Ehepaar von Schiller im Interview

Verein „HerzCaspar“: Familie und Freunde tragen Idee weiter

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Die Familie von Schiller sowie Freunde von Caspar von Schiller haben den Verein „HerzCaspar“ gegründet, und sind damit auf dem Weg, die Idee eines Betreuungsangebots zu realisieren.

Lauenbrück - Von Farina Witte. Der Verein „HerzCaspar“, der von der Familie von Schiller aus Lauenbrück gegründet wurde, möchte sich für die Betreuung Jugendlicher und junger Erwachsener in Krankenhäusern engagieren. Der Name des Vereins war die Idee des Sohnes von Katharine und Friedrich-Michael von Schiller, Caspar, der eine Herzerkrankung hatte, die schließlich zu einer Herztransplantation führte. Caspar von Schiller starb im Frühjahr 2014 infolge von Abstoßungserscheinungen. Wie es zu der Vereinsgründung kam und welche Projekte sie verfolgen, erzählt das Ehepaar von Schiller im Interview.

Wieso hat ihre Familie den Verein gegründet?

Katharine von Schiller: Im Grunde war es die Idee unseres Sohnes Caspar. Er verbrachte durch eine lebensbedrohliche Herzerkrankung eine lange Zeit in Krankenhaus und Reha. Friedrich-Michael von Schiller: Und ihm war häufig langweilig während des Krankenhausaufenthalts. Ärztlich ist er sehr gut versorgt worden, aber zwischendurch gab es immer mal Lücken. Das musste zum Beispiel durch Besuche gefüllt werden. Wir haben eine sehr große Familie, sodass auch eigentlich immer jemand da war, aber es gab trotzdem Zeiten, in denen nichts los war. Er hatte außerdem das Bedürfnis, sich mit Gleichaltrigen zu treffen, das fehlte ihm. Es war dann seine Idee, einen Verein, eine Stiftung oder eine Institution zu gründen, die diese Lücke füllt. Das Projekt sollte „HerzCaspar“ heißen.

Wieso hat er sich für den Namen „HerzCaspar“ entschieden?

Katharine von Schiller: Wir haben schon gesagt „Bist du sicher, dass das so heißen soll?“. Und da hat er gesagt: „Ich bin sowieso immer der Herz Caspar.“ Wenn er auf einer Party war und die Leute erfahren haben, dass er ein Spenderherz hat, hieß es immer „Ach, du bist der Caspar mit dem Herz“. Und er hat immer vorgehabt, sich nach seiner Genesung, mit einer eigenen Idee zu engagieren. Es war sein Bedürfnis, mit jungen Leuten zusammen zu sein. Es geht darum, wieder Perspektiven zu eröffnen oder auch Spaß zu haben, dass man auch mal wieder lachen kann. Es gab auch Situationen für Caspar, in denen er am Ende war und kaum noch Kraft hatte. In diesen Momenten war es die Aufgabe des Krankenhaus Teams, der Freunde und Familie ihn wieder aufzubauen. Gerade die Freunde spielten dabei aber eine große Rolle, denn er war nun mal auch kein Kind mehr – mit 15 Jahren ist er krank geworden, mit 20 ist er gestorben. Und in solchen Situationen war es eben wichtig, dass Freunde in dem Alter da waren, die sagen „Komm, wir machen uns einfach mal einen schönen Tag.“

Das Logo des Vereins.


Wie sieht die Arbeit des Vereins derzeit aus?

Friedrich-Michael von Schiller: Wir planen momentan ein Pilotprojekt in Hamburg. In Hamburg deswegen, weil viele junge Leute, die den Verein mitgegründet haben, in Hamburg arbeiten oder studieren. Dort wollen wir mit einer Klinik zusammenarbeiten und eine Patientenbetreuung für Jugendliche und junge Erwachsene anbieten. Katharine von Schiller: Unsere Töchter Fernanda und Xenia sind aktiv dabei, das Konzept der Betreuung zu entwickeln. Das ist eine Säule und die größte Aufgabe momentan. Es soll dann auch erweitert werden, sodass es ein Team Münster, Team Köln, oder auch Team Rotenburg gibt. Und wir überlegen langfristig, ob man hier im Landpark schöne Wochenenden anbieten kann. Dass man hier einen Ort der Entschleunigung schafft, wo man normal sein kann. Das „HerzCaspar“-Prinzip ist dabei, dass Geschwister und Freunde im Fokus sind. Außerdem versuchen wir, viele Events zu organisieren. Zum Beispiel organisiert die zweite Vorsitzende Xenia für den Sommer einen „HerzCaspar“-Flohmarkt hier im Landpark, vielleicht auch mit einem kleinen Konzert. Dann haben wir Rouven Stieghahn und Patrick Siegmund, die bei dem „Baltic-Sea-Circle“ teilnehmen, uns damit unterstützen und für diese Idee sammeln. Der Verein möchte auch helfen, dass Betroffene sich untereinander vernetzen können. zum Beispiel über Social-Media-Plattformen.

Was gibt es für Voraussetzungen bei der Betreuung?

Katharine von Schiller: Jeder mit der Motivation, kranke junge Leute empathisch zu begleiten, ist willkommen. Begleitung findet immer im Team statt, so ist die Idee. Friedrich-Michael von Schiller: Wir nennen diese freiwilligen Betreuer die „Buddies“. Die fünf, sechs oder sieben Leute, die dann den Dienst vor Ort machen, werden mit einem eigens entwickelten Programm vom Krankenhaus geschult, etwa in Bezug auf Schweigepflicht und Hygiene-Maßnahmen.

Kann sich jeder für diese Aufgabe melden?

Katharine von Schiller: Ja, jeder kann die Aufgabe übernehmen. Und deswegen ist es natürlich sinnvoll, nach diesem Pilotprojekt in Hamburg noch in weiteren Städten aktiv zu werden. Denn es kann ja nicht jeder überall hinreisen. Da ist das große Ziel, ein Netzwerk aufzubauen. Ein „HerzCaspar“-Betreuer muss allerdings mindestens 18 Jahre alt sein. Friedrich-Michael von Schiller: Es sind zum Beispiel viele Medizinstudenten oder Krankenschwestern bislang dabei.

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