Hüter über die Wümmeniederung

Wasserbüffel als Gärtner

+
Zuverlässige Helfer: Wasserbüffel eignen sich insbesondere für extensive Haltung und Landschaftspflege auf feuchten Grünland- und Moorstandorten.

Jeersdorf - Vom Jeersdorfer Waldweg aus geht es ab über einen schmalen Feldweg in Richtung Wümme. Landwirt Jürgen Wahlers hat sie längst entdeckt, ganz hinten auf seiner Wümmewiese – und sie ihn wohl auch. Gemütlich haben sie in einer Schlammkuhle Platz genommen. Sie, das sind sechs Wasserbüffel, zwei Mutter- und vier Jungtiere, die auf dem zwei Hektar großen Areal in der Scheeßeler Wümmeniederung ihr neues Domizil gefunden haben.

Wahlers stößt einen Lockruf aus. Doch die Tiere bleiben stur. An den Zaun kommen sie nicht. „Das ist mittags nun mal nicht ihre Zeit, denn sie sind immer nur vormittags und spätnachmittags zum Grasen unterwegs“, weiß Naturwissenschaftler Hans-Georg Wagner aus Hannover. So muss Wahlers die Büffel durch das Schütteln eines Eimers voll Rübenschnitzel anlocken, bis sich die mächtigen Tiere ganz gemütlich der Reihe nach, mit den Muttertieren vorneweg, auf den Weg machen.

Vor rund zwei Wochen traten die großen Huftiere den Weg von der Bio-Büffelfarm in Hatten nach Jeersdorf an: „Sie kennen mich zwar schon recht gut, sind aber noch ein bisschen hibbelig. Nur die sechs Monate alte Rosa ist schon sehr zutraulich und schmust schon mal mit mir“, so Wahlers. „Das“, ergänzt er, „findet ihre Mama jedoch noch nicht so gut.“

Warum aber nun überhaupt Wasserbüffel das Schutzgebiet der Wümmeniederung beweiden, hänge mit der sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) zusammen, erläutert der Ökologe. Diese wurde vor 14 Jahren von der EU einstimmig beschlossen, um beispielsweise auf Wiesenflächen, die nicht intensiv als Weideland genutzt werden, seltene Tier- und Pflanzenarten sowie die Artenvielfalt zu erhalten. Die korrekte Umsetzung der FFH-Richtlinie hat Deutschland aber bis heute nicht geschafft; eine Klage beim Europäischen Gerichtshof ist anhängig. „Laut FFH-Prüfbericht von 2013 ist fast die Hälfte aller Schutzgebiete in einem schlechten sowie rund 30 Prozent in einem ungünstigen Zustand“, konstatiert Wagner. „Das gilt auch für die Region rund um Rotenburg und Scheeßel.“

Konzept für Beweidung entwickelt

Um diese Situation zu verbessern, entwickelte der Experte zusammen mit anderen Wissenschaftlern das Konzept der „extensiven Beweidung“, bei dem Wasserbüffel erfolgreich eingesetzt werden können. „Für die Tiere sind nasse und sumpfige Weiden kein Problem“, weiß Jürgen Wahlers. „Sie brauchen faserreiche Ballaststoffe, weiden über ein tradiertes Pfadsystem, dort Rohboden, rechts und links Gras, von niedrig bis hoch und bringen durch ihre Trittsiegel Dynamik und neues Leben in den Boden.“ Wenn die Flächen sich selber überlassen würden, keine Mahd, keine Beweidung mehr macht, dann kommen laut Wagner und Wahlers sich fortsetzende Prozesse in Gang, die dazu führen, dass krautartige und grasartige Pflanzen verschwinden – und nur noch Schilfgürtel, Büsche und Wälder übrig bleiben und Arten zurückgehen oder ganz verschwinden.

Ideal wäre nach Meinung der beiden ein Multispezies-Beweidungsprogramm auf großen Verbundflächen in den Wümmeniederungen, nicht nur mit Wasserbüffeln, sondern auch mit Heckrindern für trockene Flächen und Schafen, zu denen sich auch Rehe gesellen könnten. Gleichzeitig sollten die Landwirte durch Änderung und Anpassung der Förderrichtlinien davon profitieren.

hu

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Masseur/in?

Wie werde ich Masseur/in?

VfB baut dank Terodde Tabellenführung aus - Aue in Not

VfB baut dank Terodde Tabellenführung aus - Aue in Not

Karneval in Riede - Tag 1

Karneval in Riede - Tag 1

Karneval in Riede - Tag 2

Karneval in Riede - Tag 2

Meistgelesene Artikel

Zurück zum alten System: Eingangsstufe hat ausgedient

Zurück zum alten System: Eingangsstufe hat ausgedient

Der „Quantensprung“

Der „Quantensprung“

Mit 2,2 Promille unterwegs

Mit 2,2 Promille unterwegs

Ein närrisches Treiben nach Maß

Ein närrisches Treiben nach Maß

Kommentare