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Westereschs Ortsbrandmeister Christian Heiden bringt besondere Biografie mit

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Von: Lars Warnecke

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Seit drei Jahren ist Christian Heiden Ortsbrandmeister in Westeresch. Als solcher hat er die Wehr kräftig modernisieren können.
Seit drei Jahren ist Christian Heiden Ortsbrandmeister in Westeresch. Als solcher hat er die Wehr kräftig modernisieren können. © Warnecke

Christian Heiden zählt zu der schnellen Sorte: Kaum war er in die Ortsfeuerwehr Westeresch eingetreten, war er auch schon Ortsbrandmeister. Seitdem meistert der gebürtige Greifswalder den Spagat zwischen Job, Familie und Ehrenamt souverän. 

Westeresch – Wie bringt er das alles nur unter einen Hut? Diese Frage hört Christian Heiden recht häufig. Seit 2019 ist der 40-Jährige Ortsbrandmeister in Westeresch. Das wäre kaum der Rede wert, schaut man sich nicht seinen Hintergrund an: Alleinerziehender Vater von zwei Kindern, in Vollzeit beschäftigter Kraftfahrer bei Holz Behrens in Rotenburg – „langweilig wird mir tatsächlich nicht“, räumt der gebürtige Greifswalder ein, der über seine frühere Bundeswehrzeit in den Landkreis übersiedelte. Zunächst in die Wümmestadt, später nach Westeresch.

Aber der Reihe nach. „2005 bin ich nach dem Grundwehrdienst, den ich in Mecklenburg-Vorpommern geleistet habe, als Zeitsoldat hierher versetzt worden“, blickt der „Häuptling“, wie er sein Ehrenamt in gehobener Feuerwehrposition nennt, zurück. In Rotenburg sei er als Kasernenkoch „hängengeblieben“, habe dort auch seine heutige Ex-Frau kennengelernt. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, nach der Scheidung bekam der Vater das alleinige Sorgerecht zugesprochen. „Für ihr noch junges Alter sind meine Zwei schon ganz schön verantwortungsbewusst“, betont er. Beide seien sie heute im Schulalter – und wenn der Papa noch auf dem Bock sitzt, weiß der seinen Nachwuchs in der Ganztagsbetreuung gut aufgehoben. „Ansonsten habe ich natürlich auch immer mein Handy dabei.“

Bevor ich überhaupt alle Namen kannte, war ich schon gewählter kommissarischer Ortsbrandmeister.

Christian Heiden

Was er aus dem Osten in die neue Heimat mitgebracht habe: seine tiefe Verbundenheit zur Feuerwehr. 1994 sei er ihr beigetreten, habe sich bis zum Hauptfeuerwehrmann hochgearbeitet. „In einer Häuptlingsrolle war ich aber nie, ich zählte mich immer zu den ganz normalen Indianern“, sagt er schmunzelnd. Das sollte sich vor drei Jahren mit einem Schlag ändern. Nachdem es ihn 2016 in die Gemeinde Scheeßel verschlagen hatte („einer neuen Liebe wegen“), und er den Dienst bei der Rotenburger Stützpunktfeuerwehr, welcher er zuvor über viele Jahre lang angehörte, quittierte, heuerte Heiden irgendwann bei der Westerescher Ortswehr an. „Das war für mich jetzt kein Kulturschock, ich kannte kleine Feuerwehren ja noch aus meiner Zeit in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt der 40-Jährige, der sich von den neuen Kameraden gut aufgenommen gefühlt habe. „Ich war ja schon Hauptfeuerwehrmann, besaß einen Lkw-Führerschein – die haben dann auch langsam mitbekommen, dass man was taugt.“ Wie er bereits nach einem halben Jahr Mitgliedschaft zum Ortsbrandmeister gewählt werden konnte – in einer Versammlung und das einstimmig? Heiden lacht. „Zu dem Zeitpunkt war es noch so, dass niemand das Erbe von Uwe Rautenberg, der 20 Jahre lang das Amt bekleidet hatte, übernehmen wollte – also bin ich gefragt worden, und ich habe mich bereit erklärt.“ Ein Vertrauensvorschuss, den er rückblickend durchaus zu schätzen weiß: „Denn bevor ich überhaupt alle Namen kannte, war ich schon gewählter kommissarischer Ortsbrandmeister.“ Kommissarisch deswegen, weil er sich zunächst noch für die Position habe qualifizieren müssen – in Form eines Truppenführerlehrgangs. 2019 ernannte ihn der Gemeinderat dann ganz offiziell für die obligatorische Dauer von sechs Jahren zum „Häuptling“.

Der zweifache Vater vor der Ahnengalerie, die ihn und seine zehn Amtsvorgänger abbilden.
Der zweifache Vater vor der Ahnengalerie, die ihn und seine zehn Amtsvorgänger abbilden. © -

Ob er sich die Aufgaben vor seinem Amtsantritt auch so vorgestellt habe? Immerhin muss ein Ortsbrandmeister sich ja auch mit jeder Menge Verwaltungskram herumschlagen. „Nein, das hätte ich damals nicht gedacht, dabei ist unsere Wehr mit 33 aktiven Mitgliedern wirklich keine große“, sagt Heiden, der ursprünglich das Metzgerhandwerk gelernt hat. Freude an der Verantwortung habe er bei allem Aufwand aber natürlich trotzdem. „Ich möchte auf jeden Fall auch nach 2025 gerne weitermachen, man hat ja so viel hier verändert und Neues angeschafft – und es kommt noch mehr Neues dazu.“

In der Tat hat die Westerescher Truppe in der kurzen Zeit, in der Heiden ihr vorsteht, eine enorme Veränderung durchgemacht – eine, die in die heutige Zeit passt (auch, was das technische Equipment betrifft), die anfangs aber nicht allen Mitgliedern so recht habe schmecken wollen. „Da hieß es von einigen Alteingesessenen, das habe man doch schon seit 20 Jahren so gemacht, das könne man auch 20 Jahre lang noch so weitermachen“, erinnert sich der Ortsbrandmeister, übrigens der elfte in der 121-jährigen Geschichte der Wehr. Und heute? Heute hätten sich die neuen, moderneren Strukturen längst eingespielt. „Ich lasse halt nicht den großen Macker raushängen, sondern möchte als Vorbild führen – etwas, was ich bei der Bundeswehr gelernt habe.“

Man merkt: Christian Heiden, der seit 2019 auch auf eine Kinderfeuerwehr in seinem Heimatdorf blicken kann, ist stolz auf seine Mannschaft – auch wenn er die in Corona-Zeiten kaum zu Gesicht bekommt. Das Einsatzgeschehen selbst sei überschaubar, sagt er. Die Arbeit als Ortsbrandmeister beanspruche ihn trotzdem das ganze Jahr über. Umso mehr muss man sein Engagement neben Beruf und Familie loben. „Ach was“, wiegt er ab, „ich liebe das, was ich tue – so fällt mir der Spagat auch gar nicht schwer.“

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