Westervesede plant Erschließung des Baugebiets um

Von Nord nach Süd

Wo jetzt noch Getreide wächst, sollen Ende kommenden Jahres die ersten Wohnhäuser entstehen. Das Bild zeigt den nördlichen Bereich, der zuerst bebaut wird.
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Wo jetzt noch Getreide wächst, sollen Ende kommenden Jahres die ersten Wohnhäuser entstehen. Das Bild zeigt den nördlichen Bereich, der zuerst bebaut wird.

Westervesede – Von Nord nach Süd, statt von West nach Ost – das ist die Strategie, die die Gemeinde Scheeßel für ihr im Planungsprozess befindliche Wohnbaugebiet „Bargfelde“ in Westervesede fährt, beziehungsweise die sie fahren muss. Denn die allgemeinhin umstrittene Geruchsemissionsrichtlinie (Girl), die das Bauen auf dem Dorf alles andere als erleichtert, hat auch die Pläne im Scheeßeler Bauamt ziemlich auf den Kopf gestellt, wie Gemeindemitarbeiterin Silke Meyer am Mittwochabend in einer öffentlichen Ortsratsitzung im Veeser Schützenhaus ausführte. „Nach der frühzeitigen Beteiligung haben wir doch noch mehr Arbeit hineinstecken müssen, als wir es sonst gewohnt sind.“ Entsprechend habe sich das ganze bisherige Verfahren auch in die Länge gezogen.

Einwände seitens der Westerveseder Politiker zum Entwurfsplan in seiner überarbeiteten Version, welcher als Nächstes in die öffentliche Auslegung geht, gab es keine – geschlossen stimmte das Gremium der Beschlussvorlage der Verwaltung zu, tat es dem gemeindlichen Bauausschuss, der schon Anfang Juni in der Sache beraten hatte, so gleich.

Zuvor kam Meyer darauf zu sprechen, vor welchem Hauptproblem die Gemeinde hinsichtlich der zulässigen Emissionen gestanden habe. „Wegen der Rechtssprechungen ist es leider so, das Geruchswerte höchstens zehn Prozent der Jahresstunden erreichen dürfen.“ Dieser Wert werde durch vorhandene Tierbestände errechnet, die in der Umgebung auf ein geplantes Baugebiet einwirken. Was in einem ersten Geruchsgutachten, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hatte, aber nicht berücksichtigt worden sei: Laut Girl müssten auch jene Stallungen in der Auswertung Berücksichtigung finden, die schon gar nicht mehr in Betrieb seien, die aber weiterhin Bestandschutz genießen würden. Darauf habe der Landkreis aufmerksam gemacht. „Das hat dazu geführt, dass die Hälfte des gesamten Baugebiets plötzlich über dieser Zehn-Prozent-Hürde lag“, nannte Meyer das Dilemma beim Namen. Daraufhin sei man losgezogen, um mit den Eigentümern der ehemaligen Höfe – vier an der Zahl – deren Zukunftspläne zu erörtern. „Mit einigen haben wir sprechen können, mit einigen nicht – zumindest sind wir in einem neuen Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass ganz im Süden die Grenzwerte mit elf, zwölf Prozent der Geruchsstunden nicht erreicht werden können, während im Nordbereich die Kriterien erfüllt sind.“ Entsprechend sei eine Teilung der Bauabschnitte nunmehr auch von Nord nach Süd vorgesehen.

Nur hätte der Landkreis den vom Scheeßeler Bauausschuss zum Beschluss empfohlenen Entwurf so noch gar nicht akzeptiert, woraufhin ein Kompromiss vereinbart worden sei: „Und zwar möchten wir nun den gesamten B-Plan überplanen – eine Wohnbebauung wäre im zweiten Abschnitt erst dann zulässig, wenn nachgewiesen werden kann, dass dort die Werte eingehalten bleiben, eventuell durch die Aufgabe von Betrieben.“ Dies, so die Verwaltungsfrau, müsse man dann erneut untersuchen. „Oder aber, und das ist unsere größte Hoffnung, das geltende Recht ist dann anders.“ So gäbe es inzwischen schon einen Gesetzesentwurf zur Änderung der Baunutzungsverordnung, der die Einführung eines neuen Baugebietmodells namens „Dörfliches Wohnen“ möglich machen würde. Meyer: „Sollte das Gesetz durchgehen, wären die Grenzwerte in solchen Wohngebieten höher angelegt.“ Gemeindeseitig hoffe man jedenfalls, dass einer der beiden Faktoren eintreffen werde. Zeit genug bliebe, würde mit der Oberflächenerschließung im zweiten Abschnitt östlich der Straße Tavenhorn nach einer Vorgabe des Landkreises eh erst in gut zehn Jahren begonnen werden können.

Bis dahin stehen den Westervesedern zur dörflichen Eigenentwicklung maximal 20 Bauplätze im Nordbereich zur Verfügung, deren Vermarktung – voraussichtlich ab der zweiten Jahreshälfte 2021 – durch die Gemeinde abgewickelt wird. „Wenn das Interesse jetzt aber höher sein sollte – entscheidet dann das Los?“, wollte Westervesedes Ortsbürgermeister Ralf Jürges wissen. „Die Interessentenliste wird bei der Gemeinde geführt“, gab Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) Auskunft. „Zu gegebenem Zeitpunkt müssen wir uns die Karten legen, wie wir verfahren werden.“ Grundsätzlich kämen aber nur solche Käufer zum Zuge, die im Dorf schon leben oder nach einer gewissen Zeit wieder in ihre alte Heimat zurückziehen möchten. „Da gibt es genaue transparente Vorgaben, auf deren Einhaltung der Landkreis später auch ganz genau schauen wird.“

Hintergrund sei, dass Grundstücke auf den Dörfern aufgrund ihres vergleichsweise günstigen Preises in der Regel stärker als beispielsweise im Kernort nachgefragt seien, die dörfliche Eigenentwicklung dabei aber früher nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt habe. „Genau das wollen wir mit den Bedingungen umgehen“, erklärte die Verwaltungschefin, die auch eine Bebauungsverpflichtung ankündigte. „Es soll keiner nachher mit den Grundstücken spekulieren.“

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