Vorerst letzter Blaudruck-Baustein

Die Schilder kommen in den nächsten Wochen, aber Museumsleiter Nils Meyer macht sich schon mal Gedanken, wo sie aufgehängt oder platziert werden können.
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Die Schilder kommen in den nächsten Wochen, aber Museumsleiter Nils Meyer macht sich schon mal Gedanken, wo sie aufgehängt oder platziert werden können.

Es ist der letzte Baustein der aktuellen Blaudruck-Reise. So nennt Museumsleiter Nils Meyer die Blaudruck-Tour durch Scheeßel, deren Planung gerade in den letzten Zügen liegt. Schon bald können die ersten Interessierten starten.

Scheeßel – Welche Angebote kann man schaffen, die auch in Zeiten einer Pandemie möglich sind, um kulturelle Anregungen zu bieten? Das Heimatmuseum Scheeßel hat dafür eine neue Idee, die gerade realisiert wird: eine Blaudruck-Tour durch den Beekeort. An vorerst 18 Stationen können die Spaziergänger Halt machen und erhalten an frischer Luft Informationen rund um prägnante Gebäude. „Der Rundgang könnte zum Beispiel am Rathaus beginnen und dort auch wieder enden“, erzählt Museumsleiter Nils Meyer.

Das große Projekt Blaudruck, das insbesondere seit der Aufnahme des alten Handwerks in die Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes große Bekanntheit erlangt hat, kommt damit zunächst zum Abschluss. Insgesamt 200 000 Euro standen dafür zur Verfügung, die sich aus einem Eigenanteil sowie Zuschüssen von der Gemeinde, des Landkreises, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Stiftung Niedersachsen, der VGH-Stiftung und des Landschaftsverbandes Stade zusammensetzen.

Eine Investition, die sich lohnt, sagt Stefan Behrens, allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin. „Es ist ein Projekt mit dauerhafter Wirkung und macht deutlich, wie international das Thema ist.“ Er gehe davon aus, dass aufgrund der Anerkennung über kurz oder lang mehr internationale Touristen in den Beekeort kommen – da möchte man natürlich etwas zeigen können.

Mehrere Bausteine gab es, darunter die Inventarisierung der Modelbestände, die fast komplett in Eigenleistung erledigt worden ist, und die Einrichtung der Dauerausstellung im Weberhaus. Auch das Thema Museumspädagogik ist ein wichtiges Feld. Dazu gehört die neue Druckwerkstatt im Schafstall. Die Restaurierung der Model ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil. Insgesamt 100 Stück sind von einem Formstecher dank der Förderung wieder instandgesetzt worden.

Besagter letzter Baustein muss nun in diesem Jahr umgesetzt werden, damit die Förderung genutzt werden kann. Und der ist ein wenig durch Zufall entstanden: Ursprünglich wollte das Museum ein Kassensystem anschaffen, hat sich aber vorerst dagegen entschieden. „Wir wollen weiter freien Eintritt ermöglichen“, sagt Meyer. Stattdessen waren Audioguides geplant, wie es sie in vielen Museen gibt – eine Idee, die mit Ausbruch der Pandemie wieder verworfen wurde. Die Geräte müssten desinfiziert werden, viel Aufwand. Da also feststand, dass es eine Hardware nicht geben wird, kam die Idee einer virtuellen Tour ins Spiel. Dafür ist bereits eine Internetseite reserviert: www.blaudruck-scheessel.de.

Dann haben Interessierte zum einen an den Stationen, aber auch von Zuhause aus die Möglichkeit, die Tour vorzubereiten oder sich die Informationen durchzulesen. Auch Audiobeiträge sind vorhanden. Abrufbar ist alles per QR-Code. „Eine weitere App runterladen ist für viele eine Hemmschwelle, deswegen haben wir uns dagegen entschieden und die QR-Codes gewählt – die neuen Handys scannen den sogar automatisch.“

Die Texte sind größtenteils übersetzt. Zu Beginn werden sie in drei Versionen verfügbar sein: auf Deutsch, Englisch und Plattdeutsch.

Ein US-Amerikaner, der schon lange in Deutschland lebt, hat die englischen Texte eingesprochen. Die hochdeutschen Texte spricht Klaus Witte aus Scheeßel ein, die plattdeutschen übernimmt Uwe Wahlers, Vorsitzender des Heimatvereins. Die Vision für die Zukunft ist, das Projekt mit weiteren Sprachen und Stationen auszubauen. Dazu braucht es dann weitere Fördergelder. „Dann muss man auch abwägen, was man mitnimmt. Für den kleinen Rundgang durch den Ortskern haben wir Gebäude gewählt, die mit Blaudruck oder der älteren Geschichte von Scheeßel zu tun haben“, sagt Meyer. Mühle und Bahnhof sind für später noch in der Auswahl.

„Die Gäste wollen sich informieren. Viele sind neugierig, dieses Jahr waren hier viel mehr Gäste in Scheeßel als sonst“, weiß Meyer – und ein spanischsprachiger Besucher, der plötzlich vor der Tür steht, gibt ihm Recht. Aber auch aus der Umgebung haben viele Menschen ihre Region neu erkundet. „Wir machen das auch für den Ort und freuen uns, wenn die Leute das dann auch abrufen.“ In Kürze können sie das dann auch tun, wenn das Museum geschlossen hat. „Denn diese Schließzeiten durch Corona werden uns noch weiter verfolgen.“

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