Zwei Jahre nach Gründung

Flüchtlingscafé in Scheeßel: Es ist viel entstanden

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Wer mittwochnachmittags den Meyerhof betritt, erlebt Integration pur.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Einmal in der Woche gibt es das Café Refugium in Scheeßel. Flüchtlinge und Einheimische sitzen an einem Tisch, trinken Kaffee und essen Plätzchen. Ein Ort der Begegnung und der Hilfe für die Flüchtlinge. Nach fast zwei Jahren ehrenamtlicher Arbeit ziehen die Macher des Cafés Bilanz.

Mittwochnachmittags ist viel los im Meyerhof. Fast alle Plätze sind besetzt. Auf der Diele herrscht ein lebhaftes Stimmengewirr. An einem Tisch spielen Kinder ein Brettspiel, und am Ende eines anderen wird schnell wieder gewürfelt. Am oberen Ende sitzen die Erwachsenen und unterhalten sich in einer fremd klingenden Sprache. „Guten Tag, wie geht es Ihnen?“, so lautet eine der häufigsten Fragen, die man hier gestellt bekommt. 

Dabei strahlt das Gesicht der fragenden Person meist. Wenn man mit „Danke, sehr gut! Und Ihnen?“ antwortet, dann kann man schon mal in ein verlegen lächelndes Gesicht schauen. „Guten Tag, wie geht es Ihnen?“, das ist oft der erste Satz, den Migranten in Deutschland lernen. Bei der Rückfrage, da beginnen schon die Verständnisschwierigkeiten. Aber das macht nichts, denn ein Freund springt meist sofort ein und erklärt, was gefragt wurde. Auch das in mehreren Sprachen gleichzeitig. Irgendwie bekommt man es hin, mit der Kommunikation. Und wenn die Rückfrage übersetzt und beantwortet ist, dann lachen alle wieder.

Von Ehrenamtlichen initiiert

Im Oktober 2015 ist das Café von den Ehrenamtlichen des Scheeßeler Flüchtlingsvereins initiiert worden – Gleichstellungsbeauftragte Anja Schürmann und Anouschka Stooff hatten die Idee, einen festen Begegnungstag in der Woche einzurichten, an dem die dezentral in der Gemeinde untergebrachten Flüchtlinge mit Deutschen zusammenkommen. Seitdem öffnen sich jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr die Tore des Meyerhofes. 

Und offenbar wird das Angebot trotz fortschreitender Integration immer noch gut angenommen, wie Schürmann bestätigt: „Klar, die 40 bis 50 Menschen, die anfangs bei uns noch an den Tischen saßen, sind es nicht mehr – viele machen inzwischen ja auch eine Ausbildung, absolvieren ein Praktikum oder haben sich über ihre Vereinszugehörigkeit vernetzt.“ Aber: Noch heute würde ein ständiges Kommen und Gehen herrschen. „Viele sagen nur kurz mal ,Hallo‘, wollen etwas mit uns besprechen – bei den Afghanen stehen jetzt beispielsweise die Anhörungen an – so etwas steht inzwischen im Vordergrund.“

Gesellschaftsspiele beliebt

Andere sind gekommen, um Gesellschaftsspiele zu spielen. „Bei den Kindern kommen eh über alle Kulturen hinweg die gleichen Spiele gut an. Hauptsache es macht Spaß“, sagt Gabriela Villwock, eine der Ehrenamtlichen. Viele Freundschaften hätten sich im Laufe der vergangenen zwei Jahre durch das regelmäßige Angebot entwickelt. „Man kennt die Familienzusammenhänge, weiß, wer wo arbeitet“, meint die Schulsozialpädagogin. „Allerdings dürften ruhig auch mehr Frauen vorbeikommen, das ist noch ein zartes Pflänzchen.“

Blickt man in die Runde, sucht man einheimische Bürger – bis auf die Café-Betreiber selbst – vergebens. „Das Interesse der Scheeßeler an einem interkulturellen Austausch ist hier wirklich gering“, hat Schürmann festgestellt. „Zu Beginn haben noch viele bei uns reingeschaut, um zu fragen, wie sie helfen können“, erinnert sich die Organisatorin. Das habe sich aber gelegt. „Die, die es wirklich ernst meinten, haben ihre Aufgabe längst gefunden.“ Und die, sind sich die Beteiligten sicher, werden sie auch in Zukunft nicht so schnell an den Nagel hängen können.

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