Inklusion beim Hurricane 

„Vollkommenheit ist nicht Anspruch“

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Mit dem Rollstuhl auf das Hurricane-Festival fahren funktioniert immer besser. 

Scheeßel - Von Matthias Röhrs. Es sind viele kleine Dinge, die Helmut Wilshusen und Jasper Barendregt zusammen besprochen und umgesetzt haben. Für Menschen mit Behinderung haben diese allerdings eine große Wirkung. Seit vier Jahren stehen der Vorsitzende des Behindertenbeirats des Landkreis Rotenburg und der Produktionschef des Hurricane-Festivals in Kontakt. Gemeinsames Ziel: Ein möglichst inklusives Festival in Scheeßel. Auch in diesem Jahr haben sie wieder gemeinsam einige Schritte gemacht.

Zirka 200 Menschen mit Behinderung haben sich in diesem Jahr für das Festival angekündigt. Das sind zumindest die, von denen Barendregt weiß. Und jedes Jahrwerden es mehr. Dass das Hurricane zunehmend behindertengerechter ist, spricht sich rum: 2014 waren laut Veranstalter FKP Skorpio etwa 100 Menschen mit Behinderung zu Gast, im vergangenen Jahr bereits 130. FKP Skorpio musste sogar größere Rollstuhl-Plattformen vor den Bühnen bauen. Und nicht jeder mit Behinderung meldet sich vorher an.

Zu verdanken ist dies einem mittlerweile zur Kooperation angewachsenen Austausch mit dem Behindertenbeirat. „Wir haben in den Jahren bestimmte Sachen immer mit der Inklusion im Hinterkopf ausgebaut“, sagt Barendregt und meint damit zum Beispiel Wege. „Die wollen wir so kurz wie möglich halten“ – wohlwissend, dass auf einem etwa 200 Hektar großem Gelände ein „kurzer Weg“ auch mal einige hundert Meter lang sein kann. Dann kommt es auf die Beschaffenheit an: „Man muss sich fragen, welche Wege kann man auch bei Regen noch nutzen“, sagt Barendregt.

Ein vollständig inklusives Festival zu veranstalten, ist schwierig. Aber das muss es auch nicht sein, wenn man Wilshusen Glauben schenkt. „Vollkommenheit ist nicht unser Anspruch“, sagt der Gnarrenburger. Wichtig sei die gute Zusammenarbeit von Veranstalter und Beirat, beinahe freundschaftlich sei sie – „ohne gegenseitigen Druck“, so der Beiratsvorsitzende. Barendregt nickt.

„Seit wir zusammenarbeiten trauen sich immer mehr Menschen mit Behinderung auf unser Festival“, sagt dieser. „Früher haben sie nur die Bilder vom Schlamm gesehen“, ergänzt Wilshusen, doch durch eine offene Kommunikation – beispielsweise über den inklusionsspezifischen Bereich auf der Hurricane-Webseite – seien Hemmschwellen abgebaut. „In beide Richtungen“, sagt Wilshusen. „Sowohl die ,Normalos‘ als auch die Behinderten feiern zusammen.“ Das hat er im vergangenen Jahr zusammen mit 24 behinderten Menschen und ihren Betreuern erlebt, als er einen Tag auf dem Hurricane unterwegs war. Mitfeiern wollten sie, aber auch schauen, wo Luft nach oben ist. Für dieses Jahr haben sich 37 Menschen aus der Region plus 15 Auswärtige für diese Tour angemeldet. „Wir mussten erst noch lernen, dass Menschen mit Behinderung Hilfe brauchen, wo man sie nicht erwartet“, gesteht Barendregt ein. Dafür gibt es ein Tag und Nacht erreichbares Servicetelefon (01806 / 853653), dass kurzfristig Hilfe organisiert, wenn beispielsweise ein Rollstuhlreifen geflickt, eine große Pfütze überwunden und andere Hindernisse bewältigt werden müssen.

Doch nicht nur dort haben die Festivalmacher für behinderte Menschen nachgebessert. Nun gibt es eine Aufladestation für elektrische Rollstühle auf dem Campingplatz, die Toilettenbereiche wurden erweitert und berücksichtigen nun auch die Betreuer. Ebenfalls neu sind besondere Bändchen oder auf Anfrage Tagestickets. An diesen hat es in den vergangenen Jahren gefehlt. An den Eingängen hat sich auch baulich etwas getan: Musste die Delegation des Behindertenbeirats 2015 noch durch den Ausgang das Gelände betreten, gibt es nun breitere Schleusen, wo auch ein Rollstuhl durchpasst. So steht dem Festivalbesuch nichts mehr im Wege.

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