Birgit Ricke vom Kunstgewerbehaus im Interview

„Wer mit der Kunst lebt, lebt bewusster“

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Birgit Ricke hat den Blick für Kunst. 

Scheeßel - Von Hannes Ujen. Eine beeindruckende Premiere als Kuratorin hat Birgit Ricke bereits am 1. April mit der Vernissage zu „Bronze trifft Farbe“ gefeiert (wir berichteten). Die noch bis zum 23. April laufende Ausstellung mit Bildern von Elke Bührmann und Bronzefiguren von Toby Wichmann im Kunstgewerbehaus ist zu einem echten Publikumsmagneten geworden und findet höchste Anerkennung bei den Besuchern aus der norddeutschen Region und darüber hinaus. Wir sprachen mit der neuen Abteilungsleiterin „Kunstgewerbehaus“ beim Heimatverein Scheeßel.

Frau Ricke, sie sind ja in Scheeßel keine Unbekannte. Bitte erzählen Sie unseren Lesern etwas zu Ihrer Person.

Birgit Ricke: Ich wurde 1957 in Rotenburg als Birgit Hadeler geboren und bin in Scheeßel aufgewachsen. Nach dem Abitur 1976 an der Eichenschule absolvierte ich von 1976 bis 1979 ein Studium an der Norddeutschen Hochschule für Rechtspflege in Hildesheim. Von 1979 bis 2015 war ich als Rechtspflegerin am Amtsgericht Neustadt am Rübenberge tätig. Seit 1980 bin ich mit dem Kunstlehrer Klaus Ricke verheiratet und wir haben zwei Söhne, Max und Matthias. Seit Januar 2016 wohne ich wieder in Scheeßel im Haus meiner Eltern und Großeltern an der Mühlenstraße 8.

Wie wurde Ihr Interesse an der Kunst geweckt?

Ricke: Das begann bereits durch die Kunstlehrer an der Eichenschule Hilmar Seidner und Bernhard Haake. Seit 1992 bin ich Mitglied im Kunstverein Neustadt am Rübenberge und habe zahlreiche Ausstellungen in Berlin, Hamburg, München, Kassel (documenta, Anm. d. Red.) und anderen Städten besucht.

Wie sahen dann ihre Aktivitäten im Kunstverein aus?

Ricke: Seit neun Jahren arbeite ich im Beirat des Kunstvereins und auch weiterhin bis heute als Geschäftsführerin der vereinseigenen Artothek mit einem Bestand von rund 400 Originalkunstwerken anerkannter zeitgenössischer Künstler. Hinzu kommen Erfahrungen als Kuratorin von Kunstausstellungen im Schloss Landestrost, alle mit großer Resonanz, auch im Fernsehen.

Dann sind Sie ja prädestiniert für Ihre neue Parallelaufgabe in Sachen Kunst beim Scheeßeler Heimatverein. Wie kam es dazu?

Ricke: Bei meinen Besuchen in Scheeßel habe ich oft die Ausstellungen im Kunstgewerbehaus besucht. 2011 initiierte ich eine Ausstellung des Fotografen Wolfgang Heising und hielt die Einführungsrede. Seit 2016 habe ich dort als Aufsicht und beim Aufbau mitgeholfen.

Wie kamen sie dann zum neuen ehrenamtlichen Job?

Ricke: Anfang 2017 hat mich der Heimatvereinsvorsitzende Uwe Wahlers gefragt, ob ich die Abteilung Kunstgewerbehaus übernehmen möchte, weil sich sowohl Christine Behrens als auch Irmhild Guthardt aus dem Team zurückgezogen haben. Seit der vergangenen Mitgliederversammlung Ende März bin ich jetzt offiziell Kopf des Teams „Kunstgewerbehaus“.

Welche Aufgaben haben sie dort, wie wird gearbeitet und wer macht mit?

Ricke: Wir regeln in enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand das Organisatorische wie Einladungskarten und Plakate vorbereiten, Planung der Vernissage inklusive musikalischem Beiprogramm, Bewirtung, Betreuung der Künstler beim Auf- und Abbau, Pressearbeit und mehr. Wir, das sind die wissenschaftliche Referentin Jessica Krull, Ingrid Sinnhuber-Fleischer, Peggy Miesner und ich sammeln Bewerbungen von Künstlern oder schlagen welche vor, die uns bei anderen Ausstellungen aufgefallen sind.

Das Kunstgewerbehaus ist für das laufende Jahr längst ausgebucht. Worauf dürfen sich die Besucher freuen?

Ricke: Gleich am Sonntag, 30. April, geht’s weiter mit der Vernissage für die italienische Künstlerin Mary Vardanega mit tollem Beiprogramm. Die Künstlerin wird begleitet und spielt Akkordeon in der folkloristischen Gruppe „I Posagnòt“, die seit über 30 Jahren durch die Festivals der Beekscheepers mit vielen Scheeßelern eine enge Freundschaft verbindet. In diesem Jahr zeigen wir noch Smartphone-Fotografien, Malerei mit Eitempera, eine Postkartensammlung und eine Ausstellung zum Thema „Heimatschutzbewegung“.

Wagen Sie auch schon einen Ausblick auf 2018?

Ricke: Wir holen Todde Finner mit seinen ursprünglich für 2017 geplanten „Polaroids“ und haben bereits mehrere Bewerbungen von Absolventen der Hochschule für Künste in Berlin und Bremen aus den Bereichen Malerei, Druckgrafik und Bildhauerei. Ich möchte auch die Werke ehemaliger Eichenschüler ausstellen, die Künstler geworden sind. Allein aus meinem Abi-Jahrgang 1976 gibt es drei freiberufliche Künstler, die Fotograf, Zeichner oder Computergrafiker geworden sind. Ich würde mich riesig freuen, wenn die Leser dieser Zeilen weitere Vorschläge für uns hätten. Denn mein Leitsatz heißt: Wer mit der Kunst lebt, lebt bewusster und erweitert seinen Horizont.

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