Kerstin Heitmann ist Ortvertreterin

Landfrauen in Westervesede: Weg vom Torten-Klischee

Kerstin Heitmann ist seit 22 Jahren Ortsvertreterin der Westerveseder Landfrauen.
+
Kerstin Heitmann ist seit 22 Jahren Ortsvertreterin der Westerveseder Landfrauen.

Westervesede – 22 Jahre als Ortsvertreterin, oder vielmehr: als Ortsvertrauensfrau, wie es bis vor Kurzem noch hieß, sind genug, findet Kerstin Heitmann. „Es reicht, jetzt braucht es frischen Wind“, sagt die 55-Jährige, die seit mehr als zwei Jahrzehnten den Westerveseder Landfrauen, die zum Landfrauenverein Rotenburg und Umgebung gehören, vorsteht.

Es war eine der letzten Versammlungen vor Corona, im Januar vergangenen Jahres, als sie zumindest schon einmal inoffiziell Anna Lena Wahlers vorstellte, die sie in absehbarer Zeit beerben wird und die bereits jetzt mit Heitmann zusammenarbeitet.

1999 hatte Heitmann das Amt übernommen – mit 33 Jahren. „Ich war noch sehr jung damals. Aber ich hatte viele Ideen und einfach Lust darauf, das zu machen.“ Sie selbst ist aus der Landwirtschaft, „aber mittlerweile sind Frauen wie ich im Ortsverband eine Minderheit. Das machen wir immer wieder deutlich, denn oft wird der Begriff ,Landfrau‘ mit Landwirtschaft, Tortenbacken und Häkeln verbunden. Aber das stimmt nicht!“, betont die Westervesederin. Denn die veränderte Mitgliederstruktur schlägt sich in den Vorlieben wieder: „Vor allem unsere zunehmend jüngeren Mitglieder haben kulturelles Interesse oder in dem, das Richtung Gartenbau geht. Es sind oft ganz spezielle Themen“, weiß sie. „Das Angebot wird breiter, es gibt verschiedene Arbeitskreise – und das macht den Verein vielfältig und attraktiv.“

Zwei mal im Jahr kommt der Ortsverband normalerweise zu einer Versammlung zusammen, die sich mehr und mehr zu einer Ideenschmiede gemausert hat. „Was schön ist: Wir tauschen uns dort aus, die Mitglieder kommen auf immer neue Ideen, das liegt also nicht mehr nur bei einer Person“, freut sich Heitmann. „So ist eine Landfrau Nordpfade-Fan und arbeitet eine Wandertour aus. Oder eine andere hat mal privat eine geführte Radtour durch Hamburg unternehmen und hat nun einen Ausflug für den Ortsverband organisiert. Bei den Landfrauen ist das Schöne, dass jede sich einbringt wie sie kann und wie sie möchte.“ Eine Hilfe ist da auch die neue Form der Kommunikation: „Ich habe noch mit Zettelwirtschaft und Telefon gearbeitet“, erinnert sich Heitmann mit einem Lachen. „Heute geht das alles über unsere Whatsapp-Gruppe. Das ist viel effektiver.“

Sie ist sich sicher, dass der Ortsverband bei Wahlers in guten Händen sein wird: „Wir stimmen uns jetzt schon immer zu 98 Prozent ab, und sie hat auch schon einige neue Mitglieder geworben“, so Heitmann. „Anna Lena bekommt so Eindrücke, und auf der anderen Seite habe ich Hilfe.“ Eine Win-Win-Situation, die einen weiteren positiven Effekt hat: „Wir sind durch die von ihr angeworbenen neuen Mitglieder jetzt vom Altersdurchschnitt der zweitjüngste Ortsverband innerhalb des Vereins.“

Eine Herausforderung für Heitmann als auch Wahlers ist es derzeit, das Vereinsleben nach der Corona-Zwangspause wieder in Gang zubekommen. Ein erstes Lebenszeichen nach dem Stop waren im vergangenen Jahr die Mund-Nasen-Schutzmasken, von denen die Landfrauen mehrere hundert herstellten. „Aber dann kam diese Dürrephase, in der wir uns sehr zurückgezogen haben.“ Eine erste Veranstaltung war dann im Juni eine Radtour nach Wohlsdorf, ein „herrliches Erlebnis“, wie sich Heitmann erinnert. In Folge entstand ein „Miniprogramm“, bei dem es vor allem darum geht, wieder in Gesellschaft und ein wenig unterwegs zu sein. „Wir sehen alleine an den Ausflugsideen, was unsere Mitglieder für einen Riesenbedarf an solchen Ereignissen haben“, sagt die Westervesederin. In Sachen Herbstveranstaltungen hält sich Heitmann bedeckt: „Wir werden sehen, was die Zahlen möglich machen. Wir hoffen zumindest auf unseren Glühweinabend Ende November.“ Zudem will der Ortsverband das neue Beet mit alten Stauden auf dem Friedhof planen, bevor im Frühjahr das Pflanzen ansteht.

„Mittlerweile haben wir gelernt, mit der Situation umzugehen, es ist daher für uns auch kein großes Drama mehr, Veranstaltungen notfalls kurzfristig abzusagen. Dafür ist die Freude umso größer, wenn etwas stattfindet.“

War der gesellschaftliche Effekt von Corona sehr groß, hat sich die Pandemie andererseits auf die Mitgliederzahl überhaupt nicht ausgewirkt – zur Freude der Vereinsverantwortlichen. „Da zeigt es sich: Landfrauen sind beständig und verlässlich“, betont Heitmann. „Uns freut es absolut, dass wir da so durchgekommen sind.“

Sie ist dankbar für die vergangenen 22 Jahre. Dass die Entscheidung für das Engagement 1999 richtig war, erlebte sie kürzlich, als der Ortsverband sich für eine Radtour verabredet hatte und Heitmann beruflich verhindert war und erst ein ganzes Eck später am vereinbarten Treffpunkt eintrat: „Sie hatten alle auf mich gewartet. Das ist für mich auch eine Art der Anerkennung“, freut sie sich. Und dennoch blickt sie nach vorne und freut sich auf die Übergabe, die folgt, wenn Wahlers das Signal gibt: „Ich werde nicht klammern. Ich bin jetzt einfach offen für Neues.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Meistgelesene Artikel

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg
Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

Mulmshorn und Buchholz gewinnen Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
Gemeinwesenarbeiter planen Arbeitsgruppe Recycling

Gemeinwesenarbeiter planen Arbeitsgruppe Recycling

Gemeinwesenarbeiter planen Arbeitsgruppe Recycling
Hermann Rugen blickt auf 30 Jahre im Hassendorfer Gemeinderat zurück

Hermann Rugen blickt auf 30 Jahre im Hassendorfer Gemeinderat zurück

Hermann Rugen blickt auf 30 Jahre im Hassendorfer Gemeinderat zurück

Kommentare