Zwei Fünftklässler der Eichenschule erhalten Sonderpreis bei „Das ist Chemie“

Waschgang mit Kastanien

Die Versuche führten die beiden Eichenschüler eigenständig im heimischen Schuppen durch. - Fotos: Heyne

Scheeßel - Was für die einen Schüler ein Graus, das übt auf andere eine Faszination aus – und das, obwohl sie das Fach als solches noch gar nicht haben. Die Rede ist von einem Fach, an dem sich die Geister scheiden: Chemie.

Und das hat es Steffen Bösch und seinem Klassenkameraden Thore Rathjen angetan – auch wenn es in der fünften Klasse noch mit Physik und Biologie zu „Naturwissenschaften“, im Schülerslang „Nawi“ zusammengefasst ist.

Als Lehrer Hendrik Porthmann seiner Klasse 5e vom Wettbewerb „Das ist Chemie“ erzählte, waren die beiden die einzigen, die sofort Feuer und Flamme waren. „Ich habe Thore gleich gefragt, ob wir da mitmachen wollen“, erinnert sich Steffen – und kam seinem Freund damit eine Sekunde zuvor. Gemeinsam schauten sie sich im Internet die Aufgabenstellungen an. „Das Thema ‚Seife, die auf Bäumen wächst‘ – das klang schon mal spannend“, so Thore.

Bei ihren Internet-Recherchen lernten die beiden eine Menge über Waschnüsse, die in Indien am Seifenbaum wachsen und dort tatsächlich zur Reinigung von Textilien eingesetzt werden. Doch auch praktisches Arbeiten, auch das in Eigenregie nach Schulschluss, war gefragt: Bei den Versuchen ging es darum herauszufinden, welche der einheimischen Nüsse ähnlich wirken“, erzählt Steffen.

An insgesamt vier Nachmittagen zerklopften sie mit dem Hammer Walnüsse und Kastanien, verarbeiteten Schalen zu Brei, fügten streng nach Aufgabenstellung destilliertes Wasser hinzu, zerbröselten eine Stearinkerze zu Wachs, das sie anschließend einschmolzen und auf vier Versuchsfelder träufelten. Die Erkenntnis der Versuche, die sorgfältig zu protokollieren waren („Das allein hat uns zwei bis drei Stunden gekostet, und das auf den letzten Drücker!“, so Steffen): „Nur Kastanienkern kann annähernd wo viel Fett lösen wie die Waschnuss.“

Nebenprodukt der chemischen Zauberlehrlinge: „Die Wachsreste haben wir in Joghurtbechern wieder zu Kerzen recycelt – in mehreren Farbschichten. Das gehörte aber nicht zur Aufgabe!“, schmunzelt Thore. Die Dokumentation, die laut den Schülern „auf den letzten Drücker“ am letzten Abend erfolgte, überzeugte nicht nur Lehrer Henrik Porthmann, der ebenso begeisterte zeigte von den Ergebnissen der Jungforscher als auch „über ihre Motiviertheit und ihr eigenständiges Arbeiten“ – die beiden Schüler investierten immerhin vier mehrstündige Sessions an Freitagnachmittagen in der Werkstatt der Familie Rathjen.

Auch die Jury in Göttingen zeigte sich beeindruckt zu den Ergebnissen, zu denen auch empirische Versuchsreihen zur optimalen Mischung von Glyzerin, Kleister, Wasser und einer ph-neutralen Seife für Seifenblasen von 30 Zentimetern Größe und mehr gehörten.

So wurden die beiden Eichenschüler nun mit 49 anderen von insgesamt 1.800 Teilnehmrn ins Göttinger X-Lab eingeladen. Neben der Siegerehrung, Mittagessen in der Mensa standen noch weitere chemische Versuche auf dem Programm. Für die beiden Schüler steht schon jetzt fest: „Nawi ist unser Lieblingsfach!“ Und Lehrer Porthmann schürt die Begeisterung: „Nach den Herbstferien geht´s weiter!“ - hey

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