Gemeinde sieht Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets in Westeresch vor

Wachstum um jeden Preis?

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Das Grundstück südlich der L 131 und östlich des Westerescher Woltweges: Noch ist der Blick frei ins Grüne, doch wenn es nach der Gemeinde Scheeßel geht, sollen sich hier schon so bald wie möglich Gewerbebetriebe ansiedeln können.

Westeresch - Von Lars Warnecke. Es könnte das Ende einer langen Durststrecke sein: Seit Jahren schon versucht die Gemeinde Scheeßel, Flächen für die Ausweisung neuer Gewerbeflächen zu finden. Nachdem sämtliche Bemühungen bislang im Sande verlaufen waren, zeichnet sich nun aber eine Wende ab.

Gut besucht wie selten war am Montagabend die Sitzung des Westerescher Ortsrates. Und das aus gutem Grund. Immerhin wollen die Einwohner im Bilde darüber sein, was vor den Toren ihres Dorfes schon bald Realität werden könnte. Dort, in der Gemarkung Westeresch südlich der L 131, besteht nämlich die Möglichkeit, ein neues Gewerbegebiet zu erschließen. Für die Gemeinde ist das ein langersehnter Vorstoß, nachdem in Scheeßel selbst die Potenziale, auch in Hinsicht auf die Erweiterung bestehender Gewerbeflächen, so gut wie ausgeschöpft sind. „Wir können halt niemanden verpflichten, Gelände an uns zu verkaufen“, erläuterte Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) die Problematik.

Dabei sei die Nachfrage nach geeignetem Bauland doch gerade in Zeiten einer florierenden Wirtschaft und voller Auftragsbücher enorm. Das zeigten allein schon jene zehn Unternehmen, die mit ihrem Anliegen auf Neuansiedlung oder Erweiterung zwischen Anfang 2015 bis heute wohl oder übel von der Verwaltung vertröstet werden mussten. „Wir würden auf jeden Fall vorschlagen, eine Gewerbeentwicklung vorzunehmen, die dann in zwei Bauabschnitten erfolgt“, so die Bürgermeisterin. Allerdings müsse dafür zunächst einmal per Aufstellungsbeschluss das Planrecht geschaffen werden, um später das offizielle förmliche Verfahren unter Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung einleiten zu können. „Ob das dann am Ende überhaupt erfolgreich abgeschlossen werden kann, ist heute noch nicht absehbar.“

Verkehrsströme bereiten Sorge

Dass ein neues Gewerbegebiet auch neue Verkehrsströme durch die Ortschaft produziert, war ein Aspekt, der vielen der Anwesenden nicht behagte. Entsprechend laut war dann auch die Forderung nach einer entsprechenden Begrenzung. „Es soll sich dort bloß kein Logistikunternehmen niederlassen, sonst haben wir mehr Lkw bei uns auf der Straße als uns lieb ist“, meldete sich ein Bürger zu Wort. Dem entgegnete Matthias Diercks, dass auch der Ortsrat durchaus Einfluss darauf nehmen könne, welches Gewerbe sich ansiedeln darf und welches nicht. „Prinzipiell geht es darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wohnen und gewerblicher Entwicklung zu schaffen“, so der Städetplaner von der PGN mit Sitz in Rotenburg. Ohnehin seien industrielle Unternehmen nicht für den Standort vorgesehen, „eher kleinere Handelsbetriebe und Internetfirmen, die auch im Gewerbegebiet östlich von Scheeßel anzufinden sind“.

Zufrieden stimmte Ortsratsmitglied Uwe Freye das nicht: „Ich habe heute noch kein Argument gehört, das mich überzeugen könnte.“ Er befürchte nichtsdestotrotz ein höheres Verkehrsaufkommen. „Das Risiko ist es, dass es unattraktiv sein wird, hier zu wohnen.“

Auf die Seite der Fürsprecher schlug sich Ortsbürgermeister Ernst Behrens (CDU): „Wenn die Gemeinde durch die Ausweisung künftig ein höheres Gewerbesteueraufkommen hat, dann hat auch unsere Ortschaft etwas davon“, brachte er seinen Standpunkt zum Ausdruck.

Einer der Bürger, die die Diskussion aufmerksam verfolgten, war Chris Krause. Ihm zufolge stünde das Dorf vor der Wahl: „Entscheiden wir uns für einen nicht verbindlichen Schritt mit allen daraus resultierenden Risiken oder dafür, ob wir dieses Abenteuer grundsätzlich erst gar nicht eingehen wollen?“ Wachstum um jeden Preis, finde er, könne auch durchaus angezweifelt werden.

Den Weg zur Flächennutzungsplanänderung frei machen wollte der Ortsrat am Ende nicht. Noch nicht. So verständigten sich die Mitglieder zunächst einmal auf eine innerörtliche Bürgerbeteiligung. Erst auf Grundlage des Votums der Einwohner will das Gremium selbst zur Abstimmung schreiten. Die anwesenden Bürger im Saal des Westerhescher Hofes, sie applaudierten.

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