Vorgespielt: Musikexperte Bobby Meyer bewertet Weihnachtslieder von ABBA bis Wham!

Zwischen Schrott und Schönheit

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Und er dachte schon, die ganzen Grausamkeiten unter den Weihnachtsliedern zu kennen: Bobby Meyer.

Wittkopsbostel - Von Lars Warnecke. Eigentlich heißt er Bernd. Bekannt ist er aber vor allem unter dem Namen Bobby. Als Schlagzeuger der legendären Sunset-Dance-Band mit Zweithobby als Discjockey besitzt Bobby Meyer (58) aus Wittkopsbostel einen besonderen Hörsinn für Melodien und Rhythmus. Aber wie ist es eigentlich um sein Weihnachtslied-Fachwissen bestellt? Welcher Titel ist gelungen, welcher nicht? Wir haben dem bekennenden Beatles-und Stones-Fan 18 Songs vorgespielt. Los geht‘s.

Brenda Lee – Rockin‘ Around The Christmas Tree: Ist das Dolly Parton? Nein? Aber irgendeine Countrysängerin, oder? Das ist schön swingig, bringt auf jeden Fall Spaß. Klingt auf jeden Fall noch ehrlich – und das ist mir lieber, als modern aufgepeppt.

Frank Sinatra – Jingle Bells: Diese Glocken am Anfang, damit fängt ja meistens „Jingle Bells“ an. Aber so sagt mir der Song erstmal gar nichts. Ach du meine Güte, das ist ja wirklich „Jingle Bells“! Der Anfang ist aber auch wirklich beschissen, aber mit der Stimme von Frankie ist das Stück richtig gut. Überhaupt finde ich Sinatra klasse – bei dem sind die Fans ja schon vor Elvis und den Beatles in Scharen ausgerastet. Was viele womöglich gar nicht wissen: Der soll seinen Evergreen „My Way“ in nur einem oder zwei Takes eingesungen haben. Wahnsinn, oder?

Rolf Zukowski und seine Freunde – In der Weihnachtsbäckerei: Schon wieder so ein seltsamer Anfang! Lieber Gott nochmal, das muss ich wirklich nicht mehr weiter hören. Für Kinder ist das sicher das schönste Weihnachtslied aller Zeiten – für mich klingt das einfach nur peinlich.

Maria Carey – All I Want For Christmas Is You: Genau das meine ich mit „aufgemotzt“! Bevor das Lied überhaupt erst anfängt, beginnt schon das Gejaule. So etwas Pathetisches braucht doch kein Mensch. Jetzt wird das Ding zwar schneller, klingt mit seinem Motown-Rhythmus aber irgendwie albern. Klar, es ist ein Mitgeher, aber was in drei Teufels Namen hat das mit Weihnachten zu tun? Bitte weiter!

Chris Rea – Driving Home For Christmas: Das ist doch mal ein waschechtes Weihnachtslied! Für mich schon jetzt die Nummer eins. Mich versetzt der Song immer wieder selbst ins Auto: Ich fahre auf einer Landstraße, in freudiger Erwartung bald meine Liebsten wiederzusehen. Selbst, wenn das kein Weihnachtslied wäre und „Driving Home For irgendwas“ heißen würde, würde das wahrscheinlich ähnliche Gefühle in mir wecken. Ein geiles, ganz und gar unkitschiges Stück mit einer hervorragenden Stimme.

The Beatles – Christmas Time (Is Here Again): Das ist unverkennbar die Stimme von John Lennon! Mein Gott, ich liebe diese Band. Der Song muss 1967 rausgekommen sein – und zwar nie mit der Absicht, damit einen Hit zu landen, sondern als musikalischer Gruß an die Fans. Hätten die das damals nicht mal eben so auf die Schnelle eingespielt, wäre da sich ein veritabler Weihnachtsevergreen bei herausgekommen. Aber so... Es klingt schon ziemlich albern. Für mich ist Lennons „Imagine“ da schon eher ein Weihnachtslied.

Boney M – Feliz Navidad: Hilfe, mir wird schlecht! Das will doch kein Mensch hören. Da ist die Version von José Feliciano aber mindestens tausendmal besser. Das hier ist ganz bescheidene, simpel gestrickte Tanzmusik, auf die jeder sofort Foxtrott tanzen würde. Allein das Flötengedudel geht mir auf die Nerven.

