Ein „Urgestein“ macht Feierabend

Siegrid Dittmer gibt nach 25 Jahren die Leitung des Eltern-Kind-Turnens ab

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Siegrid Dittmer (l.) übergibt den Staffelstab des Kinderturnens beim TV Scheeßel, hier symbolisch dargestellt durch die kleine Mila, an ihre Nachfolgerin Henrike Lütjen.

Scheeßel - Wenn Siegrid Dittmer an einem Mittwochnachmittag in der Turnhalle der Grundschule steht, umringt von Ein- bis Zweieinhalbjährigen nebst ihren Eltern, dann nur noch zur Vertretung.

25 Jahre lang hat die knapp über 60-Jährige hier das Eltern-Kind-Turnen geleitet, mit Generationen von Kindern das Begrüßungs- und Abschiedslied gesungen, die Finger Zappelmänner spielen lassen, unzählige Parcours zum Krabbeln, Rutschen, Klettern und Balancieren gebaut und so eine Art sportliche Früherziehung geleistet. Aber Dittmer hat auch mit Handbürsten, Schwämmen, Sandsäcken oder selbst gebauten Regenmachern aus heimischen Beständen das taktile Begreifen angeregt. Nun ist ein Großteil der Materialien ins Büro von Henrike Lütjen gewandert. Die 38-jährige junge Mutter hat die Leitung des Angebots des TV Scheeßel für die Jüngsten übernommen – und so eine Institution gerettet.

Bereits seit 2009 hatte Dittmer immer wieder die Fühler nach einem Nachfolger ausgestreckt, um den Staffelstab (in diesem Fall einen Turnhallenschlüssel) weiterzugeben – vergeblich. Selbst sei sie „auch so da reingerutscht“, damals, 1995, als der Sohn der Gruppe entwachsen war und sie die damalige Leiterin Tina Behrens beim Turnen der Tochter Dörte traf. Die war dann auch tatkräftig dabei. In späteren Jahren unterstützte sie die Mutter.

Das kann man von Lütjens Tochter Mila noch nicht erwarten – sie ist gerade mal 15 Monate alt und bleibt, wenn es nach der Mutter geht, mittwochnachmittags von 16.45 bis 17.45 Uhr besser beim Vater – „schließlich will ich mich voll und ganz auf die Gruppe konzentrieren können“. Sich in die Gruppenleitung einzufinden, sei für die Scheeßelerin kein Problem gewesen – als ausgebildete Ergotherapeutin mit psychomotorischer Zusatzausbildung behandelt sie häufiger auch Kinder, „allerdings eher ältere“. Lütjen hatte in der Zeitung gelesen, dass die Gruppe vor dem Aus steht, sollte sich keine neue Leitung finden. „Beim ersten Mal habe ich nur gedacht: Schade, da wollte ich doch bald mit Mila hin.“ Beim zweiten Mal fühlte sie sich angesprochen: „Wer, wenn nicht ich?“ Der Partner war einverstanden – im Ausnahmefall darf Mila auch mal mit in die Halle. „Ich habe die Eltern gefragt, und sie sind alle sehr verständnisvoll.“ Von Vorbehalten beim personellen Wechsel keine Spur: „Die waren alle dankbar, dass es weitergeht.“

Nach einer Hospitation und einem Schnuppern war die Sache geritzt: Henrike Lütjen übernahm die Gruppe, „zu klären hatten wir nur noch einige organisatorische Dinge“, so Dittmer. Vermissen wird sie ihr altes Betätigungsfeld nach einem Vierteljahrhundert im Amt nicht: „Schwergefallen wäre es mir nur, wenn sich niemand gefunden hätte – frischer Wind ist mal ganz schön.“

Was sie so lange gehalten hat, auch als die Kinder schon längst dem Schüleralter entwachsen waren? „Es hat einfach Spaß gemacht“, so die einfache Antwort, „schön war es, wenn die erst Zwei- oder Dreijährigen sich nach einem halben Jahr noch an mich erinnern konnten, wenn man sich zufällig beim Einkaufen über den Weg lief.“ Aber auch an einige Erlebnisse kann sie sich erinnern: An die Mutter, deren Kind mit vier noch nicht mit beiden Beinen hüpfen konnte – nach Dittmers Rat, es auf dem ausgedienten Sofa zu versuchen, war das Eis gebrochen. Noch heute bricht sie, inzwischen selbst Großmutter, eine Lanze für die Bewegung in der Halle: „Draußen getobt wird nur noch selten. Viele sind zum Stillsitzen verurteilt, wenn sie noch mit Drei mit der Karre herumgeschoben werden.“

Dem kann Lütjen aus ihrer Berufspraxis nur beipflichten: „Den Bewegungsmangel können Schule und Kindergarten gar nicht auffangen.“ Auch aus dieser Überlegung heraus war die Gruppenleitung ein logischer Schritt: „Warum erst später die Kinder mit fünf, fechs fördern, wenn man auch früher ansetzen kann?“

Ganz umgewöhnen müssen sich die Teilnehmer der Gruppe übrigens nicht: Der große Ablauf ist geblieben, und auch die Liederwünsche der Kinder kann sie bereits weitestgehend erfüllen. Und manchmal ist etwas Neues eigentlich ganz alt: Das Abschlusslied der Tochter, „Häschen in der Grube“, dürfte zumindest den Großeltern, die immerhin rund ein Drittel der Begleitpersonen ausmachen, dann doch noch bekannt vorkommen. 

hey

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