In der Warteschleife

Hurricane-Festival: Im Ernstfall geht‘s in die Beekeschule

Wissen, was im Ernstfall während des Hurricane-Festivals zu tun ist: Sven Borstelmann (l.), Leiter der Beekeschule, und Frank Thies, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung.

Zunächst ist das Festival wegen heftiger Unwetter nur unterbrochen. Dann, nachdem es bereits erste Verletzte gegeben hat und eine Wetterbesserung nicht in Sicht ist, sagt der Veranstalter das Open-Air komplett ab.

Scheeßel - Sicherheit und Ordnung für eine Fortsetzung seien nicht mehr gegeben, heißt es. Das Gelände wird daraufhin geräumt. Die Besucher, rund 60. 000 an der Zahl, werden dazu aufgerufen, wenn möglich in ihre Autos zu gehen. Wer mit dem Zug gekommen ist, wird in nahegelegene Notunterkünfte gebracht.

Ein Szenario, wie es sich so erst vor drei Jahren tatsächlich beim Southside-Festival in Neuhausen ob Eck zugetragen hat – und wie es sich beim gleichzeitig stattfindenden Schwesterfestival in Scheeßel natürlich jederzeit ebenso zutragen könnte. Bis auf eine Unterbrechung und dem Umstand, dass beim absoluten Schietwetter-Hurricane 2016 einige durchnässte Musikfans völlig entnervt schon von selbst das Weite gesucht hatten, konnte der Veranstaltungsbetrieb damals jedoch noch bis zum Ende fortgesetzt werden.

Eine Art Aufbewahrungsstation

Was aber wenn? Wenn nach Bekanntwerden eines Komplettabbruchs des Hurricane-Festivals sich abertausende Zugreisende auf einen Schlag wieder auf den Weg in Richtung Scheeßeler Bahnhof machen würden? Das totale Chaos an den Gleisen wäre sicher programmiert, hätten der Veranstalter und die Gemeinde Scheeßel nicht auch für dieses theoretische Szenario eine praktische Lösung parat.

Hurricane-Ticker: Alles News vom Festival im Blick

Und die kommt in Form der Beekeschule daher. Die Einrichtung am Vareler Wegwürde im Ernstfall nämlich, wie auch die in Bahnhofsnähe befindlichen Werkshallen der Heidesand, als eine Art Aufbewahrungsstation dienen. „Die sind aber nicht dazu gedacht, dass die Leute dort tagelang verweilen“, erläutert Frank Thies von der Gemeinde das Konzept.

Massenabreise steuern

Vielmehr gehe es darum, eine Massenabreise in geordneten Bahnen steuern zu können. „Denn wenn man von einem Anteil von 12 000 Leuten ausgeht, die mit dem Zug gekommen sind, kriegen wir die natürlich nicht alle auf einmal aus dem Ort.“ Die Züge, sagt er, würden dann so geordert, dass stündlich jeweils 1 000 Passagiere in beide Richtungen ihren Heimweg antreten könnten. „Da kann man hochrechnen, dass spätestens nach sieben Stunden alle weg sind.“

Lesen sie auch: Rettungscode für Hurricane-Festivalisten in Notsituationen hat sich bewährt

Ein sicheres Dach über dem Kopf hätten die Betroffenen beim Totschlagen der Zeit allemal. Und natürlich jede Menge Platz. Vor fünf Jahren kamen die beiden Notunterkünfte das erste Mal ins Spiel – wenngleich glücklicherweise bisher nur auf dem Papier. Seitdem fänden in den beiden Liegenschaften jedes Mal vor dem Festival Begehungen statt, um unter anderem festzulegen, welche Räumlichkeiten zugänglich gemacht werden sollen. „Letztes Jahr haben wir zum Beispiel besprochen, dass wir im Ernstfall nur die Flure und unsere Aula freigeben, die Klassenräume wegen des damals noch laufenden Schulbetriebs aber nicht“, sagt Sven Borstelmann, Leiter der Beekeschule. „So mussten wir die Zimmer wenigstens nicht extra aufräumen.“ 

Viele Menschen stehen in Bereitschaft

Auch dieses Mal (wieder liegt das Hurricane terminlich außerhalb der Sommerferien) werde so verfahren. Sollte der Platz nicht ausreichen, könne man auch noch auf die schuleigene Turnhalle sowie die benachbarte Großsporthalle zurückgreifen. „Anfangs haben wir nur über die beiden Hallen gesprochen – die Idee wurde aber wieder verworfen, da beim zu erwartenden Andrang die Böden zu sehr in Mitleidenschaft gezogen würden.“ Einmal, meint Borstelmann, habe er kurz davorgestanden, seine Schule für das Festivalpublikum tatsächlich aufschließen zu müssen. „Das war 2016 bei dem schlimmen Unwetter – am Ende konnten die aber ja doch noch weiterfeiern.“ Er und Hausmeister Klaus Lüdemann stünden jedenfalls auch dieses Mal an dem Festivalwochenende in Bereitschaft. Wie übrigens auch das Rote Kreuz, deren Helfer im Falle eines Komplettabbruchs die wartende Menge mit Getränken versorgen und auch anderweitig betreuen würden.

Offizielle Partnerschaft mit FKP Scorpio

Bei allen Unwägbarkeiten – eines ist in Sachen Beekeschule und deren Verbindung zum Hurricane-Festival in Stein gemeißelt – und das sehr zur Freude des Schulleiters. So verbindet die Scheeßeler Bildungseinrichtung seit Herbst 2017 eine offizielle Partnerschaft mit dem Veranstalter FKP Scorpio. Davon zeugen nicht zuletzt die beiden auf riesigen Bannern verewigten Festival-Wappentiere, die die Wände in der Aula schmücken. „Und die sind unseren Schülern offenbar heilig“, meint Borstelmann. Vandalismus habe es an den Plakaten jedenfalls noch nicht gegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Aufmarsch der Rechten: Demonstrationen in Kassel

Aufmarsch der Rechten: Demonstrationen in Kassel

Lohne ist grün-weiß - Fan-Support beim Blitzturnier

Lohne ist grün-weiß - Fan-Support beim Blitzturnier

Großbritannien droht dem Iran in Tankerkrise

Großbritannien droht dem Iran in Tankerkrise

„Summer in the City“ - die Party mit „Shy Marona“

„Summer in the City“ - die Party mit „Shy Marona“

Meistgelesene Artikel

Mit Labskaus, Spiegelei und Roter Beete: Die neue Art des Döners

Mit Labskaus, Spiegelei und Roter Beete: Die neue Art des Döners

Beliebte Abkürzung: Rücksichtsloses Fahrverhalten weckt Unmut der Anwohner

Beliebte Abkürzung: Rücksichtsloses Fahrverhalten weckt Unmut der Anwohner

Totalschaden: Gyrokopter stürzt in Startphase zurück auf Flugplatz

Totalschaden: Gyrokopter stürzt in Startphase zurück auf Flugplatz

Halloween in Rotenburg: Zombie-Alarm am Weichelsee

Halloween in Rotenburg: Zombie-Alarm am Weichelsee

Kommentare