Serie: 60 Minuten

Wenn nichts mehr läuft: Helvesieker Weg mehrere Stunden ohne Strom

Mitarbeiter der EWE reißen die Straße auf, um nach der Ursache für den Stromausfall zu forschen. Foto: Heyne
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Mitarbeiter der EWE reißen die Straße auf, um nach der Ursache für den Stromausfall zu forschen.

Scheeßel – Der Anruf um 7 Uhr morgens blieb unerhört; eine halbe Stunde später erscheint die Nachricht der Nachbarin auf dem Display: „Habt Ihr auch keinen Strom?“ Der Griff zum Schalter am Bett bringt Gewissheit: die Nachttischlampe funktioniert – nochmal Glück gehabt.

Nochmal zehn Minuten umdrehen. Ins offene Fenster wehen aufgeregte Nachbarstimmen herein. Wenig später in der Küche die ernüchternde Erkenntnis: Der Wasserkocher geht nicht; bei Licht betrachtet (oder eben gerade nicht) ist das ganze heimische Erdgeschoss betroffen. Seit fünf Uhr ist ein Großteil der linken Seite des Helvesieker Wegs ohne Strom, die EWE ist informiert und schon auf Ursachensuche. 

Was tun, um das Gefriergut zu retten? Eine kunstvolle Verkabelung von Gefriertruhe und Kellerkühlschrank aus dem ersten Stock, mitsamt der Evakuierung der Inhalte des Küchenkühlis schafft Abhilfe. Kaum ist das geschafft, klingelt es an der Haustür – ein Mann von der EWE. Doch anstatt einer frohen Botschaft verkündet er, dass nun auch der Reststrom abgeklemmt wird, um den Fehler orten zu können. Wenig später wird die Straße mit einem Bagger aufgerissen, ein Kabelmesswagen ist im Anmarsch. 

Da hat sich um das gut zwei Meter tiefe Loch schon eine Traube frustrierter Anwohner gebildet. Den meisten ist der fehlende Morgenkaffee ins Gesicht geschrieben. Den Nachbarn zur Linken hat es besonders arg erwischt: Er wird die nächsten Stunden im Dunkeln sitzen – die Jalousien rund ums Haus heben sich nur elektrisch. Flüchten kann er auch nicht – auch die Garagentür lässt sich nicht mechanisch betätigen. „Gut, dass ich erst morgen wieder einen Termin habe“, meint der Pensionär leicht säuerlich.

Inzwischen ist auch die eigene Gedankenmaschinerie angelaufen: das Telefon – tot. Ist das Handy voll? 50 Prozent, da heißt es sparsam sein mit dem kostbaren Akku. Was ist mit dem Kulturbericht von gestern Abend, wie kommt der in die Redaktion? Das häusliche W-Lan ist ausgefallen. Der Hotspot im Ortskern? Zu kalt, der Scheeßeler Hof noch geschlossen. Asyl auf Zeit gibt es beim Fotografen gegenüber. Die Mitarbeiterin ist sehr verständnisvoll und sucht den W-Lan-Code heraus – den Rest der 60 Minuten, und nicht nur die, verbringe ich an meinem unfreiwilligen, aber durchaus gemütlichen Co-Working-Space.

Ein kurzer Nachsatz: Mehr als 100 betroffene Anwohner warteten noch bis 13.30 Uhr auf die Reparatur des defekten Stromkabels.

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