MEIN BUCH UND ICH Manfred Reinke legt ersten Teil einer Romanreihe vor

Vom Sturm auf Sonderburg

Gut strukturiert läuft mittlerweile der Entstehungsprozess von Manfred Reinkes Büchern ab.
+
Gut strukturiert läuft mittlerweile der Entstehungsprozess von Manfred Reinkes Büchern ab.

Scheeßel – Manfred Reinke hat ein Problem: Sein Protagonist will nach seinen Jahren auf der Walz von Süddeutschland nach Hamburg zurückkehren, aber die Süderelbbrücke ist noch nicht gebaut. Gedanklich befindet sich der Autor im Jahr 1897, im Hier und Jetzt sitzt der HVV-Fahrer an seinem Schreibtisch. Sein dritter Roman ist fast fertig und wartet auf das Lektorat. Er spielt nicht wie die ersten beiden Bücher „Es war einmal in Hamburg“ und „Das Leben geht weiter“ in der Hansestadt. Das heißt jedoch nicht, dass Reinke sich bei der Wahl der Orte nicht an ihm vertrauten Schauplätzen orientiert hätte.

Die Familiensaga nimmt ihren Anfang in Dänemark, wo das Boot des passionierten Seglers liegt. Der Soldat Samuel Stern zieht bei der Schlacht auf Sonderburg 1864 in den Krieg und lässt sich nach der Besetzung dieses Teils von Dänemark nieder, um eine Familie zu gründen. Ihr Schicksal zeichnet Reinke über viele Generationen nach. Dass der Scheeßeler Hobbyhistoriker eine jüdische Familie erdacht hat, ist kein Zufall. Angesichts dessen, was heute in puncto Diskriminierung von Minderheiten wieder so in Deutschland und der Welt passiere, will er ergründen, wie es dazu kommen konnte: „Oft sind es ja nur kleine Bemerkungen, die zu Vorurteilen führen, die irgendwann salonfähig werden – wie der Antisemitismus, der ja bekanntlich im Holocaust geendet hat.“ Diese Epoche behandelt Reinke erst in einem späteren Band der geplanten dreiteiligen Reihe.

Neben den Recherchen über den jüdischen Glauben („ein Vorteil war, dass ich als Atheist da ganz unvoreingenommen herangehen kann“) waren es wieder die historischen Gegebenheiten, die mindestens ebenso viel Zeit in Anspruch nehmen wie das Schreiben selbst. Etwa die Beantwortung der Frage: Wie reiste man damals von A nach B? „Knotenpunkte im Bahnverkehr gab es kaum zu der Zeit, sondern fast nur Sackbahnhöfe – also musste eine Droschke her, wenn man sich das denn leisten konnte.“ Auch in seinem dritten Werk legt der gelernte Betriebswirt Wert auf historische Stimmigkeit. Neben entsprechenden Quellen war das Internet eine ergiebige Hilfe, „wobei man bei Quellen wie Wikipedia natürlich etwas vorsichtig sein muss“.

Recherchen schiebt er in Phasen dazwischen, wenn es mit der Kreativität gerade nicht klappt: „Manchmal flutscht es, dann schafft man an einem Tag ein ganzes Kapitel, wenn nicht, wird eben recherchiert. Damit mehr Zeit zum Schreiben bleibt, lässt Reinke sich im Schichtdienst vornehmlich für Abend- und Nachtschichten einteilen – und schielt schon auf die Pensionierung in viereinhalb Jahren: „Es muss toll sein, ohne zeitlichen Stress kreativ sein zu können, gern auch an inspirierenden Orten wie an Bord meines Bootes.“

Zumindest der Prozess des Schreibens hat sich in seinen Augen seit dem Debütroman erheblich professionalisiert: „Damals war ich in einer Findungsphase, auch beruflich, und habe einfach drauflosgeschrieben.“ Das laufe jetzt wesentlich organisierter ab. Dabei geht der gelernte Betriebswirt äußerst strukturiert vor: Neben dem Plan, in dem er die Geschichte in Stichworten festgehalten hat, führt er ein Personenregister.

Die Zeit, sie ist neben den vielen anderen Herausforderungen des Schreibens das größte Problem des kreativen 60-Jährigen. Die Struktur für Band Zwei und Drei seines jüngsten Projekts hat er schon seit Längerem im Kopf. Nur die Zeit, alles auf Papier, oder besser in den PC zu bringen, sie fehlt, genau wie für die Vermarktung. Der letzte Eintrag auf der eigenen Website ist mehr als ein Jahr alt, eine Facebook-Gruppe noch nicht freigeschaltet. Einen Verlag zu finden, wäre für ihn ein Traum – nicht nur, weil dies in der Branche so etwas wie einen Ritterschlag bedeutet, „sondern auch wegen der professionellen Unterstützung wie Lektorat, Layout und Umschlaggestaltung und Werbung“.

Denn der ehemalige Vertriebsprofi macht sich keine Illusionen, dass seine Bücher nicht perfekt sind und „hier und da mal einen Fehler enthalten.“ Inzwischen weiß er mit Kritik umzugehen: „Kritikern, die Typografie oder Grammatik monieren, frage ich, wie ihnen jenseits des Handwerklichen die Geschichte gefallen hat.“

Das Erscheinungsdatum der jüdischen Familiengeschichte steht bis jetzt genauso wenig fest wie der Titel. Reinke hofft, dass es noch dieses Jahr klappt. Ob die Mundpropaganda des im Eigenverlag über Amazon veröffentlichten Werks ihm dieses Mal mehr als rund 100 Leser bescheren wird? „Reich wird man nicht, aber eine größere Aufmerksamkeit als bisher, das wäre schon schön.“  hey

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was Sie zu Berufskrankheiten wissen müssen

Was Sie zu Berufskrankheiten wissen müssen

Wie werde ich Winzer/in?

Wie werde ich Winzer/in?

Grüne rücken erstmals an die Spitze großer NRW-Städte

Grüne rücken erstmals an die Spitze großer NRW-Städte

Wie das Reisen immer schneller wurde

Wie das Reisen immer schneller wurde

Meistgelesene Artikel

Ein Obdachloser erzählt: Erst kamen die Drogen, dann ging's auf die Platte

Ein Obdachloser erzählt: Erst kamen die Drogen, dann ging's auf die Platte

Ein Obdachloser erzählt: Erst kamen die Drogen, dann ging's auf die Platte
Glücksgriff aus der Luft und ein wenig Nervenkitzel

Glücksgriff aus der Luft und ein wenig Nervenkitzel

Glücksgriff aus der Luft und ein wenig Nervenkitzel
7-Tage-Wert steigt im Kreis Rotenburg auf 24,4 - Christengemeinde im Corona-Fokus

7-Tage-Wert steigt im Kreis Rotenburg auf 24,4 - Christengemeinde im Corona-Fokus

7-Tage-Wert steigt im Kreis Rotenburg auf 24,4 - Christengemeinde im Corona-Fokus

Kommentare