SOMMER ZUHAUSE Trendiges Dachzelt findet auch im Landkreis mehr Liebhaber

Vier Quadratmeter Freiheit

Manon Vahjen und ihr Sohn Oskar sind geübt darin, das Dachzelt aufzubauen.
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Manon Vahjen und ihr Sohn Oskar sind geübt darin, das Dachzelt aufzubauen.

Scheeßel – Der Trend „Dachzelt“ boomt, gerade in Zeiten ungewisser Urlaubsbedingungen, aber auch schon vorher. Manon Vahjen hat allerdings schon seit einigen Jahren ein Auge auf das Stück Freiheit, das auf dem Dachgepäckträger immer mit dabei ist und in wenigen Handgriffen und für Geübte in spätestens zehn Minuten ein Dach über dem Kopf bietet. Drei Personen finden hier bequem Platz, „vier gequetscht“, hat die dreifache Mutter festgestellt. Matratze, Kissen und Decken sind praktischerweise mit eingeklappt – bequemer geht’s nicht. Seit über einem Jahr fährt die Übungsleiterin des TV Scheeßel ihr Zuhause auf dem Autodach mit sich spazieren.

Schon immer hat die Griemshooperin gern gezeltet. Als Kind war sie mit den Eltern im Wohnmobil unterwegs. Irgendwann hatte sie keine Lust mehr auf Isomatte und steifen Rücken – das Konzept des Dachzeltes sprach sie an. Nach langen Recherchen im Internet, Vergleich von Herstellern und Preisklassen und der Erkenntnis „preiswert ist anders“ wurde sie schließlich ausgerechnet auf der Tarmstedter Messe fündig; der Hingucker eines Messeausstellers wechselte den Besitzer. Die ersten Trips gingen nach Berlin, an die Elbe, mal sogar nur ein paar hundert Meter weit an die Wümme „einfach den Weg runter“, wo sie und ihr Sohn Rehe und Füchse beobachten konnten. Diese kleinen Fluchten weiß inzwischen auch der Junior zu schätzen.

Den ersten Starkregentest im Garten hat das das mobile Heim bereits bestanden; wenn es ausgeklappt ist, fängt der Hund an zu winseln: „Der hat Angst, dass wir ohne ihn fahren.“ In Berlin und anderswo machte Vahjen die Erfahrung, dass die neue „Gattung Camper“ althergebrachte Schubladen ins Wanken bringt: „Die wissen oft gar nicht, was sie berechnen sollen – ein normales Zelt ist das ja nicht“, aber die Kategorie „Womo“ passe auch nicht. Ebenso unklar ist, was rechtlich geht: „Dürfen wir eine Nacht irgendwo auf dem Parkplatz stehen?“ Bis jetzt hat sie sich das noch nicht getraut. In einschlägigen Foren wird die Frage kontrovers diskutiert.

Und davon gibt es einige, ist das Stück Persenning doch auch die Eintrittskarte zu einer verschworenen Gemeinschaft Gleichgesinnter. Die „Dachzeltnomaden“, deren Gründer im Auto lebt, treffen sich des Öfteren, um gemeinsam ihrer Leidenschaft zu frönen, ins Gespräch zu kommen, nebenbei aber immer auch ein gemeinnütziges Projekt zu unterstützen.

Auf dem Hartmannshof zwischen Rotenburg und dem Bullensee war Vahjen mit Sohn Oskar dabei, half, Hackschnitzen auf die Beete aufzubringen, und bestaunte einen Baumkletterer. Während der 13-Jährige eher die stillen Momente allein in der Natur schätzt, genoss sie den Gedankenaustausch am Lagerfeuer mit der bunt gemischten Szene der Individualisten. Mit dem Gedanken, andere auf der heimischen Wiese in Rehr zu beherbergen, hat sie selbst auch schon gespielt.

Kristine Köhlmoos, ebenfalls mehrfache Mutter und Besitzerin eines Dachzeltes, hatte bereits eine Anfrage, ein solches Treffen auf dem eigenen Hof in Borchel auszurichten. „Wir dachten so an 50 Leute – als es 200 Fahrzeuge oder mehr hieß, waren wir raus“, erzählt die Borchelerin. Sie sieht den Hype um die fahrbare Trend-Herberge kritischer: „Da wird, vor allem über die sozialen Medien wie Instagram & Co., ein Bild von einer Freiheit suggeriert, die es so gar nicht gibt.“ Sie hatte sich das Verreisen mit Dachzelt spontaner vorgestellt. Für Pärchen sei die neue Freiheit gerade in Corona-Zeiten bestimmt super, „aber irgendwo wild stehen und womöglich nachts den Platz räumen zu müssen – das möchte ich mit zwei kleinen Kindern nicht darauf ankommen lassen!“

Und so schön die Treffen mit abendlichem Beisammensein sein mögen: „Meine Kinder sind noch so klein, dass für mich ein Bier am Lagerfeuer sowieso nicht infrage kommt.“ Bewährt hat sich für sie hingegen das Konzept des „Landvergnügens“. Mit der dicken „Bauernhofbibel“ erwirbt der Käufer das Recht, dort mit Zelt oder Wohnmobil zu übernachten. Ein anschließender Einkauf im Hofladen wird gern gesehen. Diese Anlaufpunkte haben sie und ihre Kinder bereits quer durch Deutschland geführt, vom Erlebnishof mit Matschgarantie für Kinder über den Apfelhof mit eigener Getreide- und Whiskyherstellung bis zur Nacht im Moor, „mitten im Nichts“.  hey

Innerhalb von wenigen Minuten ist das mobile Zuhause auf dem Autodach aufgebaut. Dann lässt es sich gut darin entspannen und schlafen – egal wo.

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