwischen in Köln lebenden Mitstreiters Tim Rathjen, um den er seinen inzwischen in Köln beheimateten Jugendfreund gebeten hatte. Der lieferte einen zweiseitigen Comic mit Collagenelementen von Spielerfotos vom Aufstieg in die Kreisliga 2010. Nicht fehlen dürfen auch Höhepunkte wie die Spiele um den Niedersachsenpokal 1963 und 1973 zu Hoch-Zeiten des Vereins. „Ohne die Niederlage hätten unsere Kicker Einzug in den DFB-Pokal gehalten“, weiß Lohmann zu berichten. Daran scheiterte auch der von ihm bereits vorbereitete Wikipedia-Eintrag, denn das entscheidende Kriterium eben der Teilnahme am DFB-Pokal war nicht erfüllt.

Während der Vater zweier Kinder das Familienleben „etwas zurückschraubte“ und auch die Familie in das Großprojekt einspannte (der Vater scannte Bilder ein, Schwester Maike, ihres Zeichens Bibliothekarin, las Korrektur), sah sich Jacky Volkmer von der Werbeagentur „Klar“ vor der Aufgabe, aus einer vierstelligen Zahl von Bildern auf dem USB-Stick ein einheitliches Ganzes zu gestalten: „Von unterschiedlichen Formaten, vom eingescannten Polaroid bis zum hochaufgelösten Digitalbild etwas aus einem Guss zu machen, aber trotzdem den alten Charme nicht zu verlieren – das war schon eine Herausforderung“, so die 23-Jährige über ihr bisher größtes eigenständig abgewickeltes Projekt. Schnell wurden aus den geplanten 76 Seiten fast doppelt so viele, „es hätten aber auch locker noch 30 mehr werden können“, so der Werbeprofi.

Um auch das restliche Material den geneigten Lesern verfügbar zu machen, besann sich Lohmann auf die Familienalben, die der Familienvater jedes Jahr erstellt: Material, das hier keinen Platz mehr findet, wird ins Internet „ausgelagert“. So finden sich zu jedem Kapitel der Broschüre QR-Codes, mit denen weitere Fotos, aber auch zahlreiche Videos, Zeitungsartikel oder PDFs der historischen „Stadionzeitung“, abrufbar sind. Diese sind auch direkt über die Vereinswebsite unter dem Stichwort „Chronik“ zugänglich.

Der heikle Moment, das Jahrhundertwerk nach einem halben Jahr Arbeit und zwei bis drei Dutzend Entwürfen in den Druck zu geben, ebenso wie der, als die Kartons mit dem fertigen Produkt ankamen, (Volkmer hatte sich an dem Tag extra frei genommen: „Ich war einfach zu aufgeregt“) – sie liegen hinter den Beteiligten. Bei Steffen Lohmann ist wieder Normalität im Familienleben eingekehrt.

Über die überwiegend positiven Rückmeldungen freut er sich, auch über diejenigen, die gern selbst interviewt worden wären oder noch etwas beizutragen haben. Das Material wird vom Daten-Eichhörnchen schon gesammelt – „vielleicht fürs nächste Mal“.

Die Chronik ist zum Preis von fünf Euro bei der Agentur Klar an der Großen Straße (ehemals Schuster Behrens) und demnächst auf dem Scheeßeler Wochenmarkt erhältlich. Bei Bestellung über E-Mail an 100jahre@rot-weiss-scheessel.de und postalischem Versand kommen fünf Euro Versandgebühren hinzu.  hey

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