Von Karawanen und Hexentränken

Scheeßeler Oliver Schulz kommt spielend durch den Sommer

Vom Klassiker bis zur Neuheit: Im Regal des Scheeßelers Oliver Schulz finden sich allerhand Spiele.
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Vom Klassiker bis zur Neuheit: Im Regal des Scheeßelers Oliver Schulz finden sich allerhand Spiele.

Scheeßel – Wer Oliver Schulz kennt, der wird ihm eine Frage tunlichst nicht stellen, nämlich die nach seinem Lieblingsspiel. Dann kommt der bekennende Spielefan ins Schwärmen und von der Karte auf den Pöppel – bei 300 Spielen im heimischen Schrank ist es eben schwer, sich zu entscheiden.

Was hat der Scheeßeler nicht alles schon getan: Kamele an Pyramiden vorbeigetrieben, Hexentränke mit Knallerbsen angemischt, Länder erobert und einen filmreifen Zugraub organisiert. Wohlgemerkt alles auf dem Brett. Spielen, das ist für ihn „Alltag vergessen, lernen, Strategien entwickeln. Das bringt auch was für Beruf und Leben“, ist der Fischhändler überzeugt. In seinem Job geht es viel um Strategie. Den beiden Töchtern bescheinigten die Kindergärtnerinnen schon früh Tugenden wie logisches Denken und die Befolgung von Regeln.

Die Familie ist gerade in Coronazeiten näher zusammengerückt, hat (noch) mehr gespielt. Die neueste Entdeckung: „Exit“. In Anlehnung an die Escape Rooms tüfteln die Mitspieler gemeinsam, um das Abenteuer zu lösen. „Leider nur einmal, denn das Spiel muss dazu gefaltet, zerschnitten oder durchlöchert werden.“ Etwas, was ihm anfänglich schwergefallen sei. Es gehört zu den sogenannten „kooperativen Spielen: Alle gemeinsam statt jeder für sich“. Seit einigen Jahren ein schöner Trend, findet einer, der das Spielen als Chance sieht, auch in Zeiten von Skype, Whatsapp und Co. Menschen um einen Tisch zu versammeln. Nicht nur Frau und die beiden Töchter, inzwischen 15 und 17, sondern auch Freunde in unterschiedlichen Konstellationen – wie damals, beim „Siedler-Elite-Kreis“, der dem Brautpaar einen selbst gemachten Kasten für die Spielmaterialien und eine Hochzeitszeitung namens „Siedler-Sonderedition“ schenkte.

Einige Jahrzehnte und Trends sind gekommen und gegangen, seit in Schulzes Kindheit mit „Spiel des Lebens“ oder „Hero Quest“ statt Fernsehen der Grundstein für die spätere Leidenschaft gelegt wurde. Seit 1979 wird das „Spiel des Jahres“ gekürt. „Ein Versuch der Branche, weg vom Image zu kommen, Spiele seien nur für Kinder.“ Das kauft er seit Jahren blind – ein Flop sei noch nie dabei gewesen. Richtig „angefixt“ wurde der Scheeßeler als junger Erwachsener von Strategiespielen – nach den Siedlern von Catan kamen Carcassonne und Dominion.

Von letzterem stapeln sich alle 14 Erweiterungen in dem breiten Regal im Wohnzimmer, in das Schulz immer wieder hinabtaucht, um seine Schätze zu präsentieren. Darunter sind auch echte Raritäten. Die bekam er früher schon mal bei „Pöppel“ von Inhaber Dirk Grieger zugesteckt, heutzutage ergattert er die begehrten „Goodies“ bei der großen Spielemesse in Essen. Nach gründlicher Vorbereitung online und mithilfe eines Fachmagazins – schließlich werden allein dort tausende Neuheiten vorgestellt – fahren die Vier mit einer befreundeten Familie jedes Jahr dorthin, um Vielversprechendes zu sichten und 15 bis 20 Ideen anzutesten. „Nach einem Tag ist bei den anderen die Luft raus“, grinst er. Er selbst und die andere Familienmutter bleiben meist einen Tag länger. Auch, wenn sie vielleicht gerade mal fünf Prozent der Vorstellungen kennen lernen, Überraschungen entdeckt auch er immer wieder: ein Spiel, das „blind“ nur mit dem Tastsinn gespielt wird, Karten mit märchenhaften Traumbildern oder Schätzspiele, bei denen es nicht um das richtige Ergebnis geht, sondern um die angezettelte Diskussion.

Die Zugfahrt zur Arbeit nach Hamburg nutzt der Familienvater gern, um sich ins Regelwerk seiner Neuerwerbe einzulesen. Vor Weihnachten bekommt er Anrufe von Bekannten, die nach Geschenktipps fragen und bei den Fahrten der Beekscheepers sind seine Kisten mit Spielen stets umlagert. In den einschlägigen Geschäften kann es schon mal passieren, dass er eine Kaufberatung übernimmt. Für die Verwirklichung seines heimlichen Traums, einem eigenen Spieleladen, vielleicht in Verbindung mit einem Café wie in Hamburg, ist er aber zu realistisch.

Um den Überblick zu behalten, hat Schulz in einem Ordner akribisch Informationen zu jedem einzelnen Spiel zusammengetragen: die Spielidee mit Bild einer Spielsituation, Angaben wie Alter, Dauer, Anzahl der Spieler und eigene Kategorien wie Kommunikation, Kreativität, Strategie oder Glück. Reine Glücksspiele mag er nicht so gern – mit Würfeln steht er auf Kriegsfuß. Was für ihn ein gutes Spiel ausmacht? „Eine neue Idee, nicht zu komplizierte Regeln, variabel, abwechslungsreich und gern nicht nur gegeneinander.“

Mit seiner Begeisterung hat er schon viele Freunde und Bekannte angesteckt, auch dank seiner „Spielerpsychologie“, mit der er die richtige „Einstiegsdroge mit Suchtpotenzial“ auswählt. Er selbst würde nie mit Menschen spielen, die schummeln: „Das geht gar nicht!“ Ob der spielende Stratege nicht selbst auch mal ein Spiel entwerfen will? Daran habe er tatsächlich schon mal gedacht. „Leider ist das so zeitaufwendig.“ Wenn, dann würde es um Fischhandel gehen: „Beim An- und Verkauf, da gibt es viele Parallelen, und eine Strategie schadet nicht.“

Spiele-Tipps für den Urlaub in Balkonien oder anderswo.

Für Einsteiger:  Punto, eine simple Idee mit minimalen Regeln und maximalem Spielspaß.

Für Familien mit Kindern:  Dog, eine Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Variante. Gespielt wird im Zweier-Team, statt Würfeln heißt es: Karten strategisch ziehen.  Crazy Race: Hier spielen die Würfel verrückt – ein Rennen für Zugtiere und Zocker!

Für die Party: Bluff, das ist wie Meyern, nur noch lustiger. Nicht lang nachdenken, sondern einfach großkotzig daherkommen!  Krazy Words, super kreativ – hier muss man Wörter finden, die es gar nicht gibt!

Spiele für Zwei: Patchwork. Hier bezahlt man beim Entwurf er eigenen Patchworkdecke mit Knöpfen. Haptisch schön gemacht, strategisch, fantasievoll!

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