Handyfotografien im Kunstgewerbehaus

Visuelle O-Töne von Otmar Willi Weber

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Uwe Wahlers (l.) und Birgit Ricke (r.) vom Heimatverein freuten sich über den Besuch vom „Nordwestradio-Duo“ Inken Steen und Ottmar Willi Weber.

Scheeßel - Können Handyfotos Kunst sein? Diese Frage beantworteten anlässlich der Vernissage zu Otmar Willi Webers Ausstellung „Sic – As I See“ gleich mehrere kompetente Rednerinnen. Birgit Ricke, die dem Heimatverein seit zwei Monaten als Leiterin des Kunstgewerbehauses zur Seite steht, hatte die Anfrage des „Mobilfotografen“ über die sozialen Medien zunächst für einen Scherz gehalten: „Den kenn ich doch als Nordwestradio-Moderatoren!“ – ein Glück für Scheeßel, wo die großformatigen Nahaufnahmen noch bis zum 23. Juli zu sehen sind.

Die fast gemalt wirkenden Makros vermitteln, so Laudatorin Inken Steen, Kollegin und Freundin Webers und an diesem Nachmittag „Vortänzerin als kluge Kunstkritikerin“, „eine fast sinnliche Erfahrung.“ Sie forderte dazu auf, Sehgewohnheiten und den etablierten Kunstbegriff über Bord zu werfen. Darauf ließen sich die Besucher nur allzu gern ein. Meistgestellte Frage bei den Mustern und Strukturen, die Weber mit dem Handy – übrigens ohne Bearbeitung – quasi als visuellen „O-Ton“ mit viel Gefühl für das Besondere im Detail im Alltag einfängt: „Und was ist das eigentlich?“ 

Wer es wirklich wissen will, dem verrät er beispielsweise, dass die überbordende rot-blaue Farbkomposition eine Radkappe eines Bauwagens ist. „Das Beste ist natürlich, wenn sich der Betrachter beim Gucken freimacht – aber auch der ‚Wow‘-Effekt ist toll“, schmunzelt der frisch in den Unruhestand Entlassene. Seine Werke regen zum Rätseln an, und zum Entdecken: Im abgeplatzten Lack sieht eine Besucherin die Form eines Hundes, ein anderer einen Hai. Manchmal helfen die Werksbezeichnungen wie „Abfüllanlage“ bei der Deutung, manchmal befeuern sie die Fantasie.

Im Interview erklärt der Sammler von Bildern und Ü-Eiern, der sich lieber als alten Hase denn als „Kulturschaffender“ oder gar „jungen Künstler“ versteht, warum seine künstlerische Tätigkeit keinen Gegensatz zum akustisch orientierten Job bildet: „Auch beim Radio muss man ganz genau hingucken, bevor man treffend reden kann.“ Seine „O-Bilder“, die sich seit einem Sylturlaub mit hunderten im Sand drapierten rosa Gummihandschuhen immer mehr vom Gegenständlichen zum Abstrakten entwickelt haben, findet der Wahl-Bremer im Viertel, aber auch in aller Welt. Der Beeke-Ort wäre allerdings ein schlechtes Pflaster: „Hier ist alles so aufgeräumt“, findet er. Der „Rollentausch“ mit Steen beschert ebenso vergnügliche wie aufschlussreiche Momente – aber auch ohne machen Webers Werke Spaß. 

hey

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