Dean Martin – Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!: Sehr gut! Wer soll das sein? Dean Martin? Echt? Der war doch einer der Trinker aus dem Ratpack mit Sinatra und Sammy Davis Junior. So etwas läuft bei uns aber Heiligabend nicht zur Bescherung. Da lege ich lieber den „Rockin‘ Christmas“-Sampler mit Queen und Co. ein.

Helene Fischer – Winter Wonderland: Wow, ein sehr schöner Anfang! Das geht aufs Gefühl und ist überhaupt nicht langweilig geraten. Aber was ist das: diese Stimme! Säuselt da etwa Helene Fischer? Zugegeben, sie kann sehr gut singen, die Frage ist aber: Wo ist bei all der Perfektion das Herz, das ehrliche Gefühl?

Bryan Adams – Christmas Time: Hey, was ist das denn? Das kann eigentlich nur dieser Typ mit der Reibeisenstimme sein. Mit gefällt der Refrain, ganz ohne Pathos. Eine Ballade, die auch ganz und gar ohne Weihnachten funktioniert. Was mir jetzt noch fehlt, wäre ein richtig geiles Gitarrensolo, kommt das gleich noch?

Roger Whittaker – Stille Nacht, heilige Nacht: Was hat denn die Schicksalsmelodie von Doktor Schiwago in dieser Liste verloren? Trällert das der Whittaker? Einer der schlimmsten Sänger aller Zeiten! Und der Kinderchor setzt dem Ganzen die Krone auf. Dabei ist das Lied an sich wunderschön – vor allem in der Version von Mahalia Jackson. Die ist so schön, dass man schon fast Angst davor bekommt.

Scooter – Dutch Christmas: Technoalarm! Warum nicht einfach mal das Fest der Liebe zerschreddern?! Besser, als mit diesem Stück, kann man es nicht machen. Es schallt einem doch förmlich ins Gesicht: „Weihnachten, Du kannst mich mal...“

The Pogues – Fairytale Of New York: Hervorragend! In diesem Lied ist aber auch wirklich alles drin: Einsamkeit, Verlorenheit, Sehnsucht, himmelhochjauchzende Freude. Am Anfang sehe ich mich in einer Winternacht auf einem menschenleeren Marktplatz vor einer Kirche stehen. Und dann, wenn die Frauenstimme einsetzt, wird die Melancholie durch Heiterkeit ersetzt – und plötzlich sind da Menschen, die mit einem im Kreis tanzen. Ganz großes Gefühlskino einer irischen Band, die ich wirklich sehr schätze.

Michael Bublé – White Christmas: Ich bevorzuge lieber das Original von Bing Crosby.

Band Aid: Do They Know It‘s Christmastime: Der Rhythmus ist zwar ein Witz und auch die Synthie-Glocken nerven, alles in allem gefällt mir der Song mit seinem Spannungsaufbau aber recht gut. Erschienen ist er übrigens im Geburtsjahr meines Sohnes, daher habe einen besonderen Zugang zu dem Lied.

ABBA – Happy New Year: Da ist er wieder, der Kitsch. Aber gut produzierter Kitsch. Als Beatles- und Stones-Fan konnte ich der Band nie so richtig etwas abgewinnen, obwohl die Jungs und Mädels aufnahmetechnisch schon genial waren – mit viel Hall und viel Größe. Im Vergleich zu Boney M. ist das hier schon sehr viel besser – das liegt aber stark auch an der soften Stimme von Agnetha.

Mireille Matthieu – Herbei Oh Ihr Gläubigen: Der Spatz von Avignon, unverkennbar! Warum nimmt man dafür nicht gleich eine deutschsprachige Sängerin? Wir schalten besser gleich mal ein Lied weiter...

Wham! – Last Christmas (Extended Version): Ist das ein hawaiianisches Volkslied, oder was? Ach, jetzt erkenne ich es natürlich. Der Song, muss man gestehen, ist, obwohl er in Watte gepackt ist, aber auch wirklich weltklasse. Dass er wegen seines alljährlichen Dauereinsatzes im Radio gehasst wird, dafür kann er nichts. Man kann ja auch umschalten. Auf jeden Fall bringt der alle einsame Herzen bei der Weihnachtsparty zusammen. Und das muss ihm erstmal ein anderes Lied nachmachen.

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