Wegen Omikron

Weihnachtsruhe statt Bieterwettstreit: Brennholzversteigerung beim Realverband Westerholz fällt nun auch aus

Heino Dreyer, Geschäftsführer vom Realverband Westerholz, hätte gleich nach Weihnachten wieder gerne den Hammer schwingen wolllen – bei der Holzversteigerung im Bauernwald.
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Heino Dreyer, Geschäftsführer vom Realverband Westerholz, hätte gleich nach Weihnachten wieder gerne den Hammer schwingen wollen – bei der Holzversteigerung im Bauernwald.

Westerholz – „Zum Ersten, Zweiten und zum ...“ Wenn Auktionator Heino Dreyer im Bauernwald den Hammer schwingt, dann geht es um Brennholz und gute Laune. Jedes Jahr nach Weihnachten kommen viele Leute in den Forst nahe Westerholz, um ein Schnäppchen zu machen. Nun gut, fast jedes Jahr. Denn 2020 war die beliebte Holzauktion des örtlichen Realverbandes, der die 63 Hektar große Fläche an der Kreisstraße bewirtschaftet und dessen Geschäftsführer Dreyer ist, wegen Corona ausgefallen.

Das, bedauert der 72-Jährige, werde auch in diesem Jahr leider wieder der Fall sein. Dabei hätten er und seine Mitstreiter bis zuletzt noch gehofft, dass die wegen der Omikron-Virusvariante nochmals verschärften Kontaktbeschränkungen – Stichwort Weihnachtsruhe – der Veranstaltung keinen Strich durch die Rechnung machen würden.

„Im Wald hätten wir jedenfalls die Möglichkeit gehabt, genügend Abstand zu halten – und außerdem hätte bei uns natürlich die 2G-Regel gegolten, sprich: Nur Geimpfte und Genesene wären zum Mitbieten dabei gewesen, was wir auch strengstens kontrolliert hätten.“ Nun helfe alles nichts: „Sind wir bis zuletzt noch davon ausgegangen, dass sich draußen bis zu 200 Leute treffen können, sind es jetzt bis zu 50.“ Ab zehn Teilnehmern gelte dabei aber die 2G-plus-Regel, also eine zusätzliche Testpflicht. Nein, unter diesen Voraussetzungen, sagt Dreyer, sei an eine Durchführung nicht mehr zu denken gewesen.

Wirklich schade, ist die Auktion, die es so bereits seit rund 150 Jahren gibt, doch zu einem echten Ereignis geworden. Die Besucher wollen die besondere Atmosphäre spüren, das von den neun Verbandsmitgliedern ausgerichtete Spektakel genießen. Ein Klönschnack gehört ebenso dazu wie Glühwein am Lagerfeuer. Eine wichtige Rolle spielt auch Heino Dreyer selbst, der die Veranstaltung, bei der dieses Mal ausschließlich Buchenholz unter den Hammer gekommen wäre, mit lockeren Sprüchen und humorvollen Bemerkungen zu einem Erlebnis macht.

Versteigert worden wäre das Ganze zu finanziellen Konditionen, die etwa im Vergleich zu Heizöl, wo der Literpreis aktuell bei stattlichen 85 Cent liegen würde, Dreyers Vernehmen nach wirklich unschlagbar seien. „Wenn man für eine riesige Buche, die 200 Jahre alt ist, einen Gesamtwert zwischen 300 und 400 Euro zahlt, ist das aufs Jahr gerechnet eigentlich eine Lachnummer“, sagt er. Und außerdem könne man ja auch etwas für die Umwelt tun. Denn, was viele gar nicht wissen würden: Holz sei der einzige CO2-neutrale Brennstoff. „Dass beim Verbrennen Feinstaub in die Luft gelangt, ist jedenfalls Quatsch – hierbei handelt es sich um Asche und um nichts anderes“, klärt Dreyer auf.

Mehr als 100 Posten Buchenholz waren für die Aktion vorbereitet worden – Interessierte können sie nun im Einzelverkauf erwerben.

Mehr als 100 Stapel an Stammholz und Buchenkronen hätten die privaten Waldbesitzer am Montag, 27. Dezember, ab den Mittagsstunden an den Mann oder die Frau bringen wollen. Dafür hatten sie einige Tage lang gefällt, gesägt und gespalten und das Material vor wenigen Tagen in das Versteigerungsgebiet schräg gegenüber vom Westerholter Friedhof transportiert. Beinahe alle Posten seien an einem befahrbaren Weg gelagert – „das heißt, die Leute hätten ihr ersteigertes Holz ganz bequem mit dem Auto-Anhänger abfahren können“, erläutert der 72-Jährige, der gemeinsam mit seinem Kollegen Hartmut Klee auch die Betreiber-GmbH für den örtlichen Waldfriedhof leitet.

Klar, der Wald verursacht Kosten, die durch die Einnahmen möglichst gedeckt werden sollen. Verkäufe im großen Stile betreiben die Verantwortlichen aber nicht. Stattdessen gelangt ein Teil des Auktionserlöses in Wiederaufforstungsmaßnahmen, wie es sie zuletzt im vergangenen Jahr gab. Damals pflanzte der Realverband im Westerholzer Bauernwald sage und schreibe 3 500 neue Bäume. „Hier passiert wirklich was“, betont Heino Dreyer. Davon, sagt er, habe auch schon Scheeßels neuer Bezirksförster Ulf Wahlers einen Eindruck gewinnen können: „Und der war ganz überrascht, was für einen schönen Mischwald wir hier haben.“

Inzwischen hat sich an Ort und Stelle übrigens wieder ein beachtlicher Unterbau gebildet. Das heißt: Wie ein Rasenteppich stehen im Bauernwald die noch ganz jungen Buchen. Ob die in 150 bis 200 Jahren, wenn sie ausgewachsen sind, auch bei einer Versteigerung unter den Hammer kommen werden? Wer weiß. An der Neusaat keineswegs unschuldig seien jedenfalls Wildschweine, erläutert der Auktionator. „Beim Aufspüren von Bucheckern graben die mit dem Rüssel nämlich den Boden um.“ Somit würden die Viecher für den Wald auch eine Menge Gutes tun.

Verzichten müssen Kaufinteressenten übrigens nicht auf das begehrte Brennholz aus dem Bauernwald, das später einmal in der guten Stube für ein gemütliches und wärmendes Feuer sorgen soll. Der Realverband bietet als Notlösung einen Einzelverkauf an. Terminabsprachen sind bei Heino Dreyer unter der Telefonnummer 04263  / 8492 möglich.

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