Warten auf den Stempel

Realverband Westerholz steht kurz vor der Realisierung seines Bestattungswalds

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Heino Dreyer lehnt sich an eine seiner potenziellen Einnahmequellen: Auf der rund ein Hektar großen Waldfläche neben dem Westerholzer Friedhof plant er mit dem ortsansässigen Realverband einen Bestattungswald.

Westerholz - Von Joris Ujen. Bestattungen im Wald sind ein Trend, der in der Gemeinde Scheeßel noch nicht angekommen ist. Seit mehr als drei Jahren versucht der Realverband Westerholz, dem entgegen zu wirken – zum Herbst könnte das Projekt realisiert werden. Heino Dreyer, Vorsitzender des Realverbands, zeigt sich optimistisch: „Es ist nur noch reine Formsache.“

Direkt neben dem Westerholzer Friedhof plant der Realverband, ein Zusammenschluss von neun ortsansässigen aktiven und ehemaligen Landwirten, auf rund 9000 Quadratmetern Fläche mit mehr als 100 Bäumen die neue Art der Beerdigung. Am Donnerstag steht der passende Feststellungsbeschluss auf der Agenda des Gemeinderats Scheeßel. „Danach muss nur noch das Bauamt vom Landkreis unser Vorhaben abstempeln. Das kann aber bis zu drei Monate dauern“, erklärt Dreyer. Somit könnte der Realverband im Herbst seine naturbelassene Ruhestätte nach drei Jahren in die Realität umsetzen.

Natur soll unverändert bleiben - Stelen zeigen ungefähre Grabstelle

Die mit Buchen bewaldete Fläche bietet pro Baum Platz für bis zu zwölf Urnen, abhängig vom Radius des Stammes. Stele kennzeichnen ungefähr, wo die Grabstelle dann liegt. Wichtig sei Dreyer und seinem Verband, „dass die Natur unverändert bleibt“. Wie bei traditionellen Gräbern läuft das Recht für den Ruheort nach 25 Jahren ab, kann aber auch verlängert werden, so Dreyer. „Um die Beerdigungskultur zu schützen, ist unser Angebot für die Waldbestattung etwas teurer, preislich aber auf einem Level mit anderen Unternehmen, die diese Art der Beerdigung anbieten.“ Genaue Preise stehen aber noch nicht fest. „Wir wollen natürlich auch damit Geld verdienen“, sagt Dreyer. „Mit Holz alleine verdienen wir nicht genug. Unser Realverband möchte mit diesem Angebot einen Ausgleich schaffen.“ Anfragen gebe es auch schon einige. Dreyer und seine Familie möchten sich in dem Waldstück dann auch begraben lassen.

Die Idee zu der „vierten Beerdigungsform“, wie Dreyer sie nennt, hatte Günther Schmiedeknecht, ehemaliger Vorsitzender des Westerholzer Dörpsvereins vor rund fünf Jahren. Es folgten Probegrabungen mit einem Minibagger, um nach Holzpfählen alter Häuser zu gucken. „Es gab nämlich die Vermutung, dass dort vor langer Zeit Menschen gelebt haben“, erklärt der Vorsitzende vom Realverband das Unterfangen. Zusammen mit Kreisarchäologe Stefan Hesse machte er sich auf Spurensuche, die aber keinerlei Anzeichen von früheren Behausungen aufzeigte. „Hätten wir was gefunden, wäre es das Aus für unsere Waldbestattungen gewesen.“

Der Baumbestand ist mithilfe einer Drohne auch schon kartiert worden. Jetzt heißt es für ihn und seine Kollegen vom Realverband: warten auf den Stempel.

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