Fahrlehrer Thomas Rathjen über seinen Betrieb in Pandemie-Zeiten

Warten auf die neue Verordnung

Hat noch einigermaßen gut lachen: Thomas Rathjen konnte seit Mai seine Fahrschule in Scheeßel und Lauenbrück offen lassen –ob die neueste Corona-Schutzverordnung da mitspielt, weiß der Scheeßeler noch nicht.
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Hat noch einigermaßen gut lachen: Thomas Rathjen konnte seit Mai seine Fahrschule in Scheeßel und Lauenbrück offen lassen –ob die neueste Corona-Schutzverordnung da mitspielt, weiß der Scheeßeler noch nicht.

Scheeßel – Thomas Rathjen darf weiter zittern. In Scheeßel und Lauenbrück betreibt der 49-Jährige jeweils eine Fahrschule. Mit großer Spannung habe er die neue Coronaschutzverordnung des Landes erwartet, ob die Räder in seinem Betrieb im Zuge der verschärften Lockdownverlängerung nun erst einmal wieder stillstehen müssen oder eben nicht. Kein Praxisunterricht, keine Theorie – Rathjen und sein Team kennen das noch. Aus dem vergangenen Frühjahr, als auch sein Unternehmen acht lange Wochen zwangsschließen musste. Er selbst habe die Zeit gut nutzen können. „Als Selbstständiger ist man sonst ja immer beruflich eingespannt – da hat man auch mal privat was wuppen können“, sagt er. Nicht so schön sei die Zwangspause derweil für den einen oder anderen Fahrschüler gewesen. „Da ist einer am 10. März durch die Prüfung gefallen und musste zwei Monate warten, bis er bei der Wiederholungsprüfung wieder fahren durfte“, nennt Rathjen ein Beispiel. Auch seien einzelne schon zur Theorieprüfung angemeldet gewesen – „die mussten die lange Zeit natürlich auch erst mal überbrücken.“

Als es im Mai wieder losgegangen sei, hätte das Team – sechs Fahrlehrer seien im Einsatz gewesen – eine Menge „abzuarbeiten“ gehabt. „Denn die ,alten‘ Fahrschüler sind ja nicht weggeblieben und dann sind ja auch noch diejenigen gekommen, die sich eigentlich schon im März und April neu hinzugesellt hatten“, blickt er zurück. „Trotz dieser Verschiebung haben wir aber viel wegschaffen können.“

Am Freitag nun sollte die Verordnung für den niedersächsischen Fahrlehrerverband (FVN) vorliegen. Eigentlich. „Wir wissen aber leider immer noch nichts Konkretes, wie es ab Montag weitergeht“, ärgert sich Rathen ein bisschen. Womöglich würde es bis mindestens Ende Januar auf ein Tätigkeitsverbot für den Präsenzunterricht hinauslaufen. Die praktische Ausbildung sowie theoretische und praktische Prüfungen seien offenbar aber weiterhin unter den schon bekannten Auflagen zulässig, sagt er. „Sicher ist das aber noch nicht.“

Bisher sei seine Branche ganz gut durch die Krise gekommen. Seit Mai habe er wieder durchgehend Unterricht geben können. „Das war schon mal gut – auch wenn natürlich auch wir einiges hygienebedingt umstellen mussten, und damit meine ich nicht nur die Tische.“ Hätten früher an denen gut und gerne bis zu 25 Schüler pro Gruppe Platz gefunden, seien es nunmehr, um den Abstand gewährleisten zu können, nur noch maximal zwölf. Mit Maske versteht sich. „Wir haben jetzt zwar weniger Leute in den Gruppen, dafür pro Woche aber einen Unterrichtstag mehr“, erklärt Rathjen. Was er im Zuge der Umstellung positiv bewertet: Seine Schüler müssten sich nunmehr online für die Teilnahme am Unterricht anmelden. Dazu gebe es einen Kalender, in dem vermerkt ist, welches Thema an der Reihe ist. Bei zwölf Teilnehmern seien die Plätze begehrt und immer komplett besetzt. Geärgert habe er sich, wenn einige Angemeldete nicht in seiner Fahrschule erschienen seien. „Das war schon unfair gegenüber denen, die auch gerne gekommen wären.“

Permanentes Desinfizieren – im Auto wie auch in den Schulungsräumen: Das heißt auch für Rathjen und seine Crew ein spürbares Mehr an Arbeit. „Dadurch ist natürlich jetzt der Führerschein ein bisschen teurer geworden“, sagt der 49-Jährige. Ob ihm sein Job mit Maske im Gesicht auf Dauer nicht zu schaffen mache? „Man hat sich daran gewöhnt, anfangs war ich aber doch abends ziemlich abgeschlagen und hatte auch auffällig oft Kopfschmerzen.“ Als Brillenträger störe er sich indes nach wie vor daran, dass seine Sehhilfe wegen des Mund-Nasen-Schutzes ständig beschlagen würde. „Und wenn Leute mit Brille in die Praxisprüfung gehen, sie ohnehin schon nervös sind, ist das nicht unbedingt förderlich“, habe er schon festgestellt.

Für den Fall, dass der Präsenzunterricht tatsächlich untersagt wird, hat Thomas Rathjen jedenfalls vorgesorgt. Online-Unterricht lautet das allseits bekannte Stichwort. Der sei in Niedersachsen für Fahrschulen erlaubt. In mach anderen Bundesländern indes nicht. „Weil man will, dass die Leute in die Fahrschule kommen“, berichtet er. Vorstellbar sei es demnach im ungünstigsten Fall, dass irgendein Lehrmittelvertreter den Unterricht im Internet zum Kauf anbieten könnte. „Dadurch würde uns dann die Grundgebühr wegfallen, die mit fast 500 Euro relativ hoch ist, was natürlich Mist wäre.“ Trotzdem habe er vorsichtshalber beim Landkreis einen Antrag auf Online-Beschulung gestellt – allerdings nur für die eigenen Fahrschüler, die sich über ein spezielles Tool einloggen können. An den Kleingruppen, sagt Rathjen, wolle er festhalten. „Wir haben das auch schon mal mit dem nötigen Equipment erfolgreich geprobt.“ Damit gewährleistet werden könne, dass auch alle Teilnehmer den ganzen Unterricht über konzentrierte vor ihrem heimischen Bildschirm sitzen statt nebenbei Netflix zu schauen, böte das Programm auch eine sogenannte Lernerfolgskontrolle an. „Es gibt eine Sequenz, bei der die Schüler aufgefordert werden, über die richtige Antwort auf eine Frage abzustimmen – so sehe ich, wer dabei ist.“

Ob und ab wann Rathjen von diesem Plan B Gebrauch machen kann, sollte es mit der Präsenz vorläufig vorbei sein – der Fahrlehrer zuckt mit den Schultern. „Ich habe bis heute noch keine Antwort vom Landkreis.“ Spricht‘s und widmet sich wieder seiner Büroarbeit. Die ist in Corona-Zeiten nämlich auch nicht weniger geworden.  lw

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