Katze mit abgelöster Lunge nach Hurricane

Wer hat "Lou" das angetan?

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Was genau dem einjährigen “Lou” in der Hurricane-Nacht vom Samstag widerfuhr, wird sich wohl nie ganz klären lassen.

Weservesede - René Ruschmeyer ist erschüttert. Er hat eine verletzte Katze, vermutlich durch einen oder mehrere gezielte Tritte ausgelöst, eine Tierarztrechnung von knapp 500 Euro und eine Riesenwut im Bauch.

Sein Verdacht: Der einjährige Familienkater „Lou“ ist in der Nacht vom Samstag auf Sonntag getreten worden, vermutlich gezielt, aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Festivalbesucher.

Samstagabend, im Tavenhorn, an dem für VIP-Besucher des Festivals reservierten Zufahrtsweg. Nach einer Spätschicht am Vorabend freuen der Taxifahrer und seine Frau sich auf eine ruhige Nacht – so ruhig sie eben mit einem Neugeborenen und dem Hurricane-Gelände in wenigen hundert Metern Entfernung sein kann. Die älteren Kinder sind zu Oma und Opa „ausgelagert“ worden, die nun kleine Familie längst im Bett. „Um zwei Uhr nachts hat es an der Tür geklingelt“, erinnert sich Isabel Ruschmeyer. Zunächst dachte sie an Festivalgänger: „Das passiert schon mal, dass Leute klingeln, um auf Toilette zu gehen oder fragen, ob wir bei dem Regen noch ein Zimmer frei hätten.“

Elias (6 ), Jona (4) und Papa René Ruschmeyer hoffen, dass Kater Lou ohne eine weitere OP gesund wird.

Doch die junge Frau vor der Tür hält den beiden eine Wolldecke entgegen, in die sie eine röchelnde Katze eingewickelt hat. „Wissen Sie, wem die gehört?“, will die Anfang 20-Jährige wissen. Ruschmeyer ist schlagartig hellwach – es ist Lou, ihr eigener Stubentiger. Eigentlich sollte er das gesamte Wochenende drinnen bleiben, aber am Nachmittag ist er durch die Terrassentür entwischt. Sie nehmen das röchelnde Bündel in Empfang. Äußerlich ist das zierliche Tier, das zur Familie gehört, seit es drei Wochen alt ist, unverletzt. Ruschmeyer greift zum Handy und versucht, den tieräztlichen Notdienst zu erreichen. Vergeblich – das Handynetz ist wie bereits an den Vortagen des Festivals zusammengebrochen. Erst am nächsten Morgen können die beiden das Tier nach Sottrum bringen. Dort ergeben Röntgenaufnahmen: Die Lunge ist partiell vom Brustkorb abgelöst, Prellungen an der Schulter drücken auf das Nervensystem, sodass das Tier starke Schmerzen hat. Die Notärztin bestätigt, was Ruschmeyers sich bereits gedacht hatten, da das Tier an Fell und Krallen keine Spuren aufweist, die auf eine Kollision mit einem Auto hindeuten würden: Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Lou getreten worden, aufgrund der Schwere der stumpfen Verletzungen vermutlich sogar gezielt. Einen Zusammenhang mit Festivalbesuchern beweisen kann er nicht, „aber das liegt ja nahe.“

Ruschmeyer ist fassungslos und tut das, neben einer Anzeige gegen Unbekannt, auch in diversen lokalen Gruppen in den Sozialen Netzwerken kund. Die Resonanz ist ein wenig Trost: Viele User teilen seinen Eintrag, die meisten äußern in ihren Kommentaren Mitgefühl, wünschen „gute Besserung Eurer Fellnase“ oder ereifern sich wie er: „Wie asozial!“ Hoffnung, die Täter oder zumindest Zeugen zu finden, hat er wenig, aber er will, dass die Sache publik wird. Genau das wird ihm in einem Kommentar vorgeworfen: „Schlimm, dass du das in Verbindung mit dem Festival bringst – du ziehst die Stimmung runter!“ Dem hat er geantwortet: „Schönreden nützt doch nichts. Und zur Stimmung: Was soll ich meinen beiden Söhnen denn sagen, wenn sie fragen, ob Lou in den Katzenhimmel muss?“

Ein anderer User zweifelt die 500 Euro-Rechnung an. Ruschmeyer legt sie beim Gespräch mit unserer Zeitung auf den Tisch: Röntgenaufnahmen, Blutbild, Sedieren, ein Tag stationäre Behandlung – das läppert sich. Gestern hat sich der gebürtige Finteler an die Hotline des Veranstalters gewandt. Bei FKP Scorpio bat man um eine genaue Schilderung per Email. Ruschmeyer will keine Vorwürfe erheben: „Die können ja auch nichts dafür – aber sie sollten wissen, was da am Rande so passiert.“ Und er betont: „Ich habe nichts gegen das Festival, bin früher selbst oft dort gewesen.“ Was er sich wünscht, ist eine Antwort, die ein Zeichen setzt. Und, dass der Kater mit dem bandagierten Vorderbein, der sich gerade ängstlich hinter der Verkleidung der Spülmaschine versteckt, ihm so wie früher auf die Schulter springt. Für die Tierarzt-Rechnung hat er eine Anzahlung geleistet. Im Netz wollte jemand sogar eine Spendenaktion initiieren, „ aber darum geht es ja gar nicht.“ (hey)

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