Verkehrskataster: Sothel und Bartelsdorf Spitzenreiter / Einsatz von Geschwindigkeitsdisplays geplant

„Nicht kleckern, sondern klotzen“

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Brennpunkt Bartelsdorf: Laut Auswertung der Messungen rollt durch die Ortschaft am meisten Verkehr.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Verkehr auf dem Prüfstand: Ein Jahr lang hat die Rotenburger Verkehrswacht Messungen auf den Straßen der Gemeinde vorgenommen. Ziel war es, ein flächendeckendes Kataster zu erstellen, das Politik und Verwaltung aufzeigt, wo Autofahrer zu schnell unterwegs sind und wo besonders viele Fahrzeuge durchfahren. Inzwischen sind die Daten ausgewertet – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. Am Mittwoch wurden sie die dem Scheeßeler Bau- und Planungsausschuss vorgestellt.

„Für uns war es ein außergewöhnliches Projekt“, sagte Heiner van der Werp bei der Präsentation im Rathaus. Zwar biete sein Verein den Kommunen im Altkreis schon seit längerem Geschwindigkeitserhebungen- und Auswertungen an – auch über längere Zeiträume – „aber eine flächendeckende Erhebung, wie wir sie für die Gemeinde Scheeßel gemacht haben, war für uns Neuland“, so der Geschäftsführer.

Von Juni 2014 bis Mai dieses Jahres hatten er und vier seiner Mitstreiter kleine, ganz unscheinbare Messgeräte an Straßenmasten angebracht, die dort jeweils sieben Tage lang die Autofahrer ins Visier nahmen. „Die Gemeinde ist dabei schon in Vorleistung gegangen und hat versucht herauszufiltern, wo es zwackt“, berichtete van der Werp. Dass von den ursprünglich 20 benannten neuralgischen Punkten am Ende 16 übrig blieben, begründete er damit, dass mitunter außerorts gar keine Masten vorhanden waren. „Ferner haben wir Ostervesede wegen der dortigen Großbaustelle wieder streichen müssen.“

Womit er persönlich nicht gerechnet habe: Sothel ist beim Blick auf die Geschwindigkeitsüberschreitungen einsamer Spitzenreiter. Exakt 91,6 Prozent der Autofahrer würden im Tempo-50-Bereich am Ortseingang aus Richtung Hamersen zu schnell fahren – und das in beide Richtungen. Es folgen Wohlsdorf und Bartelsdorf. Dass die Gemeinde generell eine Raser-Kommune sei, verneinte van der Werp. „Es gibt eben Stellen, die belasteter sind als andere.“

Ohnehin müsse man in Betracht ziehen, dass an der Sotheler Messstelle generell nur wenig Durchfahrtsverkehr herrsche, setzte er die Ausschussmitglieder in Kenntnis. Ganz im Gegensatz zu der durch Bartelsdorf führenden Kreisstraße, die nach der B75 mit einem Tagesverkehr von durchschnittlich 5700 Fahrzeugen bei innerörtlicher Betrachtung im Ranking gleich auf Platz zwei folgt. „Auch die Verkehrsströme in Hetzwege und Wohlsdorf waren signifikant hoch“, berief siech van der Werp auf die Auswertung.

Was also tun gegen Geschwindigkeitssünder und Blechlawinen? Ein Patentrezept könne er den Scheeßelern nicht mit an die Hand geben, so der Fachmann. Allerdings hätten mit Blick auf die Tempo-Drosselung sogenannte Geschwindigkeitsdisplays seiner Beobachtung nach schon gute Dienste erwiesen. „Wir gehen davon aus, dass man mit solchen Tafeln die Geschwindigkeit um zehn Prozent senkt – und das ohne bei den Autofahrern ein Gewöhneffekt eingetreten ist.“

Eine Idee, die Ratsherr Detlev Kaldinski (SPD) aufgriff: „Die Displays bringen auch wissenschaftlich belegt am meisten und sind inzwischen mit rund 2500 Euro pro Stück überschaubar günstig geworden.“ Ferner würden die Geräte, die den Verkehrsteilnehmern über eine Anzeige ihr gefahrenes Tempo aufzeigen, mit 30 Prozent vom Landkreis bezuschusst. Den Verkehr an den Brennpunkten durch straßenbauliche Maßnahmen zu drosseln und damit womöglich zehntausende Euro in die Hand zu nehmen, das kam weder für Kaldinski, noch für seine Tischnachbarn im Ausschuss in Frage.

Eine Beschluss, ob und wie viele Displays zum Einsatz kommen sollen, traf das Gremium nicht. Man wolle sich in den einzelnen Fraktionen vorerst das gesamte Kataster zu Gemüte führen, hieß es. Um Vorschläge für Lösungen zu erhalten, soll demnächst noch ein Verkehrsfachbüro hinzugezogen werden.

Nur auf eines wollte Ratsherr Reinhard Frick (CDU) sich schon jetzt mit Blick auf die Messtafeln festlegen: „Da sollten wir eher klotzen und nicht kleckern.“

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