Plattdeutscher Autor Matthias Stührwoldt im Meyerhof

Das wahre Landleben amüsant im Blick

Ein Klarer auf Kosten des Hauses machte die Kartoffelsuppe und den Vortrag von Matthias Stührwoldt (hinten im Bild) noch leichter verdaulich. - Foto: Heyne

Scheeßel - Das Scheeßeler Büchereiteam traf bei seiner jüngsten Lesung am Freitagabend wieder einmal den Geschmack seines Publikums, und das gleich in zweifacher Hinsicht: Die im Meyerhof im Rahmen eines Dinner-Abends bei Kerzenschein gereichte „fiene Pudelsupp“, also Kartoffelsuppe, die die Lesung mit dem plattdeutschen Autoren und bekennenden Bauern Matthias Stührwohldt einleitete, mundete. Ebenso goutierten die rund 70 Besucher die unterhaltsamen und zuweilen zotigen Ausführungen des Schleswig-Holsteiners in der ausverkauften Diele des Meyerhofs.

Im Gepäck hatte der Schriftsteller, der nach 2011 zum zweiten Mal im Beeke-Ort Station machte, vor allem Kostproben aus seinem Buch „Melkbuern-Geschichten“.

Doch viel öfter – und sehr zum Vergnügen des Publikums – warf der sympathische Autor den Blick statt ins Buch lieber in die Reihen der Zuschauer und erzählte frei von der Leber weg: Von der LAN-Party des Sohnes, bei der er mit dem Versuch, sich morgens einen Kaffee zu kochen, unvermittelt das elektrische Fass zum Überlaufen brachte und mit Kurzschluss zum „Partykiller“ wird; von den drei Katzen im Haus, die er nie haben wollte („Als Bauer am Samstagmorgen zwischen Wellensittichen und Schosshunden beim Tierarzt – das war bestimmt so eine Art ,Versteckte Kamera‘-Prüfung meiner Familie!“) oder den Massenkastrationen halbwilder Katzen auf dem Hof („und zack, mit der Spritze mitten durch die Wolldecke – da haben einige bestimmt eine doppelte Ladung abbekommen!“).

Stührwoldt ist direkt, authentisch, geerdet. Schon vor der Pause haben viele Zuschauer das Gefühl, ihn ewig zu kennen. Es müssen nicht immer die großen Geschichten sein – der humorvolle Blick auf den Alltag einer Großfamilie mit all ihren kleinen Befindlichkeiten, von der Reinigung des Jugendzimmers mit Hochdruckpistole bis zur Dauerbeschallung mit „Last Christmas“ ab dem Totensonntag: Damit können sich die meisten hier identifizieren.

So sorgt Stührwoldt für rund zwei Stunden gute Unterhaltung, und so mancher sucht in der Pause oder danach beim Autogramm oder einfach nur Klönschnack den direkten Kontakt. „Eins muss man ihm lassen“, meint ein älterer Herr ob so viel Eloquenz anerkennend, „der redet ja wie ein Wasserfall!“ – und wenn es darum geht, George Michael mal ordentlich den Hintern zu versohlen, dann wären viele hier gern dabei. 

hey

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