Untervogtplatz: Baumfällungen drohen aktuellen Planungsstand durcheinander zu wirbeln

Rolle rückwärts im Fachausschuss

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Seit einem Jahr ist der Entwurfsplan zur Umgestaltung des Untervogtplatzes auch online einsehbar. Trotzdem war nicht jedem Lokalpolitiker bewusst, dass alle sechs Bäume, die jetzt auf dem Areal stehen, gefällt werden sollen. Grafik: Horeis und Blatt

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Die Entwurfsplanung: abgehakt. Die Möblierung des Kommunikationsplatzes: in trockenen Tüchern. Stück für Stück hat der Scheeßeler Gemeinderat den neuen Untervogtplatz Gestalt annehmen lassen. Es wurden Entwürfe konkretisiert und wieder verworfen. Die einen wetterten gegen eine Umgestaltung, die anderen erwiesen sich als eifrige Verfechter. Am Dienstagabend galt es für den Kernortausschuss mit der Ausführungsplanung nun die nächste Etappe auf den Weg zu bringen – doch das gestaltete sich schwieriger, als zu vermuten gewesen wäre.

Gegenstand der rund zweistündigen Debatte waren die auf dem Platz stehenden Bäume – drei Roteichen, ein Spitzahorn, ein Feldahorn und eine Esche. Wenn es nach dem zuständigen Architekturbüro geht, sollen die nämlich allesamt gefällt werden – um so nicht nur den Blick auf Kirche und Gasthaus frei zu machen, sondern auch, um ein Optimum an Pkw-Stellflächen gewährleisten zu können. Immerhin: vier Bäume würden an anderer Stelle neugepflanzt – so ist es auch der Entwurfsplanung zu entnehmen, die der Rat schon vor knapp einem Jahr verabschiedet hatte.

Was einzelne Ratsmitglieder offenbar aber übersehen haben: vom derzeitigen Baumbestand ist in den Zeichnungen nichts mehr zu sehen. Und so war der Aufschrei groß, als erst der Nabu im Dezember vergangenen Jahres auf die Fällungen aufmerksam machte – und öffentlich harsche Kritik an dem Vorhaben äußerte.

Ein Stück weit „Rolle rückwärts“ hieß es nun also in der Sitzung, in der ganz nebenbei auch die auf Grundlage der politischen Entscheidungen erarbeitete Ausführungsplanung vorgestellt wurde. Dass das Vorhaben nicht ausreichend von Seiten seines Büros kommuniziert worden sei, wies Architekt Niels Blatt entschieden zurück. Für ihn sei es nicht nachvollziebar, „dass man nicht erkennt, dass da jetzt keine Bäume mehr stehen“. Auch Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele wunderte sich: „Das Thema ist nicht neu, die Pläne stehen schon seit einem Jahr im Internet – ich behaupte mal, dass es alle gewusst haben, was da in Auftrag gegeben wurde.“

Dass dem nicht so ist, entgegnete Detlev Kaldinski (SPD): Seinen Worten nach sei nicht nur ihm selbst, sondern noch einigen weiteren Ratsmitgliedern das Ausmaß der Baumfällungen bis zu den Äußerungen des Nabu nicht bekannt gewesen. Anders äußerte sich die Opposition. „Für mich war sofort klar, dass die Bäume so nicht dort stehen bleiben werden“, erklärte Günter Bassen (CDU), der dafür plädierte, mit den Planungen auf den letzten Metern bis zum Zieleinlauf nun nicht nocheinmal von vorne zu beginnen.

Optionen, wie der Platz auch ohne vollständigen Kahlschlag aussehen könnte, lieferte Blatt den Lokalpolitikern dennoch. So brachte der Fachmann zwei Varianten ins Spiel, die zumindest einen Teilerhalt des jetzigen Baumbestandes zum Gegenstand haben – parallel jedoch auch zu gravierenden Abweichungen führen würden, was den aktuellen Planungsstand betrifft. So würde sich seiner Auskunft nach nicht nur eine neue Einfahrtsituation ergeben, auch mit Blick auf die Anzahl der Stellflächen sowie der Größe und der Aufenthaltsqualität des Kommunikationsplatzes müsse man Abstriche machen. „Das alles wäre die Konsequenz, wenn der Rückschritt tatsächlich gemacht werden soll“, so Blatt.

Bernd Braumüller, Inhaber des direkt an den Untervogtplatz angrenzenden Gasthauses Götze, zeigte sich davon unbeeindruckt. Er sei überzeugt, dass kaum jemand in der Bevölkerung die Fällungen gutheißen werde. „Durch die Bäume ist Intimität gewährleistet, die der Platz gut gebrauchen kann – zum Beispiel beim Spargelmarkt“, meldete er sich von der Zuschauerreihe aus zu Wort. „Mir selbst nützt es gar nichts, wenn da erst in 40 Jahren wieder hohe Bäume stehen werden.“ Was ihn persönlich ärgere: Schon im Oktober habe er das Thema während einer Kernortausschuss-Sitzung angesprochen – ohne, dass Politik und Verwaltung aus seiner Sicht davon ausreichend Kenntnis genommen hätten. Braumüller ist überzeugt: „Wenn das von vornherein berücksichtigt worden wäre, hätte man auch eine Lösung gefunden.“

Von einer „krassen Fehlplanung und in dieser Form auch Geldverschwendung“, sprach der Nabu-Vorsitzende Roland Meyer – sollte der Ausschuss der Ausführungsplanung inklusive den Baumfällungen zustimmen. Und so kam es dann auch: Mit fünf Ja-Stimmen aus der SPD und CDU, drei Enthaltungen (SPD und Gruppe 57) sowie einer Gegenstimme (Grüne) machten die Politiker Nägel mit Köpfen – und lösten bei Meyer nur Kopfschütteln aus: „So erzeugt man Politikverdrossenheit“, äußerte sich der Nabu-Chef im Anschluss an die Abstimmung. Er und seine Mitstreiter hoffen nun eines: „Dass es bis zur Sitzung des Verwaltungsausschusses und des Rates doch noch ein Umdenken gibt.“

Die wesentlichen Punkte der Ausführungsplanung: Die Ausführungsplanung zur Umgestaltung des Untervogtplatzes ist bereits weit vorangeschritten. „Wir sind inzwischen bei 80 Prozent angekommen“, erläuterte Diplom-Ingenieurin Claudia Hübner vom beauftragten Architekturbüro Horeis und Blatt während der Kernortausschuss-Sitzung am Dienstagabend. Spätestens im März könne mit einer Ausschreibung begonnen werden, einen Baustart der letzten von insgesamt fünf Maßnahmen im Rahmen der Kernortsanierung stellte sie für den kommenden Sommer in Aussicht. Ein näherer Blick in die technische Ausführung zeigt: Bis auf den kleinsten Zentimeter ist der Platz durchgeplant – angefangen von den Parkstellflächen und Baumscheiben über die neue Treppenanlage und behindertengerechte Rampe am Rathaus bis hin zum Kommunikationsplatz. Auch zum Pflastermuster gab Hübner nähere Auskünfte. Demnach sind vier verschiedene Farbtöne vorgesehen, die einzelne Bereiche dezent strukturieren sollen. Ebenfalls geplant ist ein Blindenleitsystem, das zwischen Rampe und Untervogtplatz angelegt werden soll, sowie der Einsatz von Kontraststreifen auf der Rathaustreppe.

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