Der Tennis-Boom ist vorbei

Entgegen des Trends hat der Tennisclub Blau-Weiß konstant hohe Mitgliederzahlen

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Rainer Windler ist der Vorsitzende beim Tennisclub Blau-Weiß Scheeßel. 

Scheeßel - Von Hannes Ujen. Boris Becker hechtete den Bällen hinterher, der Zopf von Steffi Graf schaukelte lustig beim Aufschlag und die US-Amerikanerin Monica Seles stöhnte so laut auf dem Platz, dass die Zuschauer dies noch in den obersten Rängen hören konnten. Das war vor 25 Jahren.

Tennis war „in“ und jeder, der einen Schläger halten konnte, wollte auf dem Platz eine gute Figur machen – und wurde Mitglied in einen Tennisverein. Der Boom ist lange vorbei – mit dem Wimbledon-Sieg von Angelique Kerber keimt aber neue Hoffnung auf. Wir sprachen mit Rainer Windler, seit sechs Jahren Vorsitzender des Tennisclubs (TC) Blau-Weiß Scheeßel, über die Situation im Beeke-Ort.

Herr Windler, man hört oft, dass sich der deutsche Tennissport in einer Krise befindet und mit der Beliebtheit des Fußballsports nicht mehr mithalten kann. Wie ist die Situation in Scheeßel?

Rainer Windler: Von einer Krise ist bei uns nicht die Rede, denn unser Club konnte seit seiner Gründung am 16. August 1951 kontinuierlich neue Mitglieder begrüßen. Wir verzeichnen jetzt schon über Jahre hinweg eine konstante Mitgliederzahl von 320 bis 330 Mitgliedern und sind damit der zweitgrößte Tennisverein im Landkreis Rotenburg.

Worauf führen sie diese Entwicklung zurück?

Windler: Dazu gehören sicher verschiedene Faktoren, aber meines Erachtens haben alle Vereine, die in Jugendarbeit investieren, eine Zukunft. Wir engagieren uns zum Beispiel in Kitas, Schulen und beim Kinderferienprogramm. Jedes Jahr veranstalten wir ein einwöchiges Tenniscamp, unter anderem verbunden mit dem Besuch der German Open am Rothenbaum. 

Unterstützt von ihren Eltern sind 60 bis 70 Kinder bei uns im Training und finden so den Zugang zum Tennissport ebenso wie auch Asylbewerber. Weil wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, erleben wir sogar, dass manchmal drei Familiengenerationen bei uns auf dem Platz spielen.

Sind auch die guten Rahmenbedingungen hier in Scheeßel ein weiterer Erfolgsfaktor?

Windler: Ja, auf jeden Fall. In zentraler, idyllischer Lage am Helvesieker Weg, nahe der Wümme, verfügen wir über eine schöne Anlage mit sechs Plätzen und einem Clubhaus mit Terrasse, Umkleideräumen, Duschen und Gastronomie in Eigenwirtschaft. Im Winterbetrieb nutzen wir die ganz in der Nähe gelegene Sporthalle des „Freedom“ für Trainings- und Punktspiele. 

Für alle Mitglieder, Anfänger wie Fortgeschrittene, stehen qualifizierte Trainer zur Verfügung. Dieses Gesamtpaket, verbunden mit der tollen Gemeinschaft im Verein, ist auch für die Weltklassespieler Keith Porter aus Kanada und Quentin Maisey aus Neuseeland der Grund, dass sie uns erfolgreich in der Seniorenmannschaft verstärken und dem TC Blau-Weiß trotz vieler Abwerbungsversuche die Treue halten.

Tennis ist sowohl Breiten- als auch Leistungssport. Wie sieht es mit Letzterem aus?

Windler: Im Leistungssport der Erwachsenen stehen zehn Mannschaften im Wettbewerb und spielen von der Regionsklasse bis hin zur Regionalliga aufwärts. Im Jugendbereich wurden acht Mannschaften für dieses Jahr gemeldet. Jonas Lütjen, Alexander Meyer und Greta Windler sind nach ihrer Ausbildung in Scheeßel auf nationalen und internationalen Tenniscourts erfolgreich unterwegs.

Was macht für sie den Reiz des Tennissports aus?

Windler: Tennis kann im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten von klein auf bis ins hohe Alter gespielt werden. Besonders positiv zu bewerten ist auch der hohe Anteil junger Mitglieder, weil sich viele in der Pubertät von Sportvereinen ab- und anderen Beschäftigungen zuwenden. Tennis dagegen übt auch in diesem, für Sportvereine oftmals problematischem Alter, eine große Anziehungskraft aus. Und nicht zuletzt hat Seniorentennis nach wie vor einen hohen Stellenwert bei uns.

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