Unser Redakteur versucht sich im Landpark Lauenbrück als Tierpfleger

Auf du und du mit Ochse & Co.

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Von wegen scheu: Die Sika-Hirsche fressen dem Menschen sogar aus der Hand.

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Wer wollte nicht schon einmal gerne hinter die Kulissen des Landparks Lauenbrück blicken? Sozusagen auf du und du mit Sikahirsch, Packesel und Bentheimer Landschaf. Unser Redakteur Lars Warnecke hat während seines Schnuppertags als Tierpfleger den Alltag kennengelernt. Ein Selbstversuch.

Pünktlich um zehn Uhr morgens holt mich Andreas Wulf am Eingang ab. Seit mehr als fünf Jahren arbeitet der 49-Jährige im Landpark – und das nicht nur als Tierpfleger, wie ich später erfahren werde. Schnurstracks geht es zum Futtermobil. Eimerweise Körner und gehäckseltes Getreide: Der Anhänger ist voll beladen. Kaum nehme ich auf dem Beifahrersitz Platz, geht es auch schon los – vorbei an den ersten Gästen des Tages. Ich blicke mich um, gerate ins Träumen. Der Park, die Tiere – es ist schon idyllisch hier. Das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, verschönt den Tag. Die frische Luft, die Sonne – herrlich!

Doch für Schwärmerei bleibt nicht viel Zeit. Wir haben jede Menge vor an diesem Vormittag, schließlich wollen von den Auerochsen über die Esel Fricka und Friso bis zu den Schlittenhunden, den Alaskan Malamutes, alle hungrigen Mäuler gestopft werden – stolze 350 an der Zahl. Dabei hat Wulf mit dem Anmischen und der Portionierung des Futters, bestehend aus Gerste, Mais und Hafer, schon eine Menge Vorarbeit geleistet. „Einige Tiere bekommen noch ein bisschen Kraftfutter dazu, da sind dann spezielle Mineralien drin“, erklärt mir der ehemalige Landwirt. Andere Vierbeiner, wie das Damwild, seien hingegen die idealen Selbstversorger. Saftiges Gras und Feldfrüchte als Futterquelle gibt es in diesen Wochen auf den Park-Weiden reichlich. Und in den Wintermonaten? „Da bekommen die Tiere von uns Rüben“, so Wulf.

Seit acht Uhr ist der Sotheler auf den Beinen. Einen schöneren Job kann er sich nicht vorstellen. „Man ist den ganzen Tag an der frischen Luft und hat die Tiere um sich.“ Zum Revier von Andreas Wulf gehören unter anderem die Galloway-Rinder. Einer der beiden Bullen erwartet uns schon am Gitter seines Geheges. Schätzungsweise 800 Kilogramm wiegt der zottelige Wiederkäuer. Er schnaubt. Tief und lang. Ist er aufgebracht? Oder will er mir nur seine Zufriedenheit zeigen? In freier Wildbahn hätte ich wohl schon längst die Beine in die Hand genommen.

Schauplatzwechsel: An der Damwild-Koppel werden wir mit unseren Futtereimern schon sehnlichst erwartet. „Die sind ganz schön nachtragend“, flüstert mir Andreas Wulf ins Ohr, und mir wird schnell klar, was er damit meint. Kaum, dass wir beide das Refugium der Hirsche betreten, nehmen sie auch schon Reißaus vor uns – weniger Scheu zeigen sie sich dagegen bei den Parkbesuchern, von denen sie sich zu meiner Verwunderung sogar streicheln lassen. „Für die bin ich der Böse, weil wir manchmal das eine oder andere Tier mit dem Gewehr narkotisieren müssen“, klärt mich der 49-Jährige auf. Grund dafür sei die Bestandsregulierung. Die, schildert er mir, erfolge sowohl durch den Verkauf an andere Zoos und Wildparks, als auch an private Gatterhalter. In einer Transportkiste oder auf einem Hänger würden die Tiere dann ihrem neuen Bestimmungsort überführt. „Das ist aber ein begrenzter Markt, weswegen wir gelegentlich auch unsere Tiere schlachten und sie als Steak oder Grillwurst in unserer Gastronomie auf dem Teller landen.“ Wohl bekomm‘s.

Zurück am Futtermobil kommt ein großer Puter auf mich zu, plustert sich auf und zischt mich an. „Wir sollten schleunigst weiterfahren“, denke ich. Waren Puter nicht eigentlich friedliche Tiere?

Nachdem auch die anderen Tiere versorgt sind, gönnen Wulf und ich uns eine kurze Verschnaufpause. Von einer Bank aus beobachten wir das auf einer Weide grasende Sika-Wild, eine japanische Hirschart. Aus der Ferne erspähen wir ein Jungtier, wie es auf wackligen Beinen aus einem Gebüsch lugt. „Das ist erst diese Nacht geworfen worden“, sagt der Tierpfleger. Wulf muss es wissen, kennt er doch jeden tierischen Bewohner wie seine eigene Westentasche. Brütet einer seiner Schützlinge eine Krankheit aus, entgeht ihm das nicht. „Schon kleinere Verhaltensveränderungen könnten auf Krankheit oder Verletzung hindeuten“, erzählt er mir.

Es bleibt ein wenig Zeit, über die Anforderungen seines Jobs zu plaudern. „Wer meint, Tierliebe alleine reiche aus in diesem Beruf, liegt falsch“, sagt er. Die Aufgaben sind vielfältig: Gehege und Zäune müssen instand gesetzt werden. Handwerkliches Geschick schadet also nicht. Außerdem müssen Ställe ausgemistet, die Gartenanlagen gepflegt und im Winter die Anlagen von Schnee und Eis befreit werden. „Bis auf unsere Tränken – die sind neuerdings beheizbar, so dass das Wasser nicht gefrieren kann“, erklärt er mir. Mehrere Stunden draußen bei drückender Hitze gehören genauso dazu, wie solche bei eisiger Kälte oder Dauerregen. Regelmäßige Wochenend- und Feiertagsarbeit sind ein Muss, schließlich hat man sich 365 Tage im Jahr um die Tiere zu kümmern.

Nach gut zwei Stunden sind wir wieder im Eingangsbereich angekommen. Bevor wir das Futterauto an seinen Platz zurückbringen, erwartet mich aber noch eine letzte Aufgabe: Am Auerochsen-Gehege schnappen wir uns Schaufeln, um die Hinterlassenschaften der Rindviecher einzusammeln. Bei all dem Mist kommt man ganz schön ins Schwitzen.

Ich bin erstaunt, wie schnell die Zeit verflogen ist – und auch etwas wehmütig, dass mich wieder das Büro erwartet. Immerhin: Andreas Wulf macht mir deutlich, dass ich jederzeit wieder vorbeikommen könne, um ihm zur Hand zu gehen. Ein verlockendes Angebot nach so einem tierisch tollen Tag.

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